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Welttierschutztag: Immer noch zahlreiche Tierversuche in Österreich

Am 4. Oktober feiern wir den Welttierschutztag! Warum immer noch Tiere gequält werden und wie die Lage in Österreich in Sachen Tierversuche aussieht, lesen Sie hier.

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In Österreich werden weiterhin unglaublich viele Tierversuche durchgeführt.
Rklfoto / iStock

Schon seit Jahren läuft eine heiße Debatte um Tierversuche in der Kosmetikbranche. Während immer mehr Konsumenten auf Produkte von Unternehmen umsteigen, die sich gegen Experimente an Tieren aussprechen, bleibt weiterhin die Frage, wann Tests an Lebewesen überhaupt ethisch vertretbar sind. Denn besonders in der Forschung sind Tierversuche unverzichtbar, oder?

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Tierversuche in Österreich nehmen wieder zu

Obwohl immer häufiger über Tierwohl debattiert wird, nimmt die Qual im Labor mehr zu als ab. In Österreich wurden 1991 erstmals die national durchgeführten Tierversuche erfasst, das Ergebnis: 482.166 Tiere ließen dafür ihr Leben. 1999 sank der Wert auf 130.000 Tiere, 2017 dann der traurige Anstieg: 264.000 Tiere mussten für Experimente und Tests herhalten, die in den meisten Fällen den Tod der Tier zur Folge haben. Am häufigsten sterben Mäuse bei den Versuchen, weitere Tierarten wie

  • Kaninchen,
  • Katzen,
  • Pferde,
  • Schafe,
  • Ratten,
  • Hunde,
  • Rinder,
  • Frösche
  • und Schweine werden ebenfalls zur Testung eingesetzt.

Laut dem Tierschutzgesetz gilt seit 1999 ein generelles Verbot für die Testung von österreichischen Kosmetika an Tieren. In der EU ist 2004 das Gesetz in Kraft getreten. Seitdem ist auch das Verkaufen regionaler kosmetischer Artikel (oder einzelne Inhaltsstoffe), die an Tieren getestet wurden, ebenfalls untersagt, wenn es zu diesem Zeitpunkt schon tierfreundlichere Alternativen gab. Trotzdem schützt das Verbot nicht vor weiteren Experimenten – beispielsweise im medizinischen Bereich.

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US-Umweltbehörde gegen Tierversuche

Die amerikanische Umweltschutzbehörde E.P.A. (Environmental Protection Agency) veröffentlichte vor kurzem ein Statement, dass sie in Zukunft auf die Testung von scharfen Chemikalien an Tieren verzichten möchten. Während Umweltschützer die Entscheidung loben, sind Forscher eher skeptisch. Viele Wissenschafter sind der Meinung, dass der Einsatz von Tieren notwendig ist, um die menschliche Gesundheit zu sichern.

Wie die Online-Ausgabe von The New York Times berichtet, plant die E.P.A. Tierversuche bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren. Bis 2035 möchte man alle Tierversuche verbannen – bis auf Ausnahmen, in denen der Einsatz von Tieren unverzichtbar ist. Um dies zu ermöglichen, möchte die Behörde über vier Millionen Dollar an Universitäten und Forschungsinstitute spenden, um tierfreundliche Forschung zu unterstützen.

"Wir können die menschliche Gesundheit und die Umwelt schützen, indem wir bei unseren Entscheidungen modernste, ethisch einwandfreie wissenschaftliche Forschung verwenden, die potenzielle Auswirkungen ohne Tierversuche effizient und kostengünstig bewertet", erklärt Andrew Wheeler von der E.P.A. Ganz neue Ansichten der Umweltbehörde, hatte die Organisation in den letzten Jahrzehnten doch chemische Experimente an Tieren in Kauf genommen, um die Toxizität von Substanzen zu prüfen.

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Mensch als Versuchskaninchen?

2018 wurden in Österreich "nur" 237.727 Tierversuche durchgeführt. Das sind 26.000 Tiere weniger als im Vorjahr. Allein 42.400 Tiere wurden 2018 für die Erforschung von Infektionskrankheiten des Menschen verwendet. Besonders in der Pharmaindustrie sind Tierversuche gang und gäbe, um neue Medikamente zu entwickeln und gleichzeitig das Haftungsrisiko für die Gefährdung von Menschen zu umgehen.

Fakt ist, dass Experimente an Tieren kaum auf Menschen übertragbar sind. So schreibt das Online-Portal aertzeblatt.de , dass die "Abläufe im menschlichen Organismus äußerst komplex sind und sich nur sehr begrenzt durch Versuche am Tier simulieren lassen." Eine Sicherheit, dass die Untersuchungsergebnisse auch auf den Menschen zutreffen, ist nicht gegeben.

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Grausame Experimente an Tieren

Tierversuche sind grausam, egal ob es sich dabei um die Testung von Kosmetika oder Medikamenten handelt. Vögel, Mäuse, Katzen & Co fühlen Schmerz, Trauer und Angst. In vielen Experimenten müssen die Tiere beispielsweise Verletzungen oder Genmanipulationen ertragen:

  • Gift, Drogen & Bakterien: Affen werden meist als Tester für Schlangengift, Partydrogen und Bakterien eingesetzt. Unzählige Tiere sterben dabei auf qualvolle Weise.
  • Operationen an Gliedmaßen: Operative Eingriffe bleiben den Tieren meist nicht erspart. So werden häufig Gliedmaßen entfernt und wieder angenäht, um den Heilungsprozess zu beobachten.
  • Genmanipulationen & Verletzungen: Manchen Versuchstieren werden radioaktive Stoffe in die Augen oder ins Gehirn gespritzt. Anderen Probanden werden Löcher in die Beine gebohrt oder Fremdkörper in die Arterien eingesetzt (z.B.: Luftballons etc.)

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Alternativen zu Tierversuchen

Doch es gibt Hoffnung: Forscher der  Universität Innsbruck möchten in Zukunft zum Beispiel vermehrt tierversuchsfreie Experimente einsetzen, die mit Hilfe von Computermodellen (in-silico-Modelle) Krankheiten simulieren können.

Folgende Alternativen können ebenfalls den Einsatz von Tieren verhindern: 

  • Verwendung von Zellkulturen: Forscher züchten Zellkulturen aus Gewebe, um Strukturen und Funktionen menschlicher Organe nachzuahmen. Diese Variante wird auch als "In-vitro-Methode" bezeichnet, bei der Untersuchungen in einer kontrollierten künstlichen Umgebung durchgeführt werden.
  • Nicht-invasive Verfahren: Um die Belastung des Versuchstiers zu verringern, wird bei nicht-invasiven-Verfahren der Kot oder Urin von Tieren untersucht. Auch Computertomographien (CT) oder Magnetresonanztomographien (MRT) gehören dazu. Außerdem kommen Atemgasanalysen zum Einsatz, die den Kohlendioxid-, Sauerstoff und Molekülgehalt messen. So können an bestimmten Mustern in der Atemluft Krankheiten erkannt werden.
  • Microdosing: Bei dieser Art der tierfreundlichen Versuche, werden freiwillige menschliche Probanden eingesetzt. Dabei werden Wirkstoffe in sehr geringen Dosen verabreicht, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Daraufhin misst man die Auswirkungen der eingesetzten Substanz.
  • Bakterien & Pilze: Zu den sonstigen Versuchsalternativen zählen auch Experimente mit Hefezellen, Pilzen und Bakterien. Untersuchungen an Leichen und Bevölkerungsstudien können ebenfalls wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse liefern.

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