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Studie: Völkerball im Turnunterricht ist gleichzusetzen mit "legalisiertem Mobbing"

Ist das Ballspiel pädagogischer Müll? Forscher sagen, ja!

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Ist Völkerball im Turnunterricht Mobbing?
KatarzynaBialasiewicz / iStock

Erinnern Sie sich noch an Völkerball? Das Spiel, bei dem die eine Mannschaft die andere abschießen muss? Kanadischen Forschern zufolge soll das bekannte Ballspiel "Mittel der Unterdrückung" sein und den Kindern schaden. Wissenschafter fordern nun bei dem Spiel, das seit Generationen gespielt wird, ein Umdenken.

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Kanadische Forscher befragten Schüler

Eigentlich wollte das Forschungsteam rund um Joy Butler 12- bis 15-Jährige allgemein über den Turnunterricht befragen, erzählt die Professorin an der British University of Columbia gegenüber dem Sender CBC. Während der Interviews kamen die Schüler allerdings immer wieder auf ein- und dasselbe Thema zu sprechen: Völkerball. Warum? Die meisten Schüler würden es hassen. Die Schüler empfinden das Ballspiel als unterdrückend, zu aggressiv und fühlen sich ausgegrenzt. Das detaillierte Ergebnis der Studie soll demnächst in der Fachzeitschrift "European Physical Education Review" erscheinen.

  • Die erschütternden Aussagen der Schüler veranlassen Butler zu der Meinung, Völkerball wäre gleichzusetzen mit "legalisiertem Mobbing".
  • Weiter sagt sie gegenüber der Washington Post: "Die Botschaft des Spiels lautet, dass es okay ist, andere zu verletzen."
  • Auch Stephen Berg, Co-Autor und Professor für Pädagogik an der UBC Okanagan, stellt die Botschaft in Frage: "In der Schule reden wir viel über Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl. Im Sportunterricht verschwinden alle diese Begriffe."

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Völkerball, das verhasste Ballspiel?

Das Spiel fördert nicht das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klasse, sondern spaltet diese in zwei Lager. Tatsächlich ist Völkerball ursprünglich ein Kriegsspiel, das seit mehreren hundert Jahren gespielt wird. Ist es überholt, veraltet, pädagogischer Müll?

  • Völkerball ist vor allem bei jenen Schülern unbeliebt, die schwächer und stiller sind.
  • Gerade stärkere Schüler würden das Ballspiel ausnutzen, um die Klassenkameraden zu demütigen, geben die Forscher zu bedenken.
  • Die Ausgrenzung fängt bei der Mannschaftswahl an, bei der schwächere Kinder als letztes gewählt werden, was diese selbstverständlich als demütigend und verletzend empfinden.
  • Weiter geht es während des Spiels: Ein Mädchen erzählte dem Forscherteam, es würde sich "weiter hinten" verstecken, um nicht den Aggressionen der Kameraden ausgesetzt zu sein.
  • Kinder, die mit voller Kraft schießen, verletzen andere Kinder beim Abschießen.

Mit der Regel, nicht auf den Kopf der Mitspieler zu zielen und der Mahnung, nicht zu fest zu schießen, schränken Lehrer Aggressionen zwar ein, aber ist das genug?

Das Forscherteam appelliert an Lehrer, das Sportprogramm zu überdenken und Völkerball gegebenenfalls durch andere Spiele, die den Zusammenhalt fördern, zu ersetzen. 

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