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Das Gehirn von Einzelkindern tickt anders

Eine Studie legt nahe, dass sich das Aufwachsen ohne Geschwister nicht nur in charakterlichen Unterschieden äußert, sondern dass zudem Veränderungen im Gehirn auftreten.

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einzelkind
Andrik Langfield / Unsplash

Ihnen wird nachgesagt, egoistisch, launenhaft und verwöhnt zu sein: Einzelkindern eilt ihr schlechter Ruf oft voraus, häufig zu unrecht. Eltern, die ein Einzelkind haben, müssen sich um eine potentielle Negativentwicklung keine Sorgen machen. Denn Kinder ohne Geschwister sind oft sogar intelligenter, später erfolgreicher im Beruf, teilen lieber und sind kreativer. Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass sich die Verschiedenartigkeit auch auf sichtbare Weise im Gehirn zeigt.

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Einzelkinder auf dem Prüfstand

Ein Team aus Wissenschaftern der Southwest University in Chongqing in China untersuchte die Gehirne von 250 Studenten mittels Gehirnscans. Zusätzlich absolvierten die Probanden Intelligenz-, Verhaltens- und Kreativitätstests. Die Einzelkinder lieferten bessere Ergebnisse in Sachen Kreativität und Intelligenz, schnitten bei den Verhaltenstests aber etwas schlechter ab. So zeigten sie tendenziell eine stärkere Neigung zu Abhängigkeit sowie Egoismus. Diese Klischees scheinen also zumindest teilweise zu stimmen.

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Gehirnscan mit deutlichem Ergebnis

Die Resultate der Tests deckten sich mit jenen der Untersuchung des Gehirns. So waren bei Einzelkindern die Gehirnareale für Flexibilität und Vorstellungskraft anders entwickelt als bei den Teilnehmer, die mit Geschwistern aufwuchsen. Auch die Bereiche für Gefühlskontrolle hatten je nach Geschwisterstatus eine andere Struktur.

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So wichtig ist unser Umfeld

Die Studie veranschaulicht, wie prägend unser Familienumfeld ist, in dem wir aufwachsen. Die Forscher vermuten, dass Einzelkinder eine bessere Förderung erleben, da sie nicht mit dem Buhlen um Aufmerksamkeit beschäftigt sind. Möglicherweise entfalten sie sich auch besser, weil die Eltern mehr Zeit haben, um auf die individuellen Neigungen des Kindes einzugehen. Zugleich ist die Erwartungshaltung an alleine aufwachsende Kinder oft höher. Sie werden von ihren Eltern häufiger in Richtung Erfolg gepusht.

Da sich Einzelkinder aber weniger mit anderen Kindern auseinandersetzen müssen, zeigen sie teilweise weniger ausgeprägte soziale Fähigkeiten. Das ist jedoch kein Freibrief für pauschale Verurteilungen: Denn das Teilen von Spielsachen fällt Einzelkindern oft leichter, weil sie es nicht ständig müssen.

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