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Es werde Licht! Sanfte Anstöße zur Heilung

Bloggerin Cornelia Schneider über die Heilkraft des Lichts aus wissenschaftlicher Perspektive.

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Wunden mit Licht heilen
Andrii Zastrozhnov / iStock

"Auf sanfte Art die körpereigene Heilung anregen" – ein häufiges Versprechen, das bei kritisch denkenden Menschen erst mal die Esoterik-Alarmglocke läuten lässt. Und so war auch ich bei der Photobiomodulation anfangs skeptisch. "Tut sich da was? Ist die Wirkung von Licht auf Zellen wirklich objektiv messbar?" Bis ich es dann selbst an meinen Zellkulturen ausprobieren durfte…

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Rätsel der Wissenschaft

Erstmal vorweg:

  • es ist immer noch nicht vollständig geklärt, wie genau das pulsierende Licht die Zellen anregt, aber es gibt bereits zahlreiche Hinweise.
  • Studien am LBI Trauma zeigten, dass die Aktivität der Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, und die Energieproduktion (ATP) angeregt werden, und damit die Teilungsfähigkeit der Zellen positiv beeinflusst wird. A
  • ußerdem wird vor allem mit Licht kurzer Wellenlängen Stickstoffmonoxid freigesetzt, ein wichtiger Botenstoff im Körper, der unter anderem die Erweiterung von Blutgefäßen bewirkt.

In Kombination mit speziellen Substanzen (Photosensibilisatoren) hat Licht eindrucksvolle antibakterielle Effekte, was sich positiv auf die Wundheilung auswirkt. Und genau hier hat die Lichttherapie sich auch als besonders wirksam erwiesen: chronische Wunden können zur Heilung angeregt werden.

Wenn die Wunde nicht heilen will

Wundheilungsstörungen sind im Steigen begriffen und führen neben der persönlichen Belastung zu massiven Kosten im Gesundheitssystem. Sie treten oft im Zusammenhang mit Diabetes oder langer Bettlägerigkeit auf.

Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an einer chronischen Wunde. Hier entfaltet die Lichttherapie ihr Potential als kosteneffiziente, nicht-invasive Therapieformen zur Geweberegeneration und Wundheilung. Die Verbesserung von gestörter Wundheilung durch Lichttherapie konnte bereits in mehreren Studien bestätigt werden.

  • Gewebsnekrosen, hervorgerufen durch eine Sauerstoffunterversorgung der Wunde, werden reduziert und eine verbesserte Durchblutung von Wundarealen gefördert.
  • Das Zellwachstum und die Netzwerkbildung von Endothelzellen, welche für die Neubildung von Blutgefäßen verantwortlich sind, werden angeregt.
  • In ähnlicher Weise reagieren humane Stammzellen auf die Lichttherapie.
  • Auch die für die Geweberegeneration wichtigen Bindegewebszellen können zu erhöhtem Wachstum angeregt werden können.

Was können Stoßwellen?

Ebenfalls eine nicht-invasive Therapieform und bereits klinisch etabliert ist die extrakorporale Stoßwellentherapie. Bereits seit den 80ern zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt, wurde entdeckt, dass im Rahmen dieser Therapie auch die Knochenneubildung angeregt werden kann.

Studien bestätigten: Die Stoßwellentherapie hilft bei schlecht oder nicht heilenden Knochen (Pseudoarthrose) und kommt dort auch bereits klinisch zur Anwendung. Das UKH Meidling war weltweit wegweisend bei der Etablierung dieser Therapie. Derzeit wird am LBI Trauma der Einfluss der extrakorporalen Stoßwellentherapie auf Nervengewebe untersucht. Es zeigte sich, dass sie zu einer schnelleren Überbrückung peripherer Nervendefekte führt. Im Rahmen eines Wings for Life Projekts wird derzeit ihr Einsatz bei Rückenmarksquetschungen getestet – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Was meine Zellkulturen betrifft – die waren nach der Lichttherapie kaum wiederzuerkennen. Vielleicht sollte ich demnächst auch die Stoßwellentherapie austesten.

"Accidental" Discoveries beschreibt die Unfallforschung am Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie, zentrale Forschungsinstitution der AUVA. An den Standorten in Wien und Linz sowie in zahlreichen nationalen und internationalen Kooperationen wird dort seit über 40 Jahren Forschung auf Spitzenniveau betrieben. Spezialisiert hat sich das LBI Trauma auf Intensivmedizin und Geweberegeneration. Ein multidisziplinäres Team – bestehend aus Chemikern, Biochemikern, Ärzten, Physikern, Medizin- und Elektrotechnikern – erlaubt es, ein breites Spektrum angewandter Forschung abzudecken. Die gewonnenen Erkenntnisse werden direkt in den Unfallspitälern und Rehabilitationszentren der AUVA eingesetzt.

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