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Wir sind nur zur Hälfte Mensch: Der Rest ist Mikrobiom

Unser Körper besteht nur zu 34 Prozent aus menschlichen Zellen, den Großteil machen verschiedene mikroskopische Kolonien aus, das sogenannte Mikrobiom.

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Anatomie des Menschen
piranka / iStock

Wissenschafter kamen zu dem Ergebnis, dass nur die Hälfte unseres Körpers "menschlich" ist. Humane Zellen machen tatsächlich nur 34 Prozent unseres Organismus aus. Der genaue Blick auf diesen versteckten Teil von uns – auf das Mikrobiom – verändert das Verständnis von Krankheiten wie Allergien oder Parkinsonrapide.

Was bedeutet es, ein Mensch zu sein?

Die Mikrobiom-Forschung stellt sich unter anderem die Frage, was "Menschsein" eigentlich heißt und welche neuen Wege der Behandlung von Krankheiten es geben könnte. Prof. Ruth Ley, Direktorin des Departments für Mikrobiom-Forschung am Max-Planck-Institut in Tübingen, weiß: "Das Mikrobiom ist essenziell für unsere Gesundheit. Unser Körper gehört nicht uns allein."

Egal, wie gut Sie sich waschen und schrubben, auf jedem Quadratzentimeter Ihres Körpers befinden sich unzählige, winzig kleine Wesen, die wichtige Aufgaben erfüllen.

Dazu gehören:

  • Bakterien
  • Viren
  • Pilze
  • Archaeen (ursprünglich als Bakterien missinterpretiert)

Die meisten dieser Mikroorganismen hausen in unseren sauerstoffarmen Gedärmen. Prof. Rob Knight von der University of California/San Diego gegenüber dem britischen Nachrichtendienst BBC: "Wir sind mehr Mikrobiom als Mensch. Ursprünglich glaubte man, dass die menschlichen Zellen mit einem Verhältnis von 10:1 den Mikroorganismen klar überlegen sind. Davon sind wir gänzlich abgekommen. Man spricht heute eher von einem Verhältnis von 1:1. Alle menschlichen Zellen machen zusammengezählt nur 34 Prozent aus."

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Genetisch unterlegen

Aus genetischer Sicht sind wir den Mikroorganismen klar unterlegen. Das gesamte menschliche Genom besteht aus 20.000 Genen. Das Mikrobiom kommt im Gegenzug mit einer Gen-Armada zwischen zwei und 20 Millionen daher.

"Wir haben nicht einfach nur ein Genom. Die Gene unseres Mikrobioms repräsentieren unser zweites Genom, das die Aktivität unseres eigenen ergänzt", so Prof. Sarkis Mazmanian (Caltech). "Was uns meiner Meinung nach menschlich macht, ist die Kombination menschlicher und mikrobieller DNA."

Es wäre naiv zu glauben, dass wir so viele Kleinstlebewesen herumtragen und diese nicht mit unserem Körper interagieren, so der Experte. Die Wissenschaft deckt immer mehr wichtige Funktionen des Mikrobioms auf:

  • Es spielt eine große Rolle bei der Verdauung.
  • Es reguliert das Immunsystem und schützt vor Krankheiten.
  • Es verarbeitet lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe.

Prof. Knight ist sich sicher: "Wir sehen, dass diese winzigen Kreaturen unsere Gesundheit auf unglaublich viele Weisen beeinflussen. Das übertrifft unsere kühnsten Erwartungen."

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Mikrobielles Schlachtfeld

Antibiotika und Impfungen sind lebenswichtige Waffen gegen gefährliche Krankheitserreger. Vor allem Antibiotika stehen aber immer wieder in der Kritik, dem Mikrobiom zu schaden: Sie töten nicht nur die krankmachenden, sondern auch die nützlichen Bakterien.

Prof. Ley erklärt: "Innerhalb der letzten 50 Jahre haben wir in Sachen Krankheitsbekämpfung einen unglaublich tollen Job geleistet. Auf der anderen Seite beobachten wir einen Zuwachs von Allergien und Autoimmunerkrankungen."

Störungen des Mikrobioms werden unter anderem mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, Depression, Autismus oder Parkinson in Verbindung gebracht. Auch wie gut Medikamente gegen Krebs wirken, könnte mit der mikrobiellen Besiedelung unseres Körpers zu tun haben.

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Hoffnung für künftige Therapien

So könnte etwa das tiefe Wissen um das Mikrobiom Menschen mit krankhaftem Übergewicht helfen. Studien zeigen, dass dicke Mäuse, die das Mikrobiom einer schlanken Maus erhalten, sich der Figur des Spendernagers anpassen – und umgekehrt! Inwiefern diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen werden können, ist noch nicht klar.

Die mikrobielle Medizin befindet sich noch in den Kinderschuhen, verspricht aber einiges für den Umgang mit Krankheiten in der Zukunft.

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