Holzingers Versuchungen

Das Deo aus der Bio-Küche

Ich habe mich an die Herstellung eines natürlichen Deos ohne künstliche Zusatzstoffe gewagt und das ganze auf Film festgehalten.

  • Drucken
monicorem / iStock

Industrielle Deodorants sind Waffen. Sie gelten aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung teilweise als krebsverdächtig, sie irritieren die Haut und manchmal auch das weiße Hemd darunter. Kurzum: Ersatz muss her. Bloß: Woher nehmen, wenn nicht selber machen? Bingo. Guter Rat ist nicht teuer. Dieses Rezept verspricht hochwirksamen Gestanksschutz gepaart mit gut verträglichen Küchensubstanzen. Für die Monatspackung reichen ein halbes Döschen Kokosfett, zehn Tropfen ätherisches Öl, ein bis zwei Esslöffel Kartoffelstärke und ein kleines Päckchen Natron. Abgefüllt wird die Sache am besten in kleinen Döschen aus dem Kosmetikzubehörhandel oder in alten leeren Cremetigeln.

Kochen für Greenhorns

Im Selbstversuch entschied ich mich für drei unterschiedliche Duftnoten. "Alter Bock" enthielt Lavendel, "WC-Aktiv" war mit Lemongrass versetzt und "Achsel Rose" mit dem Duft der Ehschonwissen für die romantischen Stunden zu zweit. Bei der Zubereitung ist wichtig, das Kokosöl moderat – am besten im Wasserbad – auf etwa 50 bis 60 Grad zu erhitzen, um eine flockfreie flüssige Lösung zu erhalten, in die man die anderen Bestandteile in beliebiger Reihenfolge einmischen und verrühren kann. Das kann jeder, der schon einmal erfolgreich ein Butterbrot geschmiert hat.

Liegen die Zutaten parat, ist so eine Deomasse nach weniger als zehn Minuten fertig. Nach dem guten Verrühren sollte die flüssige Lösung abgekühlt werden – am besten im Kühlschrank. Achtung: Kokosfettdeos sehen nicht groß anders aus als vegane Kokosaufstriche, die ätherischen Öle sind mitunter ungenießbar – weshalb vom Anrühren in alten Lebensmittel- und Marmeladegläsern abgeraten wird.

+++ Mehr zum Thema: Ist Kokosöl ungesünder als Butter? +++

Fett wie ein Radierer

Die Anwendung ist kinderleicht. Die gefestigte Kokosfettbasis samt Duftnote einfach in kleiner Menge unter die schweißanfälligen Stellen schmieren. Aber Achtung: Das Deo basiert auf reinem Fett. Das heißt: Wer sein Gewand frei von unschönen Flecken halten möchte, muss die duftende Masse einwirken lassen. Nach ein paar Minuten kann man sich gefahrlos mit Seide & Co. bekleiden.

Der wandelnde Duftbaum

Gleich vorweg: Ätherische Öle gibt’s in allen Ausbaustufen. Vom billigen Synthetikprodukt bis zum astreinen Rosenöl, das in Literabfüllung ein paar tausend Euro verschlingt. Für alle, die gut duften wollen, ein sehr guter Rat: Wer billig kauft, stinkt. Oder muss lange probieren.

Ich habe mich durch die Sonderangebote gewühlt und muss gestehen: Nicht alles, was Schweiß verdeckt, riecht auch besser. Da man mit wenigen Tropfen die Achselpampe für ein ganzes Monat oder länger aromatisieren kann, sind ein paar Euro mehr jedenfalls bestens investiert.

+++ Mehr zum Thema: 10 Öle für jede Emotion +++

Der Test in freier Wildbahn

Testversion eins war einfach: meine Kinder (2 und 4). Die kennen Deodorants unter dem hübschen Namen "Stinkophon", haben deren Funktion noch nicht ganz begriffen. Die halbschmierige Fett-Stärke-Pampe fanden sie spannend. Den Geruch weniger. Der Kleinere hielt fest: "Ich rieche besser." Damit hatte er vermutlich Recht, ich war gerade in eine Wolke WC-Reiniger-Duft eingehüllt (Lemongrass). Lavendel fanden sie neutral interessant, also egal. Rosenduft war vor allem der Tochter ein Anliegen. "Sind da Blumen drin?", wollte sie wissen. Im Normalfall ja, in meinem Billigöl vermutlich eher nicht. Fazit: Meine Eigenbau-Stinkophone waren haptisch willkommen, alles, was schmiert, ist gut, olfaktorisch aber ein Reinfall.

Tausend Rosen – mein Reinfall

Erwachsene in den besten Jahren gingen etwas differenzierter an die Sache heran. Die Lemongrass-Version polarisierte. Die eine Hälfte (da zähle ich dazu) roch Kloreiniger, die andere fand das erfrischend.  Das sind die Marathonläufer in ihren Winter-Stretchhosen, die sich auch an unmarinierten Salatblättern erfreuen können. Rosenduft fiel durch: "Viel zu viel von allem", ich roch einfach penetrant. Man würde mit mir nur ungern eine längere Fahrt im Aufzug antreten. Von romantischen Abenteuern keine Spur.

Sie nannten mich Mottenkugel

Ältere Menschen haben es mit der Nase offenbar nicht so. Ein Teil merkte gar nicht, dass ich etwas an mir trug. Der Lavendel wurde von einer Best-Agerin mit guten Mottenkugeln verwechselt. Auch kein wirkliches Kompliment. Wobei ich zugebe: Der Lavendel roch eindeutig besser als ihre Synthetikmottenkugeln, mein Deo war eine Verbesserung. Die älteren Damen und Herren waren sich übrigens schnell einig, dass Lemongrass das richtige Mittel zur WC-Pflege wäre.

Und wie trägt sich das?

Den Eigengeruch blendet man nach wenigen Minuten offenbar aus. Ich selbst bemerkte manch Penetranz nicht. Auf der Haut fühlt sich das Kokosfett-Deo ganz gut und geschmeidig an. Es zieht schnell ein. Und es riecht zumindest am Anfang auch noch ein wenig nach Kokos. Auch da gilt: mag man – oder mag man nicht. Ich selbst habe beschlossen: Ich werde noch einmal Öle kaufen, dann aber mit mehr Sorgfalt und etwas mehr Budget. Dann koche ich mir noch so eine Pampe. Eine, die auch die Nase mag.

  • Zubereitungszeit: ca. 15 Minuten
  • Kosten (für eine Duftrichtung, 200 ml): ca. 8-10 Euro
  • Schwierigkeitsgrad: Kann jeder
  • Funktion: Killt Schweißgeruch zuverlässig

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.