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Fibrin – Klebstoff für den Körper

Wissenschaftler lassen sich bekanntlich gern von der Natur inspirieren. Weniger offensichtlich als Newtons Apfel, aber für die Medizin ebenso bahnbrechend, ist die Entdeckung des Gewebeklebstoffs Fibrin.

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Fibrin verschließt eine Wunde
selvanegra / iStock

Bei Verletzungen mit Blutverlust reagiert der Körper mit der Bildung eines Thrombus. Dieser verschließt die Wunde. Dabei wird, unter Einfluss des Enzyms Thrombin und des von der Leber produzierten Eiweiß Fibrinogen, Fibrin gebildet. Fibrin ist aus faserartigen Molekülen aufgebaut und gitterartig vernetzt.

Fibrin wird schon lange genutzt

Die Entwicklung eines klinisch einsetzbaren Gewebeklebers auf Fibrin-Basis ist ein Meilenstein klinischer Forschung. Bereits 1944 wurde Fibrinogen in Kombination mit Thrombin bei Soldaten mit Brandverletzungen angewendet. In seiner modernen Form kam der Fibrinkleber erstmals klinisch im Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus zum Einsatz. Univ. Prof. Dr. Helene Matras beschrieb 1972 die Verwendung von Fibrin bei der Transplantation von Nerven, es folgten zahlreiche weitere klinische Anwendungen.

Sprühkleber für einfachen Wundverschluss

Basierend auf den Hauptkomponenten der menschlichen Blutgerinnung ist es heute möglich, Medizinern einen leicht zu handhabenden, bei Bedarf auch sprühbaren Versiegelungskleber zur Verfügung zu stellen.

  • Fibrinkleber weist eine komplette Biokompatibilität auf, der Körper baut ihn eigenständig ab.
  • Bei der Verschließung von Wunden wird er entweder unterstützend zur Sicherung problematischer Nähte verwendet oder ersetzt die Naht komplett.
  • Er schon empfindliches Gewebe.
  • Es kommt zu keiner zusätzlichen Narbenbildung durch Nadel und Faden.

Mehr dazu: Was hilft bei Narben?

Auf Brandwunden aufgetragen bildet er eine Schutzschicht, bis der Körper selbst Gewebe regeneriert hat. Seinem natürlichen Einsatzgebiet entsprechend wird er oft auch zur Blutstillung eingesetzt, beispielsweise bei Patienten mit Gerinnungsstörungen oder intraoperativen Blutungen.

Am LBI Trauma (Forschungszentrum der AUVA) wurden die Technologie sowie die speziellen Sprühgeräte für die klinische Anwendung maßgeblich mitentwickelt und perfektioniert. Eine unkomplizierte Anwendung und eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten bei Hämostase und Wundheilung weisen von Österreich ausgehend weltweit einen Weg in die Zukunft chirurgischer Therapien.

Expertenkontakt: Dr. Paul Slezak, paul.slezak@trauma.lbg.ac.at

Die moderne Medizin ist heute in der Lage, sogar schwerste Verletzungen gezielt zu behandeln, optimal zur Abheilung zu bringen und die volle Funktionsfähigkeit des verletzten Körperteils wiederherzustellen.

Basis dafür ist die sogenannte Traumaforschung (Traumatologie = Wissenschaft von Verletzungen und Wunden, sowie deren Entstehung und Therapie) wobei auf diesem Gebiet in Österreich schon lange internationale Pionierarbeit geleistet wird.

"Accidental" Discoveries beschreibt die Unfallforschung am Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie, zentrale Forschungsinstitution der AUVA. An den Standorten in Wien und Linz sowie in zahlreichen nationalen und internationalen Kooperationen wird dort seit über 40 Jahren Forschung auf Spitzenniveau betrieben. Spezialisiert hat sich das LBI Trauma auf Intensivmedizin und Geweberegeneration. Ein multidisziplinäres Team – bestehend aus Chemikern, Biochemikern, Ärzten, Physikern, Medizin- und Elektrotechnikern – erlaubt es, ein breites Spektrum angewandter Forschung abzudecken. Die gewonnenen Erkenntnisse werden direkt in den Unfallspitälern und Rehabilitationszentren der AUVA eingesetzt.

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