Familie

Helikopter-Eltern, lasst das Kind von der Leine! Wenn Überbehütung dem Kind mehr schadet als nutzt

Es ist ein schmaler Grat zwischen Fürsorge und Überfürsorglichkeit.

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Helikopter-Eltern behüten ihr Kind
kokouu / iStock

Mama und Papa lieben ihr Kind und möchten rund um die Uhr für den Nachwuchs da sein. Sie wollen das Kind mit Hingabe vor Gefahren und falschen Entscheidungen schützen. Was soll daran schlecht sein? Viele vergessen dabei, dass das Kind auch eigene Wege gehen muss. Seit Anfang der 2000er-Jahre verbreitet sich der Begriff "Helikopter-Eltern", das Image ist allerdings nicht gerade positiv.

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Eigenschaften, die Helikopter-Eltern ausmachen

Helikopter-Eltern "kreisen" stets um ihre Kinder herum, wie ein Helikopter eben. Und sie überschreiten nicht selten die Grenze der Fürsorglichkeit.

  • Permanente Ängstlichkeit: Helikopter-Eltern sind überängstlich und wollen ihr Kind vor jeglicher Gefahr, die auf es zukommen könnte, beschützen. Sei es auf dem Spielplatz, im Kindergarten, der Schule, und später sogar noch auf der Uni.
  • Abnehmen von Entscheidungen: Überfürsorgliche Eltern nehmen dem Kind nicht nur Aufgaben im Haushalt ab, sondern fürchten auch, dass es falsche Entscheidungen treffen könnte. Eltern der Sorte Helikopter stülpen lieber eine Käseglocke über das Kind, schließlich wissen sie alles besser.
  • Stetes Sicherheitsdenken: Sie sind rund um die Uhr um die Sicherheit des Nachwuchses besorgt. Auf dem Spielplatz weichen Eltern dem Kind nicht von der Seite. Sie bringen ihr Kind mit dem Auto bis vor das Schultor, obwohl es den Schulweg auch gut selbst bewältigen könnte.
  • Hoher Bildungsdruck: Mit den Lehrern sind sie auf Du und Du, schlechte Noten kommen gar nicht in Frage. Sie engagieren sich im Elternverein, nur um up-to-date zu bleiben und eventuell Vorteile für das Kind daraus ziehen zu können. Nach dem Unterricht bringt das Eltern-Taxi das Kind zum Sport-, Musik- oder Kunstunterricht.
  • Schwächen nicht zulassen: Das Kind ist perfekt und soll es auch bleiben. Beim geringsten Anzeichen des Aufblitzens einer Schwäche wird aus der sprichwörtlichen Mücke ein Elefant gemacht. Es folgen Ergotherapie oder Logopädie-Therapie statt Spielen im Freien.

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Raus aus der Überbehütungsfalle

Bei all dem schlechten Image muss auch klar sein: Helikopter-Eltern züchten nicht nur Nachteile heran. Positiv hervorzuheben ist zum Beispiel das ausgeprägte Urvertrauen des Kindes, das Wissen, dass es sich stets auf die Eltern verlassen kann. Und Kinder von Helikopter-Eltern erhalten noch viel mehr Aufmerksamkeit. So zeigt sich das Phänomen besonders häufig bei Eltern von Einzelkindern und "absoluten Wunschkindern", mitunter erfüllte sich der Kinderwunsch nicht gleich, die Eltern mussten lange auf das Kind warten. Oft sind auch einschneidende Erlebnisse wie eine komplizierte Geburt, eine frühe Krankheit des Kindes oder ein Verlust innerhalb der Familie Auslöser für die Überbehütung. In solchen Situationen ist es umso verständlicher, dass Eltern sich sorgen, dennoch sollten sie gesunden Abstand wahren, dem Kind Vertrauen schenken und den Nachwuchs "einfach mal machen lassen".

  • Kinder sollen aus Fehlern lernen dürfen. Das Kind muss eigene Erfahrungen machen, damit es später auf beiden Beinen fest im Leben steht. Eltern können und sollen ihren Kindern nun einmal nicht alles abnehmen.
  • Kinder von der Leine lassen. Ja, das Kind wird hinfallen, sich weh tun. Blaue Flecken und Schürfwunden gehören zum Großwerden dazu – auch im übertragenen Sinne. Das Kind geht gestärkt durchs Leben, wenn Eltern signalisieren: Scheitern ist okay.
  • Interesse zeigen, aber nicht einmischen. Zeigen Eltern Interesse am Alltag ihres Kindes, fühlt es sich wahrgenommen.
  • Kind darin bestärken, etwas alleine zu unternehmen. Kinder-Aktivitäten wie die Geburtstagsparty des Klassenkollegen sind für Kinder da. Es wird Spaß haben – toll! – und vor dem Einschlafen eine Menge zu erzählen haben.

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