Haustiere

Impfgegner weigern sich auch, ihre Haustiere zu impfen

Impfgegner befürchten ihre Hunde könnten durch Impfungen Autismus bekommen. Dass es "Hunde-Autismus" nicht gibt, ignorieren sie.

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Tierimpfung
ThamKC / iStock

Impfgegner sind generell nicht für die besten Ideen bekannt. In letzter Zeit verbreiten sie nicht nur Falschnachrichten zu Impfungen beim Menschen, auch ihre Haustiere sind vor der gefährlichen Ideologie nicht mehr gefeit. Dadurch bringen Impfgegner nicht nur ihre eigenen und fremde Haustiere in Gefahr, auch Menschen könnten sie dadurch krank machen.

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Impfungen beim Hund führen nicht zu "Hunde-Autismus"

So absurd es klingt, Impfgegner befürchten, durch Impfungen könnten ihre Hunde Autismus und andere Krankheiten entwickeln. Hier wird also dieselbe Logik angewendet, die Impfgegner auch bei ihren Kindern anwenden.

Falsche Informationen kursieren im Internet über die Existenz von Autismus bei Hunden, die vor allem über die sozialen Medien verbreitet werden. Mehrere Tierarzt-Vereinigungen weltweit sehen sich dadurch gezwungen, darauf hinzuweisen, dass Autismus beim Hund nicht existiert und schon gar nicht durch Schutzimpfungen verursacht wird.

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Haustier-Impfungen und ihre Wichtigkeit

In Österreich gibt es für Tiere offizielle Impfempfehlungen. Laut diesen sollten Hunde gegen folgende Erkrankungen geimpft werden:

  • Staupe: Bis zur Erfindung der Impfung tötete diese Viruserkrankung die meisten Hunde. Seit den 80er-Jahren nehmen Staupe-Infektionen bei Haushunden wieder zu. Grund: Impfmüdigkeit und Hunde-Importe aus Ost-Europa.
  • Parvovirose: Eine hoch ansteckende und akut verlaufende Infektionskrankheit. Befällt vor allem junge Welpen und verbreitet sich über Kot und Speichel schnell. Bei schweren Verlaufsformen stirbt ein junger Welpe innerhalb von 24 Stunden daran.
  • Tollwut
  • ansteckende Leberentzündung
  • Leptospirose

Tollwut und Leptospirose können auch auf den Menschen übertragen werden. Laut Gesetz muss jedes Tier in Österreich, das mit Tollwut infiziert ist, getötet werden. Eine Tollwut-Impfpflicht gibt es in Österreich nur für Hunde und Katzen, die über die Grenze gebracht wurden.

Katzen sollten gegen

  • Panleukopenie (Katzenseuche)
  • Katzenschnupfen
  • Tollwut (Freigänger)
  • Katzenleukämievirus (Freigänger)

geimpft werden.

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Tollwut beim Menschen: Ein grausamer Tod

In der westlichen Welt sind Tollwut-Erkrankungen beim Menschen stark zurückgegangen. Österreich gilt seit dem Jahr 2008 offiziell als tollwutfrei. Laut der WHO infizieren sich aber immer noch etwa 59.000 Menschen mit Tollwut durch Tierbisse. Ist Tollwut im menschlichen Körper einmal ausgebrochen, gibt es dafür keine Heilung. Der Betroffene verstirbt nach wenigen Tagen an Multiorganversagen durch eine langsame Lähmung der Atemwege.

Die Infektion mit Tollwut passiert in 99% der Fälle durch Hundebisse. Aber auch offene Wunden, die mit Tierspeichel in Berührung kommen, können als Eintrittspforten in den menschlichen Körper dienen. Da in Europa die meisten Hunde durch Haustierhalter, Tierschutzorganisationen oder in Tierheimen geimpft werden, sind die häufigsten heimischen Überträger von Tollwut Wildtiere.

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Impfraten bei Haustieren gehen zurück

In England konnte in den letzten Jahren ein massiver Rückgang bei Tier-Impfungen verzeichnet werden.

  • Etwa 25% der als Haustier gehaltenen Hunde, also etwa 2.2. Millionen haben als Welpen keine Impfungen erhalten.
  • 20% der befragten Tierhalter gaben an, sie fänden, Tier-Impfungen wären nicht notwendig.
  • 35% der Katzen wurden nie geimpft.
  • 41% der älteren Katzen wurden nicht aufgefrischt.

In den USA versuchen Impfgegner die gesetzliche Verpflichtung in manchen Bundesstaaten, Haustiere impfen zu lassen, aufzuheben. Dieser Trend passiert gleichzeitig mit einem Anstieg für Angebote zu alternativen Heilmethoden für Haustiere. Der Markt für Bio-Futter, Homöopathie für Haustiere und Tier-Wunderheiler boomt. Dies macht Sinn: Haustierhalter sehen ihre Tiere als Teil der Familie und möchten bei ihnen die gleichen alternativmedizinischen Methoden anwenden, wie bei ihren Kindern.

Durch die hohen Durchimpfungsraten kennen viele Tierbesitzer die wirklich grausamen und tödlichen Tiererkrankungen wie Staupe oder Parvovirose nicht mehr und verweigern paradoxerweise deswegen die Impfungen.

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Tierimpfungen sind wichtig, Risiko ist gering

Die britische Tierarztvereinigung betont in einer Presseaussendung, dass die Nebenwirkungen bei Tier-Impfungen natürlich bestehen, wie auch bei Impfungen beim Menschen. Die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen ist jedoch gering und die Vorteile der Schutzimpfungen überwiegen.

Durch das Auslassen der Impfungen bringen Halter nicht nur ihre Tiere in Gefahr, sondern auch andere Menschen können dadurch Schaden nehmen. Hunde und Katzen, die sich frei draußen bewegen, sind besonders gefährdet, da sie oft ihre Nase in fremdem Tierkot und Verschmutzungen stecken.

Wer sein Haustier nicht impft, setzt es unnötigem Leid aus und gefährdet seine Mitmenschen.

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