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Ego-Shooter töten Gehirnzellen

Einer Studie zufolge reduzieren Ego-Shooter die graue Substanz im Gehirn. Das wiederum erhöht das Risiko für spätere Depressionen und Alzheimer-Erkrankungen.

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Ego-Shooter töten Gehirnzellen
eclipse_images / iStock

First-Person-Shooter, in unseren Breiten besser als Ego-Shooter bekannt, haben kein gutes Image. Erhöhte Gewaltbereitschaft sowie Abstumpfung von Kindern und Jugendlichen werden von vielen Eltern befürchtet. Einer aktuellen Untersuchung zufolge sollen die Spiele nun tatsächlich der psychischen Gesundheit schaden – allerdings anders als bisher angenommen.

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90 Stunden Ballerspiele

  • An der Studie nahmen 51 Männer und 46 Frauen zwischen 18 und 30 Jahren teil, die sich insgesamt bester Gesundheit erfreuten.
  • Keiner der Probanden war im Videospielen geübt.
  • Eine Gruppe verbrachte insgesamt 90 Stunden mit den Shooter-Games "Call of Duty", "Killzone" und "Borderland 2".
  • Die anderen vertrieben sich die Zeit mit 3D-Platformern (Jump'n'Run-Spiele) wie "Super Mario 64".

Zusätzlich wurden die Teilnehmer in zwei Lerntypen eingeteilt. Die einen bedienten sich beim Spielen hauptsächlich ihrem räumlichen Gedächtnis, die anderen reagierten eher auf Ereignisse. Letzteres beansprucht den sogenannten Nucleus caudatus im Gehirn, der die Entstehung von Gewohnheiten sowie unbewussten Verhaltensweisen verantwortet.

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Gehirnsubstanz schrumpft

85 Prozent der Personen, die sich mehr als sechs bis acht Stunden wöchentlich mit Ego-Shootern beschäftigen, gehören zum zweiten Lerntyp – also zu jenem, der eher auf Ereignisse reagiert. Bei Menschen von diesem Typ zeigte sich in Zusammenhang mit den PC-Spielen ein signifikanter Verlust von grauer Substanz im Hippocampus. Das dürfte daran liegen, dass durch die dauerhafte Nutzung des Nucleus caudatus der Hippocampus "verkümmert", der an Gehirnzellen verliert.

Menschen mit einem derartigen Verlust von grauer Substanz im Hippocampus neigen in der Jugend eher zu posttraumatischen Belastungsstörungen oder Depressionen. Im Alter steigt das Risiko für eine Alzheimer-Demenz.

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Gehirnfit dank Super Mario

Besonders interessant: 3D-Plattformer wie Super Mario 64 ließen die graue Substanz sogar wachsen und zwar unabhängig vom jeweiligen Lerntyp. Diese Spiele könnten bei Gaming-Junkies quasi als Gegenmittel zu den Gehirn-angreifenden Ego-Shootern dienen.

Die Ergebnisse seien laut den Forschern dennoch mit Vorsicht zu genießen, da noch Langzeitstudien nötig sind, um die tatsächliche Auswirkung auf Gehirn und Psyche einschätzen zu können. Trotzdem raten sie vor allem Eltern, ihre Kinder (für die solche Spiele sowieso nicht geeignet sind) nicht stundenlang vor dem PC spielen zu lassen. Sie möchten zudem die Spielentwickler dazu anregen, die Konzepte der Games zu überarbeiten, um die schädigende Wirkung auszumerzen.

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  • Svenja Ahlers sagt:

    Ein gelungener Text mit interessanten Fakten. Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist das hier die Quelle nicht genannt wird. Es wird immer nur gesagt: "Einer Studie zufolge…", oder ähnliches.