Liebesleben

Beliebtheit der hormonellen Verhütung sinkt

Der neue österreichische Verhütungsreport 2019 zeigt, dass der Trend zur hormonellen Empfängnisverhütung immer mehr abnimmt.

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Hormonelle Verhütungsmittel verlieren immer mehr an Popularität.
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Seit Jahrzehnten ermöglichen Hormone in Form von Tabletten oder Sprizen eine bequeme Art der Verhütung. Der aktuelle österreichische Verhütungsreport 2019 zeigt jedoch, dass sich nur mehr 44 statt 60 Prozent der Frauen mit Pille, Spirale & Co vor einer Schwangerschaft schützen. Mechanische Verhütungsmittel wie das Kondom oder Diaphragma werden immer beliebter.

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Mechanische Verhütung wird beliebter

Das Meinungsforschungsinstitut Intergral befragte im Namen des Gynmed-Reports 1.728 männliche und weibliche Probanden zwischen 16 und 49 Jahren zum Thema Sex und Verhütung. Die Ergebnisse zeigten, dass 83 Prozent der Frauen und 89 Prozent der Männer mit ihrer Sexualität zufrieden sind.

  • Doch die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass die Mehrheit der Österreicher zu wenig verhütet. Falsche Vorstellungen und Ängste in Bezug auf die Sexualität halten sich bis heute hartnäckig.
  • So ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass eine Frau maximal sieben Mal im Leben schwanger werden kann. Tatsächlich aber, kann der weibliche Körper bis zu 15 Mal befruchtet werden.
  • "Eine fatale Fehleinschätzung, die mitverantwortlich ist, dass sich Österreich auch im negativen europäischen Spitzenfeld bei Schwangerschaftsabbrüchen befindet", erklärt Christian Fiala, der Initiator des Reports.
  • Auch die steigende "Hormonangst" führt dazu, dass die wirksamen Verhütungsmethoden weniger benützt werden. 38 Prozent der Befragten benützen das Kondom als Verhütungsmittel. 22 Prozent, also mehr als ein Fünftel, verhütet gar nicht.

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Zu wenig Kommunikation

Doch nicht nur die steigende Angst, auch die fehlende Kommunikation über Verhütung zwischen Mann und Frau führt zu Missverständnissen.

  • Demnach nehmen es die meisten Männer einfach hin, dass sie keine Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit haben.
  • Viele Frauen sind jedoch überzeugt, dass es dem männlichen Geschlecht egal ist, ob verhütet wird und ihnen dieses "Privileg" sogar recht ist. 39 Prozent der Männer würden gerne eine wirksame und reversible Verhütungsmethode anwenden, falls es eine gäbe.
  • Außerdem würden die männlichen Probanden gerne mehr "Verhütungsverantwortung" übernehmen. Allerdings übernehmen Frauen die Empfängnisverhütung doppelt so oft (42 Prozent) als Männer (23 Prozent).

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Zurück zum Ursprung

In den letzten Jahren stieg die Skepsis gegenüber hormoneller Verhütungsmittel immer mehr. Mittlerweile möchten Frauen zwar verhüten, doch ohne dabei in ihren natürlichen Zyklus einzugreifen. Das erschwert deshalb die Entscheidung für die richtige Empfängnisverhütung.

  • Die wirksamen Methoden basieren auf Hormonen, ausgenommen Kupferspirale und Sterilisation. Der Trend für mehr "Natürlichkeit" zeigt sich auch unter Frauen, die mit Hormonpflaster, Verhütungsring oder der Antibabypille verhüten.
  • Bei der Einnahme von Pille & Co wird der weibliche Körper oft starken physischen und psychischen Nebenwirkungen ausgesetzt. Besonders bei Anwenderinnen von hormonellen Verhütungsmitteln zeigte eine dänische Studie aus dem Jahr 2017 auf, dass die Erkrankung an Depression stark steigt.
  • Von knapp 500.000 befragten Frauen begingen mindestens 6.999 einen Suizidversuch. Die Frauen, die hormonell verhüteten, wiesen ein dreifach so hohes Risiko für vollendeten Selbstmord auf.
  • In Folge dessen sollen Beipackzettel von Hormonspiralen oder von Antibabypillen auf suizidale Risiken und depressive Verstimmungen aufmerksam machen.

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Bessere Maßnahmen

Fiala plädiert auf eine bessere Aufklärung, Beratung und Kostenübernahme für Männer und Frauen.

  • Verhütung soll demnach für jeden leistbar sein. Wirksame Verhütungsmittel wie die Spirale sollten auf Krankenschein erhältlich sein.
  • Derartige Finanzierungen von Verhütungsmethoden sind im übrigen West-Europa seit einigen Jahrzehnten schon selbstverständlich, betont der Gynäkologe.
  • Besonders Menschen mit Migrationshintergrund müssen mit mehr Aufklärung über Empfängnisverhütung konfrontiert werden.

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