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VKI warnt: Hände weg von Kindergeschirr aus Melamin und "Bambus"

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) untersuchte Kindergeschirr. Dabei stellte man fest, dass die Produkte stark mit Schadstoffen belastet waren.

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VKI Kindergeschirr
fatihhoca / iStock

Farbenfrohes Geschirr aus Melamin fehlt in kaum einem Haushalt, in dem auch kleinere Kinder leben. Es gilt vielen als leicht, stabil und bruchsicher und wird in Kombination mit Bambusfaser oft als biologisch abbaubar und besonders umweltfreundlich beworben. Der  Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun 9 verschiedene Produkte aus Melamin- bzw. Melamin-Bambus-Mischung einem Belastungstest im Labor unterzogen und rät dringend von der Verwendung derartigen Geschirrs ab.

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Alle Produkte im Test durchgefallen

Im Test lösten sich aus allen Produkten hohe Mengen an Melamin und Formaldehyd. Dabei wurde der Grenzwert für Melamin teilweise um mehr als das 100-fache überschritten, der von Formaldehyd um mehr als das 8-fache. Melamin kann Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem verursachen und wurde 2017 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserzeugend eingestuft. Formaldehyd gilt als krebserregend und kann Allergien auslösen. Alle getesteten Produkte wurden mit "nicht zufriedenstellend" bewertet.

Bei allen Produkten lag die Schadstoffabgabe sowohl bei Melamin als auch bei Formaldehyd um ein mehrfaches über den zulässigen Grenzwerten. "Aus unserer Sicht hätte aufgrund der von diesem Geschirr ausgehenden Gesundheitsgefährdung kein einziges Produkt in den Handel gelangen dürfen", kritisiert Dr. Birgit Schiller, projektleitende Chemikerin beim VKI.

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Mangelhafte Kennzeichnung

"Melamin und Formaldehyd lösen sich nicht nur durch Hitze aus dem Geschirr, sondern auch bei Kontakt mit Säure", erklärt Birgit Schiller. "Es ist also dringend davon abzuraten, heißen Brei oder Tee in Melamin-Geschirr zu füllen, es für geschnittenes Obst und Saft zu benutzen oder in der Mikrowelle zu verwenden." Auf einigen Produkten fehlen aber genau jene Hinweise, die davor warnen, das Geschirr in der Mikrowelle oder für Getränke und Speisen, die heißer als 70 Grad Celsius sind, zu verwenden. Nicht einmal der Hinweis, dass das Geschirr aus Melamin besteht, war auf allen Produkten zu finden. Auch nicht bei Produkten, die sehr wohl als "Bambus"‑Produkte gekennzeichnet waren.

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Vermeintliche Umweltfreundlichkeit

  • Einige Hersteller werben zudem mit der Umweltfreundlichkeit ihrer "Bambus"-Produkte, und das, obwohl diese sehr wohl auch den Kunststoff Melamin beinhalten.
  • Ein Produkt aus dem Amazon Marketplace (Co Eco) geht sogar einen Schritt weiter und behauptet zusätzlich fälschlicherweise, sein Geschirr sei biologisch abbaubar. Dies ist bei Materialien, die aus einer Bambus-Melamin-Mischung bestehen, aber gar nicht möglich.
  • Abgesehen davon, dass die Verwendung von Bambusfasern laut EU-Kunststoffverordnung (Nr. 10/201) in Produkten, die mit Lebensmitteln in Verbindung kommen, mangels Zulassung gar nicht erlaubt wäre.
  • "Alleine schon aus diesem Grund hätte das von uns untersuchte Melamin-Bambusgeschirr nicht verkauft werden dürfen", kritisiert Birgit Schiller.

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Mangelnde Bruchsicherheit

Und nicht einmal bei der Bruchsicherheit kann Geschirr aus Melamin punkten: Bei einem Großteil der Produkte kam es bereits bei einem Fall von Tischhöhe zu Absplitterungen oder Rissen. Keines der Geschirre war zudem besonders kratzfest. Abschließendes Fazit der VKI-Expertin: "Hände weg von Geschirr aus Melamin und Melamin-Bambus-Mischungen – der Gesundheit und der Umwelt zuliebe."(Red/APA)

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