Sex

Stimmt das? Häufiger Analsex verursacht Stuhl-Inkontinenz

Macht Analsex unseren Schließmuskel undicht? Viele fürchten sich davor. Dabei können anale Sexpraktiken sogar gut für den Anus sein.

  • Drucken
Analsex
tormento79 / iStock

Analsex ist ein kontroverses Thema, um das sich viele Mythen ranken. Einer davon ist die drohende Inkontinenz. Doch was ist dran? Kann häufiger Analsex wirklich unseren Schließmuskel undicht machen?

Die Hintertür wird immer beliebter

Laut einer englischen Studie wird heterosexueller Analsex immer beliebter, vor allem auch unter jüngeren Altersgruppen. Der Einfluss durch Pornographie wird hier oft als Grund genannt. Bei jungen Frauen geben etwa 25% an, zu Analverkehr überredet worden zu sein, obwohl sie ihn als unangenehm empfinden. Hier liegt auch die Krux an der Sache.

Mehr dazu: Die geheimen Sex-Wünsche der Männer

Was verursacht Inkontinenz?

Stuhlinkontinenz bezeichnet die mangelnde Kontrolle über den Darmausgang. Ein recht unangenehmes Problem, bei dem es der betroffenen Person nicht mehr möglich ist, Stuhl oder Gase zurückzuhalten. Etwa 5% der Bevölkerung haben Inkontinenz. Am häufigsten betroffen sind Frauen, die eine Zangengeburt hatten oder ältere Menschen mit neurologische Erkrankungen. Auch anale Verkrampfung oder das häufige Zurückhalten von Stuhl, kann zum Kontrollverlust über den Schließmuskel führen.

Analsex ist also längst nicht der einzige Grund, warum Menschen an Inkontinenz erkranken. Einige wenige Studien haben dennoch versucht, die beiden Dinge in kausalen Zusammenhang zu bringen. Mit mittelmäßigem Erfolg.

Mehr dazu: Warum Sie nach dem Sex bluten

Das sagt die Wissenschaft zu Analsex und Stuhlinkontinenz

1993 gab es die erste Studie zu diesem Thema. 40 homosexuelle und 18 heterosexuelle Männer wurden dabei untersucht. Ihnen wurden Ballons in den Anus eingeführt, um die Widerstandsfähigkeit des Schließmuskels zu testen. Man stellte fest, dass die erste Gruppe (also jene, die regelmäßig Analverkehr hatte) eine niedrigere Grundwiderstandsfähigkeit des Schließmuskels aufwies.

1997 wurde die Studie wiederholt. Diese Mal war keine Verbindung zwischen häufigem passivem Analverkehr und Inkontinenz feststellbar. Sie widerlegte also die erste Studie. Weiters argumentierten Experten, dass das Ergebnis der geringeren analen Grundwiderstandsfähigkeit daher kommen könnte, dass sich die homosexuellen Männer während der Studie weniger unwohl fühlten.

Beide Studien hatten relativ kleine Fokus-Gruppen und zudem nur auf Männer beschränkt.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 stellt eine Verbindung zwischen Analverkehr und Inkontinenz her. Es wurden 4.000 Personen untersucht, Männer und Frauen. Jedoch wurde hier nicht zwischen einmaligem und regelmäßigem Analsex unterschieden, was die Ergebnisse recht uneindeutig machte. Die Studie zeigte zumindest, dass die meisten Personen, die Analsex betrieben, nicht inkontinent wurden.

Mehr dazu: Eher schwul wegen älterem Bruder?

Die tatsächlichen Risiken von Analsex

Sehr sicher ist jedoch in vielen Studien belegt, dass Analsex, wenn er falsch durchgeführt wird, gefährlich ist als vaginaler Sex.

  • Analsex ist besonders gefährlich, was die Übertragung von Geschlechtskrankheiten betrifft.
  • Sowohl die Chancen für HPV, als auch für HIV, Gonorrhoe, Hepatitis und bakterielle Infektionen sind bei Analverkehr erhöht. Die Chance zu erkranken ist 17 Mal höher als bei Vaginalsex.
  • Mini-Verletzungen am Anus und der Darmwand führen dazu, dass Erreger einfacher eindringen können. Die Vagina ist durch ihre Befeuchtung und das saure Milieu besser in der Abwehr, der Anus ist im Vergleich eher trocken und ungeschützt.
  • Kleinste Risse im Gewebe sind an sich unbedenklich, wenn sie ohne Probleme verheilen und verhütet wurde. Auch beim vaginalen Verkehr entstehen diese manchmal.
  • Gewöhnlicher Analverkehr durch einen Penis führt laut dieser Studie nicht zu folgenschweren Verletzungen am Anus, diese entstehen nur, wenn sehr große Objekte eingeführt werden, wie etwa beim Fisting. Der Körper wird dabei an sein Limit gebracht. Vor allem Porno-Darsteller sind betroffen.
  • Wenn eine Person nach Analverkehr schlecht heilende Wunden am Anus entdeckt, sollte sie schleunigst zum Arzt gehen, es könnte sich um eine ernsthafte Geschlechtskrankheit handeln.

Mehr dazu: Das ist Chem-Sex

So vermeiden Sie Verletzungen durch Analsex

  • Benutzen Sie viel Gleitgel.
  • Benutzen Sie immer ein Kondom!
  • Analsex sollte niemals weh tun.

Behutsam und langsam ist die Devise

Die Porno-Phantasie vieler ist bei der Erwartungen zu Anal-Sex wohl das größte Problem. Der Schließmuskel ist tatsächlich nicht dafür gemacht, von Null auf Hundert einen Penis zu empfangen. Er ist jedoch sehr dehnbar und flexibel, wenn man nur gemächlich und behutsam damit umgeht. Verletzungen können durch viel Gleitgel, Geduld und langsam gesteigertem Umfang der Sextoys verhindert werden. Die empfangende Person muss dabei entspannt sein und sollte nicht dazu "überredet" worden sein.

Achtung: Für Analsex werden auch schmerzstillende Gleitmittel oder Cremes verkauft. Von diesen sollte man Abstand nehmen. Der Schmerz ist wichtig, denn er zeigt an, ob der Schließmuskel ausreichend gedehnt wurde oder nicht. Er ist das erste Warnsignal, dass Verletzungen passieren könnten.

Mehr dazu: Kiffer sind nicht sexfaul

Kann Analverkehr vielleicht sogar gut für die Gesundheit des Anus sein?

Ein "gesundes" Verhältnis zu seinem Anus aufzubauen kann sogar Inkontinenz entgegenwirken, so argumentieren viele Ärzte. Kontraktionsübungen des Anus und des Beckenbodens mit kleinen Kugeln werden gegen Harn und Stuhlinkontinenz verschrieben. Durch Massagen, Buttplugs oder geschützten, behutsamen und gewollten (!) Analsex kann der Schließmuskel auch sensibilisiert, trainiert und gestärkt werden.

Fazit: Die Studienlage suggeriert, dass nur aggressiver, unfreiwilliger, schmerzvoller und ungeschützter Analverkehr gesundheitsschädlich ist. Vor allem, wenn es sich um zu große eingeführte Objekte handelt. Ein gesundes Verhältnis zum Schließmuskel aufzubauen und diesen behutsam zu trainieren, kann sogar gut für uns sein.

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.