Psychische Gesundheit

"13 Reasons Why": Erhöhte Selbstmordrate wegen Netflix-Serie?

Am 10. September findet der jährliche Suizidpräventionstag statt. Auch dieses Jahr steht die Netflix-Serie "13 Reasons Why" wieder in der Kritik der Zuschauer – besonders die steigende Selbstmordrate in den USA macht den Produzenten der Show Druck.

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Selbstmord wegen Netflix-Serie
AndreaObzerova / iStock

Auch nach dem Start der dritten Staffel von "13 Reasons Why" steht die Netflix-Serie erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Eine im Top-Journal JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Suizide innerhalb von drei Monaten um 13 Prozent angestiegen ist (von 720 Suiziden auf über 800 bei der Gruppe der 10- bis 19-Jährigen). Nun entschieden sich die Produzenten dazu, die Suizid-Szene aus der Teenie-Show zu streichen.

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Vom TV zur brutalen Realität

Auch nach dem Suizidversuch zweier Schülerinnen (13) in Bad Ischl macht die Serie weiterhin negative Schlagzeilen: "13 Reasons Why", in deutscher Version "Tote Mädchen lügen nicht" handelt von der Geschichte der 17-jährigen Hannah Baker, die Selbstmord begeht und der Nachwelt sieben Kassetten mit 13 Botschaften hinterlässt. Darauf befinden sich Schuldzuweisungen an Mitschüler und Lehrer, die Hannah durch Mobbing, Vergewaltigung und falsches Verhalten zum Suizid getrieben haben. In manchen Ländern, z.B. in Kanada, darf die Serie nicht ausgestrahlt werden.

Die beiden Mädchen aus Oberösterreich schnitten sich auf der Schultoilette die Pulsadern auf. Sie überlebten, weil sie rechtzeitig gefunden wurden. Damit taten sie es der Schauspielerin gleich, die sich in der Serie in einer Badewanne auf selbe Weise das Leben nimmt. Was hat die Schülerinnen zu einer solch drastischen Handlung gebracht? Kann man eine Serie, die für die Augen von Kindern in diesem Alter eigentlich gar nicht bestimmt ist, die Schuld dafür geben?

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Was bringt das Fass zum Überlaufen?

Die Produzenten wollten mit der Verfilmung des Buches aufschrecken, das ist ihnen gelungen. Schon bei Veröffentlichung der Serie fürchteten Psychologen um Nachahmung, witterten Verherrlichung von Suizid.

  • Netflix hat zumindest reagiert, indem am Beginn jeder Folge ein Warnhinweis gezeigt wird. In den Medien, auch in Österreich, gibt es eine Art Agreement, nicht über Selbstmorde zu berichten. Das vor allem deshalb, um keine Nachahmer zu provozieren.
  • Ganz ausklammern dürfe man die Thematik jedoch nicht, sagen Forscher und Spezialisten. Genaue Erläuterungen der Todesart sollte jedoch stets vermieden werden, das fördere Heroisierung und Romantisierung (der sogenannte Werther-Effekt).

Was genau in den Köpfen der Mädchen aus Oberösterreich tatsächlich vorgegangen ist, wissen wohl nur sie selbst. Teenager durchleben häufig sehr schwierige Phasen, ein Tropfen kann dann das Fass zum Überlaufen bringen. In diesem Fall war es womöglich die übertriebene Identifizierung mit einer Serien-Protagonistin. Genau aufgrund solcher Suizid-Versuche und Shitstorms im Internet, entschlossen sich die Produzenten dazu die Selbstmord-Szene von Hannah Baker aus der ersten Staffel zu kürzen bzw. zu zensieren:

In der neuen Version ist zu sehen, wie Hannah in den Badezimmerspiegel blickt. Kurz danach kommt die Szene, die die geschockten Gesichter von Hannahs Eltern zeigt, als sie ihre tote Tochter auffinden.

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Richtigen Umgang lernen

"13 Reasons Why" thematisiert jedoch keinesfalls nur Selbstmord. Es zeigt die Geschichte eines psychisch kranken und traumatisierten Mädchens, das durch eine Verstrickung einer Reihe unglücklicher Umstände nicht die Hilfe und Betreuung erhält, die es dringend benötigt hätte. Auch nach dem Tod der Protagonistin und deren Beerdigung in Staffel zwei, beschäftigt sich die dritte Staffel mit den Problemen von Hannahs Mitschülern. Die Serie beleuchtet die Themen

"Tote Mädchen lügen nicht" ist für Kinder nicht geeignet. Eltern sollten die Verantwortung übernehmen und, wenn unbedingt nötig, die Serie mit ihren Kindern zusammen anschauen. Über Hannah Bakers Geschichte zu sprechen und die Kinder über Suizid aufzuklären, kann anschließend sinnvoll sein.

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