Psychische Gesundheit

True Fruits-Shitstorm: Wenn Werbung Grenzen überschreitet

Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erlangen, auf Kosten von den Gefühlen betroffener Menschen: Der Smoothie Hersteller "True Fruits" sorgt mit einem neuen Posting für Aufregung.

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True Fruits Werbung
Screenshot Facebook / true fruits Smoothies

Schlechte PR ist eben auch PR: Nach diesem Motto bewirbt der deutsche Smoothie-Hersteller True Fruits seine Produkte. Wem das Unternehmen schon länger ein Begriff ist, mag nicht überrascht sein. Rassismus und Sexismus sind zentrale Begriffe in den Werbekampagnen des Saftladens. Sie möchten polarisieren und witzig sein – doch kann man noch von Humor sprechen, wenn er auf alles andere als lustigen Erfahrungen basiert?

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"Cumback"-Shitstorm

Nun sorgt True Fruits erneut für Aufregung. Auslöser ist das neue Werbebild der "Sonnencreme"-Smoothies. Darauf ist der Rücken einer jungen Frau zu sehen, verziert mit einem kleinen, spritzenden Penis. Passend zur Sonnenmilchbemalung wird dem Bild noch "Sommer, wann feierst du endlich dein Cumback?" hinzugefügt. Auch der Untertitel "Achtung: Diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden" unter dem Bild konnte die User in den Sozialen Medien nicht besänftigen. Als "unnötige Aufregung", "politisch überkorrekt" und "kein Raum für Meinungsfreiheit" betiteln einige (True Fruits miteingeschlossen) die Reaktionen der empörten Konsumenten. Doch den Nutzern geht es dabei weniger um die Bemalung selbst, mehr um die Antwort des Herstellers und die Reihe von fraglichen Werbesujets, mit denen die Smoothies in der Vergangenheit beworben wurden.

Inzwischen hat das Unternehmen das Sonnencreme Bild gelöscht, da sie durch die Veränderung des Fotos gegen die AGBs der Bildagentur verstoßen haben. Im folgenden Bild finden Sie das Statement von True Fruits:

Abgefüllt und mitgenommen

Auch wenn es für manche übertrieben erscheinen mag – der angebliche Humor beruht auf schlimmen Erfahrungen, die viele Menschen erleben mussten. Schwarz gefärbte Flaschen werden gerne mal unter der Bezeichnung "Schafft es selten über die Grenze" mit rassistischem Beigeschmack verkauft. Ein weiterer Slogan "Abgefüllt und mitgenommen" schmückte ein Werbebild, welches mittlerweile gelöscht wurde. Dies sind nur einige wenige diskriminierende Marketingstrategien von True Fruits. Dabei werden laut Feminist Christian Berger gezielt Personen angesprochen, die einen Hass auf die politisch korrekte Sprache haben. Wie es Opfern derartiger Schicksale geht? Dieser Aspekt ist dem Hersteller gleich. Der Gründer und Marketing-Chef Nicolas Lecloux fügte dem letzteren Sujet noch ein "This is how I like my hoes"-Kommentar hinzu. Auf die Kritik einer Nutzerin unter dem Sonnecreme-Posting reagiert das Social-Media-Team zudem mit "Hast du ein Penis-Trauma?".

Ein Schlag ins Gesicht für Menschen, die mehr als nur ein paar Worte mit der Werbebotschaft verbinden. Dabei stellt sich die Frage: Muss man derartige Traumata und die traurige Wahrheit vieler Vergewaltigungs- und Flüchtlingsopfer wirklich ins Lächerliche ziehen, nur um Profit zu erzielen?

Für jene, deren Empathie nicht ausreicht, um nachzuempfinden, wie es "abgefüllten und mitgenommenen" Opfern beim Lesen der Werbung geht, hat die Influencerin Madeleine Daria Alizadeh einige Gedanken zusammengefasst:

 

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Gezielte Provokation

Es ist kein Geheimnis, dass der Hersteller genau diese Reaktionen der Nutzer erreichen möchte. Die Provokation ist vorkalkuliert und zielt auf eine Steigerung der Reichweite ab. Viele haben deshalb diverse Lebensmittelgeschäfte aufgefordert, die Marke aus dem Sortiment zu streichen. Diese weisen jedoch darauf hin, die Kritik an den Hersteller selbst zu richten, da der Handel keinen direkten Einfluss hat. Wie True Fruits auf jene Kritik antwortet, ist jedoch mehr als fragwürdig und alles andere als konstruktiv.

Die äußerliche Aufmachung der Flasche mag vielleicht ansprechend wirken, doch wer die Augen nicht verschließt, erkennt die spärlichen "inneren Werte" der Marke. Eine Unternehmensphilosophie, welche auf der Erniedrigung betroffener Menschen baut, hat schlichtweg keinen Platz mehr in der heutigen Gesellschaft. Viele Socia Media-Nutzer beschäftigen sich aus diesem Grund vermehrt mit Gegenmaßnahmen, um ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen und das Unternehmen in die Schranken zu weisen.

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