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Was ist Emetophobie?

Die 23-Jährige Coco hat ständig Angst davor, sich übergeben zu müssen. Dieses Phänomen ist auch als Emetophobie bekannt.

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Emetophobie Angst
monkeybusinessimages / iStock

Unter Emetophobie versteht man die Angst vor dem Erbrechen. Zugegeben, niemand von uns übergibt sich gerne, doch für Menschen mit dieser Phobie ist es eine Todesangst. In der Dokumentation von "Tru Doku" erzählt die Betroffene Coco von ihrem Alltag mit der Krankheit.

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Das Leben mit der Angst

"Was ich immer dabei habe, sind Wechselklamotten, einfach aus der Angst heraus, dass ich mich irgendwo übergeben muss", erklärt Coco, die unter Emetophobie leidet. Sie kämpfte sogar mit Suizidgedanken: "Ich habe damit gedroht, mich umzubringen, weil ich gesagt habe, ich wär einfach lieber tot, als dass mir jemals schlecht wird", erklärt die 23-Jährige.

Einmal die Woche geht Coco in Therapie, die manchmal "gute Tage und schlechte Tage" hat. Dinge wie Bahn fahren, in Restaurants essen gehen oder maskentragende Menschen triggern die junge Frau: "Die Angst bedeutet für mich ständige Sorge davor, dass mir schlecht wird. Ständige Sorge, dass ich mich übergeben muss, ständige Sorge, dass ich nicht rechtzeitig 'ne Toilette finde", erklärt Coco. Es beängstigt sie sogar, wenn sie jemanden sehen müsste, der sich gerade übergibt.

Auf Instagram schreibt die Emetophobie-Betroffene über ihre Erkrankung: 

 

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Wer bin ich eigentlich? Ich heiße Coco, bin Anfang 20 und lebe in Köln. Was erzählt man so wenn man sich auf dem eigenen Profil vorstellt? Ich teile nun ca seit 10 Jahren Dinge die mich bewegen mit dem Internet, immer auf anderen Plattformen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, doch es gibt ein paar Dinge die sich wohl nie ändern werden. Ihr werdet hier Texte zu meiner mentalen Gesundheit finden, über Depressionen, Emetophobie und andere Angststörungen, weil es mir hilft diese Dinge mit der Welt zu teilen und ich es unheimlich wichtig finde Bewusstsein für diese Themen zu schaffen. Ich teile meine Gedanken zu politischen Themen, Dinge die mich berühren und begeistern aber auch ein Haufen unlustiger Memes, viel Kunst & Lyrik, Musik, Hunde und Fotografie. Ich freue mich unglaublich, hier einen Raum öffnen zu können um über #Emetophobie zu sprechen, denn oft gibt es kein Platz für das Thema. Es ist zu unbekannt, zu Scham behaftet, zu unverständlich für Leute die davon nicht betroffen sind. Doch es sind gar nicht so wenige die mit dieser Angst Tag für Tag zu tun haben. Konkrete Zahlen zu dieser Angststörung zu finden ist nicht so einfach. Wer spricht schon gerne über dieses Thema, vor allem wenn diese Angst so irrational und absurd scheint. Die meisten Betroffenen trauen sich nicht über ihre Gedanken zu sprechen, weil sie sich sorgen nicht ernst genommen oder verurteilt werden – das wird hier nicht passieren. Bis heute kontrolliert die Angst oft mein Leben. Sie beeinflusst die Wahl meines Essens, meiner Kleidung, meines Tagesablaufs, sogar so unwichtige Dinge wie die Wahl meiner Bettwäsche. Sie beeinflusst meine Beziehungen, Entscheidungen die ich treffe und meine persönliche Entwicklung. Ich freue mich meine Gedanken mit euch teilen zu können und bin mega gespannt was ihr alle so zu erzählen habt. Denkt bitte dran selber sensibel mit dem Thema umzugehen, man weiß nie was für Menschen ein Trigger ist. Deswegen schreibt bitte Trigger Warnungen vor eure Kommentare und seht davon ab explizite Geschichten zu teilen wie und warum ihr euch zB mal üb*rgeben (ich schreibe das zensiert da es mich selber manchmal antriggert bestimmte Wörter auszuschreiben) musstet.

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Coco litt in ihrer Kindheit an heftigen Brechanfällen

Doch warum hat Coco diese unglaubliche große Angst vor dem Erbrechen? Der Grund dafür liegt in ihrer Kindheit: Damals wurde bei der 23-Jährigen azetonämisches Erbrechen diagnostiziert.

  • Dabei handelt es sich um heftige Brechanfälle, die vor allem bei Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder längeren Hungerperioden auftreten. Meistens sind Klein- und Schulkinder davon betroffen.
  • Neben frischer Kleidung hat Coco jeden Tag auch eine Tüte, Medikamente gegen Durchfall sowie Übelkeit und sämtliche Stressbälle mit.

Auch die Angst vor sämtlichen Krankheiten, die besonders während der Pandemie sehr präsent ist, machen Coco zu schaffen: "Super-viele Menschen, die ich nicht kenne, ein super-enger Raum, wo Viren um mich vielleicht herumfliegen könnten, die ich ja nicht greifen kann. Einfach viele Berührungsflächen, die verunreinigt sein können", sind unter anderem Dinge, die die junge Frau verängstigen.

"Wenn ich sage, ich hab Depressionen, dann können viele Leute irgendwie was damit anfangen. Aber wenn ich sage, ich habe Angst vor dem Erbrechen, sind die meisten Leute erstmal so: 'Ja, findet ja jeder doof!' Ich find's aber leider nicht nur doof, für mich ist das eine Todesangst", erklärt Coco.

Hier könnt ihr euch die gesamte Dokumentation ansehen: 

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