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Was ist das Rapunzelsyndrom?

Eine 16-Jährige stirbt aufgrund einer Infektion durch einen Haarball in ihrem Magen. Aber warum hat der Teenager überhaupt seine Haare gegessen? Dahinter verbirgt sich das Rapunzelsyndrom.

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Frau hat das Rapunzelsyndrom
coffeekai / iStock

Ein tragischer Todesfall erregte in Großbritannien viel Aufsehen: Eine Studentin starb an einer Bauchfellentzündung und einem aufgebrochenem Magengeschwür, die in Kombination zu einem Organversagen führten. Ursache für den tragischen Tod der jungen Frau war ein großes Knäuel aus ihren eigenen Haaren, das sich in ihrem Verdauungstrakt befand. Was steckt dahinter, wenn jemand zwanghaft seine Haare schluckt?

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Rapunzelsyndrom ist eine psychische Krankheit

  • Essstörungen, die sich durch den Verzehr nicht essbarer Dinge oder Substanzen äußern, werden mit dem Begriff Pica-Syndrom zusammengefasst.
  • Trichophagie heißt das abnormale Verhalten, das Menschen dazu bringt, ihre Haare zu verschlucken.
  • Die Kombination der dafür typischen Symptome wird als Rapunzelsyndrom bezeichnet.
  • Häufig reißen sich die Betroffenen ihre Haare auch aus, was Trichotillomanie genannt wird.
  • Vor allem bei langem Fortbestehen des Zwangs kann es zu schweren körperlichen Folgeschäden kommen, wie der jüngste Fall des Mädchens aus England zeigt.

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Warum sind Haare im Magen gefährlich?

Haare können vom Magen nicht verdaut werden. Wenn wir allerdings manchmal ein Haar schlucken, hat das keine Folgen für unsere Gesundheit. Es wird einfach wieder ausgeschieden. Kommt es jedoch zu größeren Ansammlungen von Haaren im Bauch, bildet sich ein sogenannter Bezoar, ein Magenstein aus unverdaulichem Material. Solche Bezoare sind beim Menschen äußerst selten.

Manche Tiere, zum Beispiel Eulen oder Katzen, haben durch Nahrungsreste oder aufgeschleckte Haare immer wieder Bezoare, die sie einfach hochwürgen und auswerfen können. Bei Greifvögeln wird das ganze als Gewölle bezeichnet. Katzen hinterlassen ihren Besitzern immer wieder ein kleines Haarknäuel am Boden.

Der Mensch ist nicht für das Heraufwürgen eines Bezoars ausgestattet. Bei ausgeprägter Trichophagie wird das Haarknäuel immer größer und stört die Funktion der Verdauung. Viele Patienten erleiden früher oder später einen Darmverschluss im Bereich des Dünn- oder des Dickdarms. Auch schwer verlaufende Entzündungen des Bauchraums, wie sie bei der verstorbenen Britin aufgetreten sind, können sich durch den Bezoar entwickeln. Manchmal sind die Haarbälle so riesig, dass sie operativ entfernt werden müssen.

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So erkennen Sie das Rapunzelsyndrom

Betroffene Personen zeigen bei einer Trichophagie folgende Anzeichen:

  • Ständiges Herausziehen der Haare
  • Ausreißen der Haare
  • Knabbern an den Haarspitzen
  • Dauernd die Haare im Mund haben
  • Ausdünnen der Haare
  • Entweder heimliches Essen der Haare, manchmal aber auch extra demonstratives Vorgehen
  • Oberbauchschmerzen unbekannter Ursache
  • Verdauungsprobleme

Falls Sie selbst glauben, von dieser Störung betroffen zu sein, sollten Sie sich in die Hände eines Psychotherapeuten, eines Psychologen oder eines Facharztes für Psychiatrie begeben. Haben Sie bereits mit körperlichen Beschwerden durch die Trichophagie zu kämpfen, suchen Sie umgehend ein Krankenhaus oder zumindest Ihren Hausarzt auf.

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2 Kommentare

  • Rapunzel sagt:

    Es ist zum Haare reissen, diese unkontrollierten Handlungen die ich nicht unter Kontrolle bekomme macht mich traurig, ich bin in Behandlung, mache seit einem Jahr Traumatherapie wie Psychotherapie und Ergotherapie, vieles habe ich gelernt zu verstehen und mit um zu gehen aber diese Sucht Haare aus zu reissen (am ganzen Körper) habe ich nicht im Griff, ich befinde mich wie in Trance weit weg von allem und gerade steigt in mir eine grosse Wut auf weil es mir so bewusst ist wie ich darunter leide

    • Redaktion sagt:

      Liebe Rapunzel,

      vielen Dank, dass Sie Ihre Geschichte mit uns teilen. Es ist bestimmt nicht einfach, so offen darüber zu reden. Glauben Sie mir/uns: Sie haben nicht nur den ersten, sondern mehrere Schritte in die richtige Richtung gesetzt. Die Entscheidung eine Therapie anzufangen und seine Probleme in den Griff zu bekommen, erfordert sehr viel Mut. Geben Sie nicht auf und bleiben Sie weiterhin so stark, wie in dem Moment, als Sie beschlossen haben wieder gesund zu werden.

      Wir wünschen Ihnen alles Liebe für Ihre Genesung!

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