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Hilfe, mein Kind ist Fortnite-süchtig!

Durchatmen. Sie sind nicht alleine. Die grassierende Fortnite-Epidemie hat weltweit die Kinderzimmer erfasst. Das ist aber kein Grund zu verzweifeln.

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Fortnite: Vater und Tochter spielen das Konsolenspiel gemeinsam
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Spielt Ihr Kind Fortnite? Willkommen im Club! Egal, ob Sie diesem Phänomen aufgeschlossen oder eher verständnislos gegenüber stehen: Wir haben ein paar Tipps für den Umgang mit Battle-Royale-Gamern, die Ihnen das Elterndasein erleichtern werden.

10 Survial-Tipps für Fortnite-Eltern

  1. Reality Check: Es ist alles halb so wild. Ein Spiel ist ein Spiel. Ihr Kind befindet sich nicht in unmittelbarer Gefahr. Es ist nicht so, als wäre es ohne Helm Motorradfahren oder ohne Sonnencreme im Gänsehäufel. Natürlich haben Sie Pflichten als Erziehungsberechtigte, aber es gibt keinen Grund, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen (was im Übrigen ein anderes Shooter-Game wäre…)
  2. Keine Verbote: Wenn Sie Ihrem Kind Fortnite verbieten, wird es entweder heimlich spielen, wodurch Ihre Vertrauensbasis einen herben Schlag erleidet –oder es hält sich an die Regel und ist im sozialen Out. Beides nicht erstrebenswert. Also signalisieren Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie prinzipiell nichts dagegen haben, wenn er spielt, aber dass es einfach ein paar Grundregeln gibt.
  3. Alterslimit: Eine dieser Grundregeln ist das Alterslimit. In Europa ist Fortnite ab 12 Jahren empfohlen. Darauf sollten Sie den Nachwuchs hinweisen. Bestehen jüngere Kinder darauf, es unbedingt auszuprobieren, einigen Sie sich darauf, nur gemeinsam zu spielen.
  4. Zeitbegrenzung mit Spielraum: Setzen Sie ein Zeitlimit. Den Augen, dem Nacken, der Konzentration Ihres Kindes zuliebe… Aber kommunizieren Sie das Zeitlimit vorab und passen Sie es dem Spielverlauf an. Fortnite ist so gestrickt, dass es schwer fällt, mitten im Spiel zu unterbrechen. Wie lange ein Spiel jeweils dauert, kommt auf die Geschicklichkeit der Spieler an. Im Schnitt sind es 20 Minuten, bei jüngeren Kindern oder Anfängern werden es kaum mehr als 8 Minuten sein. Ein vernünftiges Zeitlimit lässt Ihrem Kind diesen Spielraum: "2 Stunden und 1 Spiel" ist konsensfähiger als "2 Stunden. Punktum."
  5. Keine Kopfhörer: Fortnite braucht Ton, denn Spieler müssen z.B. hören, ob hinter ihnen Schritte wahrnehmbar sind. Ihr Kind sollte dafür die Lautsprecher benutzen statt Kopfhörern – einerseits ist das auf die Dauer besser für die Ohren, vor allem aber vermeidet es Konflikte, weil es dann immer noch mitkriegt, was in der Welt rundum passiert und Sie nicht zwanzigmal brüllen müssen "Essen ist fertig!", um einmal gehört zu werden. Bonus-Feature: Nicht nur Ihr Kind hört, was in der Außenwelt los ist, auch Sie hören, was in der Welt Ihres Kindes los ist. Wenn sich fremde Online-Gamer Ihrem Kind gegenüber unangemessen verhalten, können Sie eingreifen.
  6. Online Spieler: Fortnite selbst ist ab 12 empfohlen, aber das bedeutet nicht, dass sich sämtliche Spieler online so benehmen, dass die Interaktion für 12-Jährige geeignet ist. Auf der Konsole lässt sich der Play-Modus zu Beginn einstellen: Wenn Ihr Kind im Team mit Freunden spielt, ist es möglich, alle Spieler außerhalb des Teams auf stumm zu stellen ("mute"), sodass man sich ungestört mit seinen Freunden unterhalten kann.
  7. In-App-Käufe: Das müssen Sie klären. Insbesondere, wenn etwa der Spieler-Account mit der elterlichen Kreditkarte verknüpft ist. Im Prinzip ist es die Sache Ihre Kindes, was es mit seinem eigenen Taschengeld anstellt. Aber besprochen gehört es allemal.
  8. Interesse zeigen: Sie finden das alles einfach befremdlich? Gut möglich. Aber es ist nun mal die Welt Ihres Kindes und es wird nicht so schnell vorbeigehen wie die Soy-Luna-Phase. Also sollten Sie sich dafür interessieren, womit Junior seine/ihre Zeit verbringt. Lassen Sie sich seine Lieblings-Features zeigen und von seinen Erfolgen erzählen. Es wird für Sie alles chinesisch sein, aber Eltern-Kind-Bonding klappt auch auf chinesisch!
  9. Familien-Teams: Spielen Sie mit. Also nur, wenn Ihnen Gaming irgendwie liegt. Im Grundspiel "Save the world" es gibt viele nette Missionen für Familien-Teams. Geeignet ist z.B. "Fight the storm", da diese Mission kein Zeit-Limit hat, also können Sie in Ruhe gemeinsam das Level erforschen, Sachen sammeln und ein cooles Hauptquartier bauen.
  10. Let's dance: Immer nur vor der Konsole, dem Handy, dem PC sitzen? Runter vom Sofa! Fordern Sie Ihren kleinen Gamer zum Tanz auf. Fortnite steckt voller spezieller Dance Moves und Mini-Choreographien. Wer kann das besser "in real life"? Probieren Sie es aus!

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  • AchimK sagt:

    10 Survial-Tipps für Fortnite-Eltern.
    Punkt 1: Reality Check: Es ist alles halb so wild. Ein Spiel ist ein Spiel. Ihr Kind befindet sich nicht in unmittelbarer Gefahr. >>> Einen größeren Mist habe ich selten gelesen! Ein Spiel ist eben nicht nur ein Spiel. Dieses Spiel macht süchtig. Und Spielsucht ist eine Krankheit.<<>> Etwas zu verbieten bedeutet nicht gleichzeitig, dass Ihr Kind Ihnen nicht mehr vertraut. Sonst ist in der Erziehung schon zuvor etwas schief gelaufen. Wenn man sein Kind zum Sport oder anderen Outdooraktivitäten animiert, dann ist es sicherlich nicht im sozialen Out!!! Ich denke das ist nicht nur meine Meinung zu disem veröffentlichten Beitrag.<<<

    • Selma Tahirović sagt:

      Lieber AchimK,

      natürlich haben Sie mit Ihrer Behauptung recht. Spielsucht ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Dennoch ist es besonders bei Kindern überaus wichtig ein konstruktives Gespräch zu führen und über die möglichen Gefahren des Spiels aufzuklären. Viele Kinder (natürlich nicht alle) sind nach einem aufklärenden Gespräch sehr kooperativ und verstehen, dass ein übermäßiger Fortnite-Konsum schlecht für sie ist.

      Was das Verbieten betrifft, ist es schon seit vielen Generationen so: Alles was verboten ist, hat einen unglaublichen Reiz. Kinder erleben in der heutigen Zeit, in der besonders digitale Medien im Mittelpunkt stehen, einen großen Druck. Als Eltern sollte man daher ermöglichen einen moderaten Spiele-Konsum zu gewährleisten und, wie Sie schon erwähnt hatten, das Spielen und Interagieren in der Natur zu fördern. Ein Gleichgewicht dieser beiden Aspekte kann definitiv ein „soziales Out“ verhindern.

      Liebe Grüße aus der Redaktion!