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"Schnuppernde Haare" wachsen besser

Haare haben Duftrezeptoren, mit denen sie bestimmte Gerüche wahrnehmen können. Das könnte ihr Wachstum beschleunigen.

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Gesunde lange Haare
praetorianphoto / iStock

Der simple Satz "Deine Haare riechen gut" hat soeben eine neue Bedeutung bekommen! Eine in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie erklärt uns nämlich: Menschliche Haarwurzelzellen besitzen Duftrezeptoren! Diese können gewissen Düfte wahrnehmen bzw. wecken Düfte sie aus ihrem Dornröschenschlaf auf und bringen sie dazu, sich in Sachen Haarwachstum ein bisschen mehr ins Zeug zu legen. Das wiederum – so die Überzeugung der Duftforscher – eröffnet völlig neue Wege bei der Behandlung von Haarausfall.

Das klingt alles ein wenig märchenhaft, hat aber durchaus einen seriösen Hintergrund. Dafür muss man sich zunächst einmal den Lebenszyklus eines (menschlichen) Haares ansehen.

Das Leben als Haarzelle: Wachsen – "Selbstmord" – Ausschlafen

Haare bestehen aus einem Schaft, der aus der Haut ragt, und einer Haarwurzel, die in eine Einstülpung der Oberhaut, dem sogenannten Haarfollikel, eingebettet ist. Der Lebenszyklus eines Haares besteht aus 3 Phasen:

  • die Wachstumsphase: Kann zwischen zwei und acht Jahre andauern. Üblicherweise befinden sich 80 bis 90% aller Kopfhaare in dieser Phase.
  • die "Selbstmordphase": In der mehrwöchigen sogenannten Selbstmordphase, in der das Haar sein Wachstum stoppt und sich von der Wurzel löst, befinden sich nur etwa 1% aller Haare.
  • die Ruhephase: Alle anderen Haare befinden sich in der Ruhephase, die etwa ein halbes Jahr anhält und in der das alte Haar schließlich abgestoßen wird, weil ein neues nachwächst.

Wie schnell wachsen Haare?

Haarfollikel bilden durchschnittlich etwa einen Zentimeter Haar im Monat. Die Haarlänge ist aber nicht nur von der Wachsgeschwindigkeit abhängig, sondern vor allem davon, wie lang der individuelle Haarzyklus anhält. "Haarausfall beruht normalerweise darauf, dass sich das Verhältnis von der Wachstumsphase hin zur Ruhephase verschiebt oder nur mehr zu kurze Haare produziert werden", erklärt der Bochumer Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt, einer der Studien-Autoren.

Duftrezeptoren in Hautzellen

Bereits in früheren Studien hatten die Forscher nachgewiesen, dass bestimmte Hautzellen, die Keratinozyten, den Duftrezeptor OR2AT4 besitzen. Sie belegten auch, dass dieser Rezeptor durch Duftstoffe mit einer Sandelholznote aktiviert wird und dass dadurch die Hautregeneration und Wundheilung um fast 50%t gesteigert werden können.

Warum also sollte das Haar nicht können, was die Haut kann? Wirkt der Duftrezeptor ähnlich stimulierend auf die Keratinozyten in den Haarwurzeln? Und kann so die Regulation des Haarwachstums beeinflusst werden? Genau diesen Fragen ging das Team um Hatt nach.

Haare auf dem Prüfstand

Tatsächlich konnte die wissenschaftliche Haarsplaterei belegen, dass…

  • … OR2AT4 während der Wachstumsphase in großen Mengen im Haarschaft vorkommt.
  • … sich OR2AT4 in den sogenannten Matrixzellen der Haarwurzel findet, die für das Wachstum verantwortlich sind.
  • … in späteren Phasen die Anzahl der Rezeptoren signifikant geringer ist.

Sandelholz macht müde Haare munter

Stimulierten die Wissenschaftler den Rezeptor vier bis sechs Tage mit bestimmten Düften, erhöhte sich in den Haarfollikelzellen die Menge des Wachstumsfaktors IGF-1, einer der wichtigsten natürlichen Haarwuchsstimulatoren. Das wirkte dem programmierten Zelltod entgegen; die Wachstumsphase verlängerte sich um etwa 30%, während sich die Ruhephase entsprechend verkürzte.

"Das lässt uns erwarten, dass sich auch die Lebensdauer der Haare in ähnlichem Umfang erhöht", so Hatt.

Schalteten die Forscher den Duftrezeptor genetisch aus, wirkte der Duft nicht mehr. Sie beobachteten außerdem, dass menschliche Haarfollikel auf eine Stimulation dieses Rezeptors angewiesen sind, um optimal zu wachsen. Ungeklärt ist bislang, welche natürlichen Substanzen im Haarfollikel den Rezeptor stimulieren.

"Ich gehe davon aus, dass Duftstoffe wie Brahmanol oder Sandalore in Haarwassern oder Shampoos zum Einsatz kommen könnten, um die Lebenszeit der Haare zu verlängern", folgert Hatt, "vor allem bei hormon- oder stressbedingtem diffusem Haarausfall."

Vorläufige klinische Ergebnisse

Es gibt bereits eine erste klinische Pilotstudie mit 40 Patienten aus Italien, die an Haarausfall litten. Die Anwendung einer Sandalore-haltigen Lotion über drei Monate verringerte den Haarausfall signifikant um 17,5% im Vergleich zu einem Placebo. Die Forscher weisen in der Veröffentlichung jedoch darauf hin, dass diese Pilotdaten nicht ausreichend sind, um die klinische Wirksamkeit des Duftstoffes zu bestätigen, da die Stichprobe dafür zu klein war und aufwendigere Tests für eine zuverlässige Quantifizierung des Haarausfalls notwendig wären. Eine größere klinische Studie ist jedoch bereits am Laufen. Die Ergebnisse werden zum Jahresende erwartet.

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