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Online-Spielsucht von der WHO als Krankheit anerkannt

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte die Computerspielsucht offiziell zur Krankheit – doch die Entscheidung ist umstritten.

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Online-Spielsucht wurde als Krankheit anerkannt
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Die Online-Spielsucht oder auch "Gaming Disorder" wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Krankheit klassifiziert. Die Computerspielsucht wird ab dem 18. Juni 2018 gleich hinter der Glücksspielsucht in den neuen Katalog der International anerkannten psychischen Störungen (ICD 11) aufgenommen. Eine Entscheidung, die so manche Gemüter erhitzt.

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Online-Spielsucht als Krankheit

Bei dem ICD 11 handelt es sich um die 11. Auflage des weltweit anerkannten Katalogs, der Ärzten und Krankenkassen als Grundlage und Diagnose-Hilfe dient. Als Anlass dafür, die Computerspielsucht als Krankheit anzuerkennen, dienen Personen – darunter bereits auch Jugendliche –, die den Computer stundenlang nicht verlassen und soziale Kontakte, aber auch Grundbedürfnisse wie trinken, essen und den Gang zur Toilette vernachlässigen. Immer öfters wird die Sucht nach Online- und Offlinespielen stationär behandelt. Nun hat auch die WHO das prekäre Thema aufgegriffen und dem Problem der heutigen Zeit offiziell einen Namen gegeben – bei der letzten Auflage im Jahr 1992 war die Thematik technisch bedingt noch hinfällig. Dadurch werden Krankenkassen gezwungen, Therapiekosten zu übernehmen.

Bedarf gibt es allemal:

  • Eine österreichische Studie zur Abhängigkeit bei Jugendlichen aus dem Jahr 2009 ergab, dass immerhin 12% ein suchtartiges Verhalten aufweisen – und 2,7% davon haben ein abhängiges Verhältnis zu Computerspielen.
  • Seit dem Jahr 2009 ist die Digitalisierung zügig vorangeschritten; die Zahlen dürften demnach gestiegen sein.

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Krankheit 2.0 in der Kritik

Besorgniserregend sind besonders jene Fälle von Spielern aus Asien oder den USA, die während eines Gaming-Marathons tot umgefallen sind. Dennoch sehen einige Wissenschafter und Psychologen die Klassifizierung kritisch. Sie geben zu bedenken, dass diese Extremfälle selten seien und man Computerspiele nicht grundsätzlich negativ behaften sollte. Zudem gäbe die Klassifizierung Anlass zu Missbrauch.

Der Psychologe Andy Przybylski von der Oxford University warnte gemeinsam mit 30 Kollegen in einem offenen Brief, dass Diagnosen missbraucht werden könnten. Zudem bieten Computerspiele einen Rückzugsort für Menschen, die unter Depressionen oder sozialen Angststörungen leiden. Aus diesem Grund sollte eher der eigentlichen Ursache auf den Grund gegangen werden. Mediziner sind sich jedoch einig, dass es klare Grenzen zwischen einem normalen und einem exzessiven Spielverhalten gibt.

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Anzeichen einer Online-Spielsucht

Handlungsbedarf besteht, wenn ein Spieler folgende Anzeichen aufweist:

  • Computerspiele haben einen hohen Stellenwert im Leben des Spielers; das Spielen dominiert den Alltag.
  • Durch den vermehrten Konsum reduzieren sich soziale Kontakte und Offline-Aktivitäten.
  • Der Spieler geht nicht mehr in die Schule oder in die Arbeit.
  • Versuche, den Konsum einzuschränken oder eine Zeit lang völlig darauf zu verzichten, scheitern.
  • Bei Pausen treten Entzugserscheinungen wie aggressives, nervöses Verhalten auf.
  • Die Online-Dauer steigert sich kontinuierlich.

Hilfe und weiterführende Informationen wie Beratungsstellen finden Sie unter zum Beispiel unter Saferinternet.at.

Mehr dazu auf netdoktor.at: Anzeichen einer Computerspielsucht

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