Familie

Ist es gut, mit seinem Kind im Dialekt zu sprechen?

Lange Zeit war es verpönt im Dialekt zu kommunizieren, besonders in der Schule wird es bei Kindern als Nachteil gesehen. Doch ist es wirklich so schlimm, Mundart zu reden?

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Kinder, die vermehrt im Dialekt sprechen, haben ein besseres Verständnis für die Sprache.
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"Oida, wia haum heit scho wida so vü auf!", hören bestimmt viele österreichische Eltern, wenn ihre Kinder sich über die Hausaufgaben beschweren. Im Dialekt klingt ja alles irgendwie frecher, kecker und lustiger. In der Schule, besonders in der Stadt, wird diese Redensart eher ungern gehört. Auch in ländlichen Bildungsinstituten konzentriert man sich mehr darauf, "nach der Schrift" zu sprechen. Doch ist es wirklich negativ, sich mit dem Nachwuchs im Dialekt zu unterhalten?

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Dialekt fördert geistige Entwicklung

Der Sprachforscher und Mundart-Experte Anthony Rowley von der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärt, dass Dialekt bei Kindern in der Hirnforschung als eine Variante der Mehrsprachigkeit angesehen wird.

  • Kinder, die Hochdeutsch und Mundart sprechen, haben später weniger Probleme eine Fremdsprache zu erlernen. Laut Rowley ist in der Wissenschaft schon länger bekannt, dass Mehrsprachigkeit die geistige Entwicklung von Kindern fördert.
  • Besonders Kindern bis zum vierten Lebensjahr fällt es sehr leicht sich in unterschiedlichen Sprachsystemen zurecht zu finden. Sie lernen von Beginn an sich mit den verschiedenen Strukturen der erlernten Sprachen auseinanderzusetzen.
  • Hierbei ist es egal, ob es sich um einen Wiener Dialekt oder Französisch als Zweitsprache handelt. Das Erlernen von verschiedenen Aussprachen, einem umfangreichen Wortschatz und unterschiedlichen grammatikalischen Strukturen ist in beiden Fällen gegeben.

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Mundart nicht verbieten

Kinder, die mit Dialekt aufwachsen, können den Unterschied zwischen gesprochenen und geschriebenen Wörtern besser erfassen. Das ist wichtig, da in der Hochsprache nicht alles so geschrieben wird wie es ausgesprochen wird.

  • Zum Beispiel wird das Wort "Vogel" mit V geschrieben, aber "Fogel" ausgesprochen. Kinder, die die Sprache nicht im Dialekt erlernen, haben eher Schwierigkeiten das gesprochene Wort zu verschriftlichen.
  • Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern nicht den aktiven Gebrauch der Sprache nach der Schrift beschränken sollen. Die Sprösslinge sollen auch im Hochdeutsch in der Lage sein, sich gut zu artikulieren.
  • Vorlesen oder Singen kann diesen Gebrauch unterstützen. Auch das Erlernen, wann welche "Sprache" zum Einsatz kommt, ist von Vorteil. So können die Kinder mit Freunden in Mundart kommunizieren, doch beim Arzt oder im Kindergarten/in der Schule sollten sie Hochdeutsch sprechen. Der Wechsel zwischen diesen zwei Sprachformen gelingt den Kleinsten dabei meist sehr gut.
  • Eltern sollen vor ihren Kindern auch nicht den eigenen Dialekt verstecken. Das führt meist dazu, dass sie ihrem Nachwuchs eine Art "Beamtendeutsch" lernen, welches sich sehr gekünstelt anhört. Dies schränkt die Sprachfähigkeit der Kinder eher ein, anstatt sie zu fördern, weiß Rowley.

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Lebendige Sprache

Gespräche im Dialekt bieten den Kindern die Möglichkeit ihre eigene Identität, sowie ihre Gefühle und Gedanken, auf unterschiedliche Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

  • Ein zusätzlicher authentischer regionaler Wortschatz fördert unter anderem das Sprachverständnis der Kinder und verhilft zu einem verbesserten Sprachgefühl.
  • Andere Wissenschafter sind sogar der Meinung, dass Dialekte die Kreativität und das abstrakte Denken fördern. "Dialekte haben eine Menge bildhafter Redensarten, die die gesprochene Sprache erst lebendig machen," erklärt Rowley.

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