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Medikamentenvergiftung auch durch rezeptfreie Arzneimittel möglich

Egal, ob Kopfschmerzen, Erkältungen oder sonstige Wehwehchen: Ein Medikament verschafft schnelle Linderung. Doch wie viele Tabletten sind zu viele?

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Rezeptfreie Arzneimittel versprechen bedenkenlose Einnahme, doch auch bei diesen Medikamenten kann eine Überdosis vorkommen.
fizkes / iStock

Rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke stellen für viele Menschen eine gute Ergänzung für den privaten Medizinschrank dar. Doch die meisten Konsumenten unterschätzen die Wirkstoffe in den Arzneimitteln, die oft zu starken Nebenwirkungen führen können.

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Paracetamol gefährlicher als gedacht

Der bekannte Wirkstoff Paracetamol wird in den verschiedensten Schmerzmitteln beigesetzt. Experten sind sich jedoch sicher, dass dieser in der heutigen Zeit keine Zulassung mehr bekommen hätte:

  • Für Erwachsene liegt die empfohlene Dosis bei 2000 bis 4000 Milligramm pro Tag.
  • Wer diese überdosiert kann mit Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Leberschaden, Herzinfarkt und Hirnschäden rechnen.
  • Eine Paracetamolvergiftung erfolgt ab einer Einzeldosis von 7,5 Gramm und endet häufig tödlich.

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Medikamentenstudien meist irreführend

Paracetamol bleibt trotz dieser Erkenntnis bei den Verbrauchern sehr beliebt, denn viele Konsumenten verlassen sich auf bekannte Markennamen. Auch die Kombination von verschiedenen Schmerzmitteln bei einer Erkältung ist für die meisten Konsumenten normal.

  • Studien zu neuen Wirkstoffen werden in der Regel nur mit Erwachsenen durchgeführt, die sich im mittleren Alter befinden und rund 70 Kilogramm wiegen.
  • Die Dosierung für Kinder und ältere Menschen ist dadurch meist unbekannt.
  • Wann eine Überdosis eintritt, ist je nach der körperlichen Verfassung der Patienten abhängig. Hier spielen auch Vorerkrankungen, Überempfindlichkeiten oder Allergien auf bestimmte Wirkstoffe eine Rolle.

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Symptome einer Arzneimittelvergiftung

Um so einen Notfall richtig deuten zu können, müssen die Symptome einer Überdosis bekannt sein. Diese können in Form von folgender Beschwerden auftreten:

  • Komatöser Schlaf
  • Atem- und Kreislaufstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Bewusstlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Sprechen oder Lallen
  • Bei akuten Symptomen: Rufen Sie den Notarzt und erwähnen Sie das eingenommene Medikament oder nehmen Sie es mit in die Notaufnahme.

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Wirkstoffe im Überblick

Die meisten Wirkstoffe, die wir unseren alltäglichen Erkältungs- oder Schmerzmitel finden, können schnell zur Gefahr werden. Deshalb sollten Sie unbedingt auf die vorgeschriebene Dosierung achten:

Ibuprofen: Das bekannte Schmerzmittel wirkt entzündungshemmend und fiebersenkend:

  • Erwachsenen wird eine Dosis von 200 bis 800 Milligramm (mg) oder 1,2 Gramm (drei 400 mg-Tabletten) täglich empfohlen. Ab 1200 mg täglich ist die Dosierung toxisch.
  • Kinder sollten 20 bis 30 mg/kg Körpergewicht täglich einnehmen, ab 30 mg und mehr besteht Vergiftungsgefahr.
  • Symptome: Binnen 45 Minuten bis zwei Stunden treten Beschwerden wie Krampfanfälle, Benommenheit, Schwindel, Tinnitus, Erbrechen und Bluthochdruck auf.

Acetylsalicylsäure (Ass): Dieser schmerzstillende und blutverdünnende Wirkstoff wird unter dem Namen Aspirin vermarktet:

  • Erwachsene sollten nicht mehr als vier Gramm täglich einnehmen. Ab zehn Gramm wirkt die Dosierung toxisch.
  • Kinder sollten nur auf ärztliche Anordnung mit ASS behandelt werden. Eine Einzeldosis ab 75 bis 100 mg/kg Körpergewicht führen zu einer Vergiftung. Ab 400 mg ist die Dosierung tödlich.
  • Symptome: Übelkeit, Verwirrtheit, Schwindel, Dehydratation, und Übelkeit. Bei sehr hohen Dosen können zusätzlich ein komatöser Schlaf, Nierenversagen oder ein Lungenödem auftreten.

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Salz & Koffein

Nicht nur Wirkstoffe in Medikamenten, sondern auch in Lebensmitteln können bei falscher Einnahme zu starken Nebenwirkungen führen.

Salz: Kochsalz (Natriumchlorid) regelt den Blutkreislauf und unterstützt den Knochenbau:

  • Erwachsene sollten durchschnittlich drei bis fünf Gramm Salz täglich konsumieren. Die tatsächliche Aufnahme eines Durchschnittserwachsenen beläuft sich auf acht bis zehn Gramm täglich. Schuld daran sind meist stark gesalzene Fertiggerichte.
  • Eine Überdosis bei Erwachsenen erfolgt bei 40 bis 75 Gramm täglich (zwei bis drei Esslöffel). Ab zehn Esslöffel (EL) ist die Dosierung tödlich.
  • Kinder bis neun Monate sollten kein Salz einnehmen. Maximal zwei Gramm pro Tag sollten Kinder zwischen eineinhalb bis drei Jahren konsumieren.
  • Vom siebten bis zehnten Lebensjahr maximal fünf Gramm täglich. Eine Überdosis kann bei Kindern zwischen 10-15 Gramm auftreten (1 EL).
  • Symptome: Zusammenziehen der Muskulatur und Blutgefäße, hoher Blutdruck und Atem- und Herzstillstand.

Koffein: Das Alkaloid ist eine natürliche Verbindung, welche in Kaffee vorkommt, oder in Energydrinks zugesetzt wird:

  • In 100 Milliliter Kaffee sind etwa 70 mg Koffein enthalten. Erwachsenen wird eine tägliche Dosis von 400 mg empfohlen.
  • Ab einem Gramm Koffein pro Tag, circa zehn Liter Cola, besteht eine Vergiftungsgefahr. Circa zehn Gramm Koffein, entsprechen etwa 200 Tassen doppelten Espresso, sind tödlich.
  • Kindern wird kein Koffein empfohlen, für sie sind schon 0,5 mg täglich toxisch.
  • Symptome: Kopfschmerzen, Verwirrung, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe.
  • Achtung: Wer Energydrinks mit Alkohol mischt, kann durch Koffein getäuscht werden. Dieses neutralisiert nämlich den Rauscheffekt: Man fühlt sich nüchtern, doch kann in Wahrheit schnell überdosieren.

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