Psychische Gesundheit

Wie Sie ein optimistisches Kind in einer pessimistischen Welt großziehen

Heile Welt? Das war einmal. Eine unbeschwerte Kindheit ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. So meistern Sie die Herausforderung.

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Können unsere Kinder zu Optimisten werden?
amriphoto / iStock

Barfuß über die Wiese laufen, Drachen steigen lassen und verträumt auf einem Grashalm kauen. Heimlich unter der Bettdecke Donald Duck lesen. Mit der besten Freundin eng bekritzelte Zettelchen in der Mathe-Stunde austauschen. So sieht sie aus, die romantisierte Vorstellung, die viele Erwachsene zum Thema Kindheit haben. Kurzer Reality-Check gefällig?

Wer heute Kinder großzieht, ist oft weniger mit dem Basteln von Kastanienmännchen, als mehr mit dem Selbstverteidigungskurs gegen Cybermobbing beschäftigt. Wir sind nonstop mit dem Nachrichtenstrom konfrontiert  die wenigsten davon machen Mut, abschalten gelingt dennoch kaum. Steigende Selbstmordraten unter Jugendlichen und eine Gesellschaft, die mehr und mehr auseinander driftet, machen es Eltern schwer, jene Inseln der Geborgenheit zu schaffen, die gerade Heranwachsende so dringend brauchen.

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Sorgen Sie für die nötige Perspektive

Die lauteste Stimme schafft sich am leichtesten Gehör aber Zwischentöne gehen dabei verloren. Versuchen Sie, das Ihrem Kind klar zu machen: Bloß, weil etwas in einer fetzig formulierten Headline auf sämtlichen Kanälen auf und ab gespielt wird, heißt das nicht, dass es sich um eine treffende Repräsentation der Wirklichkeit handelt.

  • Wenn Ihr Kind Angst vor "allgegenwärtigen Bösewichten" hat, dann halten Sie der Mord-Schlagzeile die tatsächliche Kriminalstatistik entgegen.
  • Vieles, das bedrohlich groß wirkt, stellt sich als klein heraus, wenn der Perspektivenwechsel gelingt.

Zeigen Sie, wofür Sie dankbar sind

Sudern ist in der DNA des Österreichers verankert. Brechen Sie mit dieser Tradition! Kinder lernen durch Nachahmung. Zeigen Sie selber, wofür Sie gerade dankbar sind und nehmen Sie sich einen Moment, für diesen liebevollen Blick auf den Tag. Keine Sorge, es geht nicht darum, sich etwas schönzureden oder eine rosarote Brille aufzusetzen. (Ihre Kinder sind schlau. Die durchschauen es ohnedies sofort, wenn Mama oder Papa sie anlügen…) Aber es geht darum, sich auf Qualitäten statt auf Mängel zu konzentrieren.

Demonstrieren Sie Zivilcourage

Helfen Sie, wenn Sie jemanden sehen, der Hilfe braucht sei es auf der Straße oder in einem Online-Forum. Sie senden damit zwei wichtige Signale an Ihre Kinder, nämlich: Wehrt Euch! Ihr braucht euch nicht alles gefallen zu lassen. Und: Niemand ist alleine. Wer Unterstützung braucht, wird sie bekommen.

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Null Toleranz gegenüber "Hate Speech"

Sprache ist eine Waffe. Und wie wir damit umgehen, prägt unser Leben. Sensibilisieren Sie Ihre Kinder für das Thema "Gewalt in der Sprache". Den Kids ist meistens gar nicht bewusst, wie abwertend viele Formulierungen sind, denen sie täglich ausgesetzt sind und die sie teilweise unreflektiert übernehmen.

  • Zeigen Sie den Unterschied zwischen einer wertschätzenden und einer menschenverachtenden Streitkultur auf.
  • Oder noch besser: Leben Sie ihn vor. Sie geben Ihren Kindern damit ein wichtiges Rüstzeug zur Verteidigung in die Hand. Und Sie schaffen zumindest innerhalb der Familie einen Raum für gewaltfreie Kommunikation.

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Unplugg!

Sorgen Sie für Handy-freie Momente. Klassisch ist die "Nicht während dem Abendessen"-Regel. Aber auch andere Situationen bieten sich an, Sie müssen bloß für adäquaten Ersatz sorgen. Sprich: "Los, Kinder, Handys weg!" wird nicht funktionieren, wenn Sie keine verlockende Alternative anbieten.

  • Aber "Handys weg, die werden sonst nass, wenn wir in den See springen" ist ein Deal, auf den Kinder sicher gerne eingehen.
  • Oder auch: "Handys weg während Trivial Pursuit, damit keiner die Antworten googelt!" Das lässt sich gut durchsetzen, weil Sie Ihren Kindern damit nicht das Gefühl vermitteln, es wird ihnen etwas genommen (wer lässt sich schon gerne etwas wegnehmen?), sondern gegeben.

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