Psychische Gesundheit

Schwangerschaftsphobie: Wenn Kinderkriegen plötzlich Angst macht

Manche Frauen haben panische Angst davor schwanger zu sein und/oder ein Kind zu gebären. In Fachkreisen wird dieses Phänomen Tokophobie genannt.

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Viele Frauen haben panische Angst davor schwanger zu werden.
milanvirijevic / iStock

Haben Sie sich schon immer Kinder gewünscht? Das Gefühl, den Nachwuchs 9 Monate lang im Bauch zu tragen, kann für eine Frau die schönste Zeit ihres Lebens bedeuten. Doch manchmal kommt es auch vor, dass Frauen unglaubliche Angst davor haben, schwanger zu werden und bleiben daher kinderlos. Dass eine Phobie der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch (manche wollen zwar Nachwuchs, aber keine Schwangerschaft) sein kann, ist eher unbekannt. Dabei ist die Schwangerschaftsphobie (Tokophobie) verbreiteter als gedacht.

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Angst vor dem Muttersein

Doch wie kommt es dazu, dass Frauen so extreme Angst einer Schwangerschaft und der Geburt haben können? Die Tokophobie kann in jedem Alter auftreten und durch verschiedene Ursachen bedingt sein, z.B.:

Frauen, die unter einer Schwangerschaftsphobie leiden, haben Angst vor körperlichen Veränderungen durch die Schwangerschaft sowie die Geburt. Außerdem kommt noch die Panik hinzu, dass durch das potenzielle Versagen der Ärzte das Kind eine Behinderung haben könnte oder die eigenen Mutterqualitäten nicht ausreichen.

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Fehlgeburten & Panikattacken

Bis zu einem gewissen Zeitpunkt sind die Sorgen rund um die Schwangerschaft sowie Geburt absolut normal. Dennoch treten bei Frauen, die unter Tokophobie leiden, oft Begleiterscheinungen wie

Die ständige Frage, ob es im Falle einer Schwangerschaft dem Kind und einem selbst gut gehen wird, bringt viele Betroffene um den Verstand. Eine indische Studie zeigt, dass 13 Prozent der befragten Frauen, die unter einer Schwangerschaftsphobie litten, extreme Maßnahmen (abseits von Verhütung) ergriffen, um eine Befruchtung zu verhindern. So beschreiben die Wissenschafter den Fall einer Frau, die aus lauter Angst keinen sexuellen Kontakt mehr mit ihrem Ehemann wollte und sogar Suizidgedanken entwickelte.

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Die britische Tageszeitung The Guardian beschreibt, dass zumindest eine von sechs Frauen mit Tokophobie sogar eine Fehlgeburt einleiten würde, indem sie Alkohol oder Drogen konsumiert und sich selbst in den Bauch boxt. Weitere Betroffene führen auch eine Sterilisation durch, um eine Schwangerschaft endgültig auszuschließen.

Kinderwunsch, aber Angst vor der Schwangerschaft

Frauen, die Kinder haben möchten, doch aufgrund der Angst nicht schwanger werden können, leiden sehr unter der Angststörung. Oft ist der Zeitpunkt der Menopause für sie am schlimmsten, da sie realisieren, dass sie die Chance auf eine Befruchtung endgültig verpasst haben.

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Mit Psychotherapie gegen die Angst

Dadurch, dass Schwangerschaftsphobie vielfach nicht richtig ernst genommen wird, ist das Angebot einer gezielten Behandlung eher schmal. Ein offener Umgang mit der Angst gegenüber des Partners sowie die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe (Psychotherapie) können dazu beitragen, die Tokophobie in den Griff zu bekommen. Auch der medizinische Rat eines Frauen- oder Hausarztes ist anzuraten. Schwangere Frauen können sich bei erneuten Befürchtungen immer an ihre Hebamme wenden.

Falls Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld das Gefühl haben, nicht mehr mit Ihrer Angst zurechtzukommen, stehen folgende Beratungsstellen zur Verfügung:

  • pro mente Wien: kostenlose und anonyme Selbsthilfegruppe für psychische und soziale Gesundheit. Montag bis Donnerstag 8.30-17 Uhr und Freitag 8.30-13.30 Uhr. Mehr Informationen auf promente-wien.at oder telefonisch unter 01/513 15 30-333.
  • Hotline des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen (BÖP): Psychologischer Beratungsservice von Montag bis Donnerstag von 9-13 Uhr unter der Telefonnummer: 01/504 8000
  • Psychotherapeutische Online-Beratung: Lebensberatung über E-Mail für Partnerschafts- und Frauenberatung. Näher Infos auch unter antworten.at
  • Wiener Kriseninterventionszentrum: Anonyme Beratung per Telefon und E-Mail. Persönliche Erstgespräche sind ebenfalls möglich. Weitere Informationen finden Sie auf der Website.

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