Green Living

Cost per Wear: Darum steigt nachhaltige Slow-Fashion preislich günstiger aus

Mit Fast-Fashion kommst du nicht immer günstiger davon. Tatsächlich entlastet Slow-Fashion nicht nur die Umwelt, sondern auch deine Geldbörse. Der "Cost per Wear" verrät dir warum.

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Cost per Wear
Youngoldman / iStock

Jede Saison präsentiert die Modeindustrie eine neue Kollektion, die uns in Versuchung bringt. Unsere Kleidung ist schnelllebig und die Auswahl im eigenen Schrank nie genug, während unser ökologischer Fußabdruck sich mit jedem Kauf von Fast-Fashion vergrößert. "Nachhaltige Mode ist eben zu kost­spie­lig", so die Begründung von vielen Shopping-Begeisterten. Doch wer sich an dem Cost-per-Wear-Konzept orientiert wird schnell merken, dass der umweltfreundliche Kleidungsstil nicht nur ökologisch deutlich besser abschneidet: Auch deine Geldbörse profitiert von umweltfreundlicher, langlebiger Kleidung.

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Billige Fast-Fashion: Wenn der Planet die Kosten bezahlt

Bis das tolle Kleid auf der Stange deines Lieblingsgeschäfts hängt, hat es bereits einen langen Weg hinter sich. Was letztlich mit deinem ergatterten Schnäppchen in die Einkaufstasche wandert, sind extrem bedenkliche, unmoralische Arbeitsbedingungen in Textilfabriken und ein langwieriger Transportweg aus Ländern des globalen Südens, der sich an den viel zu hohen CO2-Emissionen bemerkbar macht. Und damit nicht genug: In Anbetracht auf die Herstellung verbraucht Baumwolle Unmengen an Wasser, bei dem Hersteller bei Kunstfasern oder beim Färben auf fossile Brennstoffe bzw. Chemikalien zurückgreifen müssen.

Es mag vielleicht so scheinen, als ob deine Shoppingausbeute günstig ist, doch wenn du den Preis dafür nicht zahlst, muss es jemand anders tun: Nämlich unser Planet, der mit unserem Konsumzwang nicht Schritt halten kann, weil die Modeindustrie mittlerweile der zweitgrößte Umweltverschmutzer ist. Die Fabrikarbeiter, die Tag und Nacht unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften und ausgebeutet werden, weil sie keine andere Wahl haben. Aber du hast die Wahl: Entscheide dich lieber für ein fair produziertes, nachhaltiges Kleidungsstück anstatt der Schnäppchenjagd der Billigindustrie nachzugehen.

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Setze auf Qualität statt Quantität

Wie oft hast du schon ein T-Shirt, eine Hose oder andere Kleidungsstücke nur aufgrund des utopisch niedrigen Preises gekauft? Und nun die Gegenfrage: Wie oft hast du es bis dato angezogen? Wie oft kannst du es anziehen, bis die Billigproduktion sich an der Qualität bemerkbar macht? In der Regel resultieren unüberlegte, schlecht produzierte Spontaneinkäufe in das allseits bekannt "Ich hab' schon wieder nichts zum Anziehen"-First-World-Problem.

Als Antwort auf die kritisch diskutierte Fast-Fashion folgte deshalb die Slow-Fashion. Sie hat sich in den letzten Jahren etabliert, während immer mehr Menschen sich an hochwertiger Mode erfreuen, die sie mit grünem Gewissen tragen können. Zum einen, weil Kleidung wieder den Stellenwert bekommt, der ihr zusteht. Denn klarer weise hat nachhaltiges Gewand seinen Preis, wodurch wir dieses einerseits mehr schätzen und andererseits mit Bedacht einkaufen. Dabei ist es verständlich, dass nicht jeder sich die (im ersten Augenblick) kostspieligere Slow-Fashion leisten kann. Doch auch bei niedriger Kaufkraft lassen sich Wege finden.

  • Setze auf eine "Capsule Wardrobe" und kombiniere wenige schlichte Kleidungsstücke in verschiedenen Outfits.
  • Auch mit einer Kombination aus Slow- und Second-Hand-Fashion tust du unserer Umwelt etwas Gutes. Auf Flohmärkten & Co finden sich tolle Kleidungsstücke, die noch nicht in die Tonne gehören.

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Cost per Wear: Nachhaltige Slow-Fashion zahlt sich aus!

Wer immer noch der Ansicht ist, dass Slow-Fashion das eigene Budget sprengt, sollte sich das Cost-per-Wear-Konzept ans Herz legen. Hier steht ebenso das anfänglich beschriebene "Wie oft" im Fokus, während der Preis auf die Häufigkeit des Tragens heruntergerechnet wird. Berechnet wird der Wert, den du quasi pro einmal tragen dafür bezahlen würdest.

  • Dabei musst du beim Einkauf zunächst schätzen, wie oft du Schuhe & Co in Zukunft tragen wirst. Und sei ehrlich zu dir selbst: Nach einer Studie von Greenpeace wird in Deutschland jedes Fünfte Kleidungsstück im Schrank gar nicht getragen.
  • Eine hochwertige, schlichte Jeans um circa 150 Euro hält im Schnitt länger. Gehen wir von mindestens drei Jahren aus. Tragen wirst du sie vermutlich nur im Herbst, Winter und Frühling (insgesamt circa 270 Tage) sowie ungefähr drei mal die Woche. Daraus ergeben sich pro Jahr circa 115 Tage bzw. nach drei Jahren 345 Tage.
  • Die Formel lautet: Cost per Wear = Gesamtkosten eines Kleidungsstücks / Geschätzte Anzahl der Tage, an welchen du es trägst des. In unserem Beispiel ergeben sich dabei folgende Kosten pro Tragen der Jeans: 150 Euro / 345 Tage = 0,43 Euro.
  • Kaufst du dir hingegen eine scheinbar billigere (Fast-Fashion-)Hose um 50 Euro, die zu feierlichen Anlässen und nicht im Alltag getragen wird, sieht das Ergebnis anders aus. So kannst du davon ausgehen, dass die Hose maximal drei Jahre hält. Du ziehst sie in Zukunft vielleicht zu drei feierlichen Anlässen pro Jahr an. Hochgerechnet ergibt sich bei drei Jahren eine Anzahl von 9. Der Cost per Wear ist hier deutlich höher: 50 Euro / 9 Tage = 5,55 Euro.

 

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Entscheide dich richtig & denke langfristig

Wie du siehst, sagt der Schnäppchenpreis alleine wenig darüber aus, ob du deine Geldbörse entlastest. Denn die Beschaffenheit des Produkts und die Alltagstauglichkeit spielen eine ebenso große Rolle. Wer jede Saison neue Kleidungsstücke benötigt, weil die Qualität zu wünschen übrig lässt, steigt unter dem Strich nicht nur teurer aus. Summiert man die ökologischen Folgen für den Planeten und die katastrophalen Arbeitsbedingungen, die sich hinter der Fast-Fashion verbergen, zeigt sich der wahrhafte Preis, den wir für Fast-Fashion zahlen.

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