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Desinfektionsmittel im Abwasser: Schadet es unserer Umwelt?

Während der Corona-Krise benutzen wir immer mehr Desinfektionsmittel. Obwohl uns das Produkt schützt, könnte es auch unserer Umwelt schaden.

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Desinfektionsmittel umwelt
Bildvision_AB / iStock

Neben Klopapier und Mehl, horten immer mehr Österreicher auch Desinfektionsmittel in ihren eigenen vier Wänden. Der regelmäßige Gebrauch hinterlässt nicht nur an unseren Händen Spuren, sondern womöglich auch in der Umwelt. Schadet Desinfektionsmittel der Natur?

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Mögliche Belastung nicht abschätzbar

Wie die Schweizer Aargauer Zeitung berichtet, gelangt beim Händewaschen ein Teil der Gifte ins Abwasser. "Einige dieser Substanzen sind sehr giftig für Wasserorganismen", erklärt Marion Junghans, die als Umweltexpertin am schweizerischen Oekotoxzentrum in Dübendorf tätig ist. Solche Stoffe können auch aus Holzschutzmitteln in die Umwelt gelangen, wie stark Desinfektionsmittel unsere Umwelt beeinflusst, kann die Forscherin jedoch nicht einschätzen. Würde die Desinfektionsmittel-Konzentration im Abwasser steigen, dann würde dies in den Kläranlagen auch ohne Chemikalientests nachweisbar sein. Mikroorganismen würden absterben und die Beschaffenheit des Belebtschlamms würde sich ändern. Auch die Reinigungsleistung der Kläranlagen könnte abnehmen.

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Nicht alle Desinfektionsmittel sind schädlich

Alkoholbasierte Desinfektionsmittel sind umweltverträglich, da sie auch in Kläranlagen abgebaut werden können. Desinfektionsmittel, die quartäre Ammoniumverbindungen (Quavs) oder Bipheyl-2-ol enthalten, sind giftiger. Gelangen sie in das Abwasser, bedrohen sie Kleinkrebse, die in Mittellandflüssen leben. Schönes Wetter kann die Lage umso mehr verschärfen, denn da ist der Wasserstand besonders niedrig und die Konzentration mit nicht-abbaubarer Chemikalien umso größer.

Hier findest du eine Liste mit Stoffen, die umweltverträglich sind und jenen, die unserer Natur schaden: 

Diese Wirkstoffe sind umweltverträglich Diese Wirkstoffe sind umweltschädlich
Propan-1-ol Biphenyl-2-ol
1-Propanol o-Phenylphenol
n-Propanol 2-hydroxybiphenyl
Propylalkohol Benzalalkoniumchlorid
Propan-2-ol Didecyl-dimethyl-ammoniumchlorid
2-Propanol Demethyl-dioctyl-ammoniumchlorid
Isopropanol C12-14-Alkyl ((ethylphenyl)methyl)dimethyl-chlorid
Isopropylalkohol Cocospropylen-diaminguanidinium-diacetat
Ethanol
Ethylalkohol

Auch der Arbeitskreis für Hygiene in Gesundheitseinrichtungen des Magistrats der Stadt Wien macht in seinem Paper "Auswahl von Desinfektionsmittel in Gesundheitseinrichtungen" auf den Einsatz von Phenolen und Phenolderivaten aufmerksam: "Aufgrund der unangenehmen Geruchsbildung, der toxischen Eigenschaften sowie der starken Umweltbeeinträchtigung ist ihr Einsatz limitiert und nur in begründeten Fällen vorzusehen."

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Auf viruzide Desinfektionsmittel achten

Prinzipiell ist es zuhause nicht unbedingt notwendig Desinfektionsmittel zu benutzen. Hier reicht es vollkommen aus, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Befindet sich jedoch eine erkrankte bzw. infektiöse Person im Haushalt, dann könnte der Einsatz von Desinfektionsmittel durchaus hilfreich sein.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meint, dass der Griff zur Seife im täglichen Alltag in den eigenen vier Wänden ausreichend ist. Unter anderem auch, weil manche Desinfektionsmittel für den Einsatz gegen Bakterien und Pilze vorgesehen sind. In Bezug auf das Coronavirus sollte man nur Desinfektionsmittel verwenden, welches als viruzid (virentötend) klassifiziert wird. In diese Kategorie fallen vor allem Produkte auf Alkoholbasis.

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Nicht sofort Hände waschen!

Hast du ein Desinfektionsmittel zu Hause, welches als umweltschädlich gilt, dann solltest du dir nach dem Desinfizieren nicht sofort die Hände waschen! Das schädigt nicht nur deine Haut, sondern trägt dazu bei, dass Giftstoffe in hoher Konzentration ins Abwasser landen. Das passiert meist, bevor die Haut die Stoffe noch abgebaut hat.

  • Doch nicht nur das: Eine niedrige Konzentration von Desinfektionsmittel im Abwasser kann dazu führen, dass widerstandsfähige Bakterien den Kontakt damit überleben.
  • Sie bilden anschließend Pumpen auf ihrer Oberfläche, damit sie Zellgifte schneller ausscheiden können. So können sie unter anderem antibiotikaresistent werden!

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