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Warum ein Nichtraucherbereich nichts bringt

Eine Studie, bei der Wiener Raucher- und Nichtraucherlokale auf Feinstaubbelastung untersucht wurden, kam zum Ergebnis, dass selbst Nichtraucherbereiche ein teils hohes Gesundheitsrisiko darstellen.

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Nichtraucherbereich im Lokal
philpell / iStock

Das Thema Rauchen sowie der Schutz der Nichtraucher hat in Österreich zurzeit höchste Brisanz: Das Volksbegehren "DON'T SMOKE" läuft, die Regierung will die bereits beschlossene Regelung zum Rauchverbot wieder aufheben, die Gemüter sind erhitzt.

Passend zur Debatte lässt nun eine aktuelle wissenschaftliche Auseinandersetzung aufhorchen: Die IBO Innenraumanalytik OG hat in Zusammenarbeit mit ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt (ÄGU) eine Studie in gemischten Wiener Raucher-/Nichtraucherlokalen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden bei einer Pressekonferenz am 27. Februar in Wien präsentiert und lassen einem den Atem stocken: Die Vorgaben des Tabakgesetzes werden in fast allen Gaststätten (96%) missachtet. Und die Nichtraucherbereiche sind eine Farce. Hier zeigt sich sich eine drei- bis vierfach erhöhte Feinstaubbelastung im Vergleich zur Außenluft.

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Raucher- und Passivrauchbereich

Passivrauch ist schädlich. Das konnten Studien mittlerweile klar und deutlich belegen. Viele wiegen sich im abgetrennten Nichtraucherbereich in falscher Sicherheit, denn auch dort – ob mit oder ohne Tür zur Raucherzone  – ist der Qualm allgegenwärtig, selbst wenn er olfaktorisch nicht wahrnehmbar ist.

Die Forscher nahmen 28 Gaststätten im 15. Wiener Gemeindebezirk unter die Lupe. Das Ergebnis:

  • 27 von 28 Lokalen halten sich nicht an die Vorgaben des derzeit geltenden Tabakgesetzes.
  • Die schädlichen Nanopartikel aus dem Rauch sind auch im Nichtraucherbereich in stark erhöhter Konzentration nachweisbar.
  • Vergleich: In einem Nichtraucherlokal befinden sich weniger als 5.000 Feinstaub-Partikel pro Kubikzentimeter, in Nichtraucherbereichen in gemischten Lokalen sind es bis zu 110.000.

Darum sind Nichtraucherbereiche sinnlos

Defacto sind Nichtraucher bzw. Mitarbeiter in Gaststätten, in denen teilweise geraucht werden darf, nicht vor den schädlichen Wirkungen des Tabaks geschützt. Es verhält sich eher wie in einem hypothetischen Pool mit Pinkelbereich:

  • Räumliche Trennung: Etwa 64 Prozent der Betriebe haben keine Türen, Trennwände oder ständig offene Türen; eine räumliche und lufttechnische Trennung ist folglich nicht gegeben.
  • Kennzeichnung: Drei Viertel kennzeichnen die Bereiche nicht oder nicht gut sichtbar.
  • Gesundheitliche Belastung: In 93 Prozent der Lokale wurden gesundheitsschädliche Feinstaubbelastungen im Nichtraucherbereich gemessen.

Dipl. Ing Peter Trappler (IBO Innenraumanalytik OG) rät zu drastischen Maßnahmen: "Um sich vor Tabakrauchinhaltsstoffen zu schützen. raten wir derzeit jedenfalls vom Besuch von Nichtraucherbereichen, die unmittelbar an Raucherzonen grenzen, ab."

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Was stellt der Feinstaub mit unserer Gesundheit an?

Die Nanopartikel aus dem Feinstaub sind so klein, dass sie tief in unseren Organismus eindringen und dort massiven Schaden anrichten können. Das Risiko für folgende Probleme steigt gravierend, vor allem für Kinder, Schwangere oder Personen mit Vorerkrankungen:

  • Reizungen der oberen Atemwege
  • Astmaanfälle
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • auf lange Sicht Lungenkrebs
  • u.v.m.

Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter (ÄGU) betont: "In Österreich besteht schon rein aus gesundheitlichen Gründen seit Jahren dringender Handlungsbedarf – Stichwort Arbeitnehmerschutz." Beide Experten bezeichnen die derzeitige Lage in Bezug auf den Nichtraucherschutz als "jenseits von gut und böse". Den Kurs der Regierung beobachten sie mit großer Skepsis und Unverständnis. In anderen Ländern konnte die Zahl an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch das Rauchverbot in der Gastronomie nämlich deutlich gesenkt werden.

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