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Vegane Kindheit: Mit Know-how kein Problem

Wir haben mit Prof. Dr. Markus Keller, Studienautor der VeChi-Diet-Study, über vegane Ernährung im Kindesalter gesprochen.

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Welche Vorteile haben Kinder, die mit richtig gemachter veganer Ernährung aufwachsen?

Prof. Keller: Darüber kann man nur spekulieren; die dafür nötigen Langzeitstudien gibt es bisher nicht.

Welche Gefahren bestehen, wenn Eltern bezüglich der pflanzlichen Ernährung ihrer Kinder schlecht informiert sind? Was ist nach aktuellem Stand essenziell, um einer Mangelversorgung entgegenzuwirken?

Prof. Keller: Alle vegan ernährten Kinder benötigen eine sichere Vitamin-B12-Quelle. In der VeChi-Diet-Studie haben immerhin 94% der Kinder ein solches Supplement bekommen. Eigentlich sollten es aber 100% sein. Die Folgen einer unzureichenden Zufuhr von B12 sind in diesem Alter gravierend, werden oft zu spät erkannt und sind dann zum Teil nicht reversibel. Gerade weil ein Vitamin-B12-Mangel aber leicht durch Supplementierung zu vermeiden ist, sind solche leider immer wieder auftretenden Fälle unnötig.

Da nach derzeitigem Stand die Daten der VeChi-Diet-Studie auch auf mögliche Probleme bei der Energie- und Proteinzufuhr hindeuten, sollten Größen- und Gewichtsentwicklung von vegan ernährten Säuglingen und Kleinkindern engmaschig kontrolliert werden und bei Auffälligkeiten gegengesteuert werden.

Die Academy of Nutrition and Dietetics befürwortet die vegane Ernährung für jedes Lebensalter schon seit 30 Jahren. Warum ist die Deutsche oder auch die Österreichische Gesellschaft für Ernährung nach wie vor so skeptisch?

Prof. Keller: Das weiß ich leider auch nicht. Ich habe aber gehört, dass es bei der Formulierung des Positionspapiers durchaus kontroverse Diskussionen gab. Ich denke, es sind die Einzelfälle von Säuglingen und Kleinkindern aus veganen Familien, die einen klinischen Vitamin B12-Mangel entwickeln, obwohl das zu vermeiden gewesen wäre. Auch wenn es nur Einzelfälle sind, treten sie doch immer wieder auf und tragen zu dem generell negativen Bild von Veganern in der Öffentlichkeit und besonders bei Kinderärzten bei.

Immerhin finanziert das Bundesministerium für Ernährung über die Deutsche Gesellschaft für Ernährung jetzt eine weitere Studie zur veganen, vegetarischen und omnivoren Ernährung von Kindern und Jugendlichen, sogar mit Blut- und Urinuntersuchungen, die VeChi-Youth-Studie. Deren Ergebnisse und die der VeChi-Diet-Studie können vielleicht dabei helfen, die oft verhärteten Fronten zwischen Fleischessern und Nicht-Fleischessern etwas aufzuweichen.

Was möchten Sie vegan essenden Familien mitgeben, die aufgrund der Studie jetzt verunsichert sind?

Prof. Keller: Die vorläufigen Daten zeigen, dass eine supplementierte vegane Ernährung im Kleinkindalter möglich ist, aber Größe und Gewicht und zur Sicherheit auch weitere potenziell kritische Parameter ärztlich kontrolliert werden sollten.

Wie geht die VeChi-Diet-Study nun weiter?

Prof. Keller: Zuerst werden wir nach Abschluss der Rekrutierung Ende April die letzten Daten eingeben. Danach geht es an die Auswertung und die Veröffentlichung der Studienergebnisse – nicht nur international, sondern auch in deutschsprachigen Veröffentlichungen. Außerdem planen wir gerade eine Forschungsantrag, um die Studie noch einmal mit denselben Kindern zu wiederholen und durch Blutproben zu ergänzen.

Was möchten Sie unseren Lesern noch sagen? Was liegt Ihnen am Herzen?

Prof. Keller: Wir bedanken uns herzlich bei allen Eltern, die sich bereit erklärt haben, mit ihren Kindern an dieser wichtigen Studie teilzunehmen. Außerdem darf ich noch auf unsere laufende Studie VeChi-Youth hinweisen, in der wir 6- bis 18-jährige Kinder und Jugendliche untersuchen. Hier suchen wir weiter Teilnehmer aus allen drei Ernährungsformen: vegan, vegetarisch und Mischkost. Neben Fragebögen und Ernährungsprotokollen erfolgt hier ein Besuch in einem unserer beiden Studienzentren in Berlin und Herdecke, bei dem neben anthropometrischen Messungen auch eine Blut- und Urinprobe genommen wird. Und: Alle Teilnehmer enthalten eine kleine Aufwandsentschädigung. Hier der Link zu weiteren Studieninfos und zur Anmeldung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr dazu: 10 Tipps für Veganer

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