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Studie: Drogenkonsum in Europa steigt weiter an

Kokain, Speed und Ecstasy: Europäer konsumieren laut einer aktuellen Studie immer mehr Drogen. Crystal Meth wird unter anderem immer beliebter.

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In einer Wasser-Studie wurde entdeckt, dass Europäer sämtliche Drogen konsumieren.
hyunah Kang / iStock

Im Rahmen einer Abwasseranalyse wurden 70 europäische Groß- und Kleinstädte untersucht. Ziel der Studie war es den Drogenkonsum der Einwohner zu untersuchen. Das europaweite Netzwerk SCORE, welches 2010 gegründet wurde, legt die Standards der Abwasseranalysen fest. Die Ergebnisse wurden in der Reihe "Abwasseranalyse und Drogen — eine europäische städteübergreifende Studie" veröffentlicht.

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Crystal Meth wird populärer

Im März 2018 wurden innerhalb einer Woche rohe 24-Stunden-Sammelproben aus dem Abwasser von 73 Städten und 20 europäischen Ländern entnommen. Die Proben wurden auf folgende Drogen untersucht:

  • Amphetamin (Speed)
  • Methamphetamin (Crystal Meth)
  • MDMA (Ecstasy)
  • Benzoylecgonin (BE) und THC-COOH (Verbindungen, die im Körper beim Abbau von Kokain und Cannabis gebildet werden)

Die Ergebnisse zeigen, dass besonders in den west- und südeuropäischen Städten der Kokain-Konsum am höchsten ist: insbesondere in Städten im Vereinigten Königreich, Belgien, den Niederlanden und Spanien. Speed wurde besonders häufig in nord- und osteuropäischen konsumiert, in südeuropäischen Städten dafür wesentlich weniger.

Der Crystal-Meth-Gebrauch beschränkte sich in den vorherigen Analysejahren auf Tschechien und die Slowakei, nun wird auch in Spanien, Finnland, Zypern und Ostdeutschland konsumiert. Belgische, deutsche und niederländische Einwohner greifen vermehrt zu Ecstasy.

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Vermehrter Drogenkonsum am Wochenende

In 14, der untersuchten Ländern, wurden die Untersuchungen an zwei oder mehr Studienstandorten durchgeführt. Darunter waren die Länder:

  • Belgien, Deutschland, Finnland
  • Frankreich, Italien, Litauen
  • Niederlande, Österreich, Portugal
  • Spanien, Slowakei, Slowenien
  • Tschechien und Zypern

Hierbei wurden unterschiedliche Ergebnisse zwischen Städten aus demselben Land ermittelt. Dies lässt sich auf die unterschiedlichen sozialen und demografischen Merkmale wie Ausgehviertel, das Bevölkerungsalter und Hochschulen zurückführen. In den Großstädten waren die Kokain- und Ecstasy-Belastungen höher als in kleineren Städten. Dies traf vor allem in Ländern mit mehreren Studienstandorten zu. Eine ähnliche Belastung durch Amphetamin oder Methamphetamin konnte nicht nachgewiesen werden.

Sogar die beliebteste Zeit für den illegalen Drogenkonsum konnte durch die Wasseranalyse erforscht werden: Mehr als drei Viertel der Städte wiesen am Wochenende (Freitag bis Montag) einen erhöhten Ecstasy- und Speed-Konsum auf. Im Vergleich dazu konnte ein gleichmäßiger Konsum von Methamphetamin in der gesamten Woche festgestellt werden.

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Anstieg des Drogenkonsums

Zwischen 2011 und 2015 wurde bei den meisten Städten ein rückläufiger oder stabiler Trend beobachtet. 2016 wiesen 22 von 33 Städten, die seit 2011 an mindestens fünf Untersuchungen teilnahmen, einen Anstieg im Drogenkonsum auf. 2018 setzte sich dieser Trend fort.

Die höchste MDMA-Belastung im Abwasser, über den Zeitraum von acht Jahren, wurde vor allem in Belgien und den Niederlanden festgestellt. Besonders die Städte Antwerpen und Amsterdam verzeichneten einen drastischen Anstieg. Von 38 Städten, aus denen Daten für die Jahre 2017 und 2018 verfügbar sind, stieg die Amphetamin-Benützung an. Der erhöhte Konsum war vor allem am Wochenende nachweisbar.

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Österreich im Mittelfeld

Auf der interaktiven Karte der Studie wurden die Werte der getesteten Länder dargestellt. Die Analyse des österreichischen Abwassers wurde durch die Gerichtsmedizin der Med-Uni-Innsbruck durchgeführt. Sie untersuchten fünf Kläranlagen in Hofsteig, Bozen (Südtirol), Innsbruck, Hall-Wattens und Millstättersee. Die insgesamt 70 Gemeinden weisen rund 514.000 Einwohner auf.

  • Laut den Studienergebnisse wurden 2018 täglich sechs bis 15 Gramm Drogen pro 1.000 Einwohner in Österreich konsumiert.
  • Über 90 Prozent davon war auf THC (in Cannabis enthalten) zurückzuführen, vier bis acht Prozent auf Kokain.
  • Die Bevölkerung in Bozen konsumierte vermehrt Kokain (18 Prozent) und THC (82 Prozent).
  • Weniger als einen Prozent wiesen die Stoffe MDMA, Methamphetamin und Amphetamin auf.

„Die Abwasserdaten lassen mutmaßen, dass ein gewisser Anteil der Bevölkerung regelmäßig Drogen konsumiert“, erklärt Herbert Oberacher, Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors an der Innsbrucker Gerichtsmedizin. Auf Basis der Abwasserdaten führten die Forscher eine Schätzung des Schwarzmarktwerts der konsumierten Drogen durch.

  • Dabei wurden 10 bis 100 Millionen Euro pro Region und ein österreichweites Umsatzvolumen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr ermittelt.
  • Im Vergleich mit den anderen Test-Ländern, befindet sich Österreich laut der Analyse im mittleren Bereich.

„Bezogen auf die von uns untersuchten Abwässer waren die höchsten Pro-Kopf-Mengen an Drogen im Innsbrucker Abwasser zu beobachten. Nur bei Kokain lag das Bozner Abwasser vorne“, sagt Oberacher.

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