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Abstillen: Wie gelingt die Abgewöhnung von der Brust?

Tipps, wie das Abstillen nach dem ersten Lebensjahr sanft gelingen kann.

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Sanft Abstillen für Mama und Kind
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Stillen bedeutet nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Nähe, Glück und Zufriedenheit für Mama und Baby. Abstillen ist daher auch ein Abschied einer innigen Phase der Mutter-Kind-Beziehung. Viele Mütter sehnen sich nach dem ersten Geburtstag des Babys wieder nach "Freiheit" oder müssen auch berufsbedingt abstillen. Wie der Abstillprozess sanft gelingen kann, lesen Sie hier.

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Abstillen: Der richtige Zeitpunkt

Viele Mütter fragen sich, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um abzustillen. Obwohl es durchaus Kinder gibt, die sich selbst abstillen und Muttermilch nach und nach verweigern, geht die Initiative doch hauptsächlich von der Mutter aus. Abstillen ist ein Abnabelungsprozess nach der Schwangerschaft und einem intensiven ersten Lebensjahr möchten viele Mamas ihren Körper wieder für sich haben. Hebammen empfehlen, sich und dem Baby einen Zeitraum von drei Monaten zu geben. Im Idealfall werden die Mahlzeiten beim Baby nach und nach ersetzt, gleichzeitig reduziert sich auch der Milchfluss, wodurch sich ein schmerzhafter Milchstau vermeiden lässt. Nach dem ersten Lebensjahr ist das Baby bereit, ausschließlich feste Nahrung zu sich zu nehmen und Familienkost zu essen. Der Abstillprozess beginnt allerdings schon zum Start der Beikost zwischen der 17. und 26. Lebenswoche. Das schrittweise Ersetzen der Mahlzeiten erleichtert das Abstillen für beide Seiten. Ist das Baby jünger als zwölf Monate, erfolgt das Abstillen durch die Umgewöhnung auf das Fläschchen mit Milchpulver.

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Tipps für das sanfte Abstillen

Der Abstillprozess gestaltet sich von Kind zu Kind verschieden und dauert unterschiedlich lange. Behalten Mütter dabei stets die Bedürfnisse des Kindes im Auge, gelingt das Entwöhnen auf natürliche Art und Weise.

  • Ziele setzen: Es fällt leichter, ein Ziel vor Augen zu haben und zu überlegen, bis wann der Abstillprozess beendet sein sollte, etwa der Geburtstag des Kindes oder auch eine bevorstehende Operation. Wenn möglich, sollte die Deadline nicht zu knapp gesetzt sein, damit kein Druck entsteht und die Entwöhnung sanft stattfinden kann.
  • Mit dem Kind darüber reden: Spricht die Mama mit ihrem Kind über ihre Absichten und erklärt, dass nun Veränderungen bevorstehen, fällt dem Kind der Umgang leichter. Auch wenn das Baby noch jünger ist, kann es Mamas Erklärungen oft schon gut verstehen.
  • Mahlzeiten ersetzen: Weil das Stillen am Morgen, abends und in der Nacht besonders mit Nähe und Zuneigung verbunden ist und viele Mütter es dann auch als äußerst praktisch empfinden ist es sinnvoll, zunächst die Mittags- und Nachmittagsmahlzeit zu ersetzen. Wird das Baby von einer hochwertigen Mahlzeit richtig satt, ist es ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Zusätzlich muss dem Baby Wasser oder ungesüßter Tee angeboten werden. Der nächste Schritt ist das Frühstück und die Vormittagsmahlzeit auszutauschen, bis schließlich das abendliche Abstillen erfolgt.
  • Viel kuscheln: Beim Stillen tauschen Mama und Baby Blicke aus, es gibt Streicheleinheiten und Liebkosungen darauf muss das Baby verzichten, wenn es nicht mehr an Mamas Busen hängt. Stehen Küsschen und Kuscheln vermehrt an der Tagesordnung, erkennt das Baby, dass es nicht auf Mamas Nähe verzichten muss und der Abstillprozess fällt sowohl der Mama als auch dem Baby leichter.
  • Kleidung: Ein im Alltag bewährter Trick ist, "stillunfreundliche" Kleidung zu tragen, im Winter bietet sich etwa der Rollkragenpullover an. Auch hilft es, sich während des Abstillens dem Baby nicht bloßen Brüsten zu zeigen, um es nicht daran zu erinnern.

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Sonderfall: Abstillen in der Nacht

Besonders schwer fällt der Verzicht auf das Stillen vor oder zum Einschlafen sowie in der Nacht. Ein voller Magen erleichtert das Durchschlafen, ein Milchbrei bietet gute Voraussetzungen. Dennoch wird es vielen Babys nicht leicht fallen. Bietet Mama dem Kind in der Nacht stattdessen eine Flasche an, ist das Kind oft nicht erfreut darüber und protestiert. Häufig nehmen Babys das Fläschchen von Papa besser an, andererseits vermisst es auch die Nähe zu Mama. Erschöpfung und Zweifel können resultieren, wenn Geschrei und Schlaflosigkeit die Nacht dominieren. Vom "Schreienlassen" sollten Eltern jedoch absehen, es führt lediglich dazu, dass das Kind resigniert und sich allein gelassen fühlt. Körperliche Nähe, Feingefühl und bedürfnisorientiertes Handeln (vor allem auch untertags) schaffen hingegen ideale Voraussetzungen für den individuellen nächtlichen Abstillprozess. Sind beide Eltern entspannt, gelingt es noch besser, daher ist das Wochenende oder sogar der Urlaub ein geeigneter Zeitpunkt, um die nächtliche Entwöhnung in Angriff zu nehmen.

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Ein Schritt vor, zwei zurück?

Ein Kind ist keine Maschine, Rückschritte sind daher völlig normal. Nehmen Eltern diese gelassen, ist das die Basis für einen entspannten Umgang und letztendlich auch eine Erfolgsgarantie. Das Kind muss erst lernen, dass es auch ohne Mamas Busen auskommt und Vertrauen fassen, dass Liebe und Nähe trotzdem nicht verloren gehen. Mit dem Abstillen entwickeln sich automatisch auch neue Rituale. Es hilft, sich vorab Gedanken darüber zu machen, welche Abläufe und Gewohnheiten als angenehm empfunden werden. Zum Beispiel helfen sich viele Eltern damit, das Kind während nächtlicher Schreikonzerte durch die Wohnung zu tragen, vergessen aber dabei, dass dies schnell zur Gewohnheit werden kann und das Kind schwerer wird. Es spricht natürlich nichts dagegen, das Kind zum Trösten hochzunehmen im Gegenteil. Dasselbe gilt für Schnuller, Haarezwirbeln oder andere Gewohnheiten, die das Kind zwar beruhigen und schneller einschlafen lassen, langfristig jedoch wiederum eine Abgewöhnung benötigen.

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