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Wissenschafter suchen den weltbesten menschlichen Kot

Hat Ihr Exkrement das Zeug dazu?

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Kot
Rawf8 / iStock

Eine Stuhltransplantation klingt im ersten Moment vielleicht eklig und absurd, ist aber eine bereits vielfach ausgetestete Behandlungsmethode. Und das mit Erfolg: Patienten mit chronischen Darmproblemen profitieren davon. Doch wie funktioniert das genau? Und wie kommt man an die perfekten menschlichen Ausscheidungen heran?

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Wenn die eigene Darmflora kaputt ist, hilft eine fremde

Chronischer Durchfall, starke Schmerzen, Krämpfe oder tagelange Verstopfung: Menschen, deren Darm krank ist, leiden extrem. Dazu kommt noch, dass es oft schwer ist, über das Thema zu sprechen. In vielen sozialen Situationen ist es nicht angebracht, offen über Durchfall und Verstopfung zu sprechen. Betroffene reagieren daher oft mit  sozialem Rückzug, erleben Jobverluste und haben eine stark eingeschränkte Lebensqualität.

Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einem starken Reizdarm oder einer Infektion mit aggressiven Darmbakterien wie Clostridium difficile haben meist schon dutzende Präparate ausprobiert, um ihre Darmtätigkeit wieder einigermaßen zu regulieren. Doch ist die Darmflora einmal stark in Mitleidenschaft gezogen, ist ein gesunder Wiederaufbau oftmals schwierig.

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So funktioniert die Stuhltransplantation

Bei diesem Verfahren werden bei einem Menschen mit gesunder Darmtätigkeit Darmbakterien über eine Stuhlspende entnommen. Der Kot des gesunden Patienten wird aufbereitet und gefiltert und dann dem kranken Patienten während einer Koloskopie in den Darm verpflanzt. Das Stuhltransplantat kann aber auch von "oben", also durch eine Nasensonde in den Zwölffingerdarm gespritzt oder mit Kapseln eingenommen werden. Die gutartigen Darmbakterien sollen sich dann im fremden Darm ansiedeln und zu einer besseren Darmflora führen.

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Erfolge der Behandlungsmethode

Dass die meisten Menschen bei dem Gedanken, den Kot eines anderen in den Körper verpflanzt zu bekommen, die Nase rümpfen, ist klar. Der Leidensdruck von Menschen mit Darmerkrankungen ist jedoch enorm und die Methode sehr effektiv. Vor allem bei Menschen, die mit Clostridium difficile infiziert sind, ist die Behandlung wirkungsvoll. In mehreren Studien wurde bestätigt, dass Leidende nach der Transplantation beschwerdefrei sind – und das ohne Rückfälligkeit.

Auch andere überraschende Studien gibt es, etwa bei einer Stuhltransplantation für Mäuse, die zu dick waren. Das Zuführen von Darmflora dünner Mäuse führte dazu, dass die dicken Mäuse abnahmen.

Bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen waren die Studienergebnisse bis jetzt nicht so eindeutig. Forscher vermuten nun, dass der Erfolg der Stuhltransplantationen stark damit zusammen hängt, wie "gut" der Spender-Kot ist.

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Wer hat den besten Kot der Welt?

Selbst wenn eine Person nicht an Verdauungsproblemen leidet, bedeutet dass nicht, dass sie den perfekten Stuhl hat. Wer Stuhl spenden will, muss ein sehr strenges Aufnahmeverfahren durchlaufen. Nur etwa 3% der Bewerber sind geeignet.

Potentielle Stuhl-Spender dürfen:

  • keine chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Darmkrebsfälle in der Familie haben,
  • so gut wie nie Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall haben,
  • keine Antibiotika in den letzten Jahren eingenommen haben,
  • keine Autoimmun-Erkrankungen haben,
  • keine psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen haben,
  • kein Asthma haben,
  • und keine Allergien  haben.

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Wer viel Pflanzen isst, hat tendenziell die bessere Darmflora

Des weitern sollen Menschen, die mehr als 30 verschiedene Pflanzen pro Woche essen, eine besonders gute Darmflora haben, so der Leiter der Stuhl-Spenderbank. Aber selbst das garantiert nicht, dass der Kot von Premium-Qualität ist. Forscher fanden heraus, dass die erfolgreichsten Stuhltransplantationen von Menschen stammen, die besonders vielfältige Bakterienstämme im Darm haben.

In einer Studie waren etwa von 38 Stuhltransplantationen nur 9 erfolgreich, jedoch stammten 7 davon von demselben Spender.

Es gibt sie also: Die Personen mit Premium-Kot. Forscher müssen nun herausfinden, wie genau sich dieser Premium-Kot von anderen Ausscheidungen unterscheidet. Eine Spur gibt es bereits: Menschen mit Darmproblemen fehlen oft die Salze der kurzkettigen Buttersäure ("Butyrate"). Spender, welche diese in ihrer Damflora haben, sind für eine Transplantation besonders geeignet.

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