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Yanny oder Laurel: Was dahinter steckt

Spoiler Alert: Ja, es gibt eine richtige Antwort in der Laurel-oder-Yanny-Frage. Spannender ist aber, warum wir hören, was wir hören.

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Schallwellen als Frequenz aufgezeichnet
Elerium / iStock

#dressgate ist so 2015! Wieso ein und dasselbe Kleid manchen Menschen schwarz-blau und anderen weiß-gold erscheint, hat die letzten Tage niemanden mehr interessiert. Was wir nun wissen wollen: Spielen Sie für Team Laurel oder für Team Yanny?

Der Original-Tweet:

Nur für den Fall, dass Sie nicht wissen, wovon die Rede ist (aber warum haben Sie dann eigentlich diesen Artikel angeklickt?), hier der Ausgangspunkt der Debatte:

Priming: Das Gehirn ist beeinflussbar

Warum wir hören, was wir hören, hat viele Gründe. Einer davon ist das sogenannte "Priming": Unser Gehirn geht mit einer gewissen Erwartungshaltung an eine Aufgabe heran. Bereits die Fragestellung "Hören Sie Laurel oder Yanny?" führt dazu, dass wir eines der beiden hören. Menschen, denen diese Namen nicht vorab mitgeteilt werden, hören mit großer Wahrscheinlichkeit etwas gänzlich anderes.

Ein gutes Beispiel für Priming ist folgendes Hör-Experiment:

Einfach nur wirre Geräusche? Dann versuchen Sie es einmal mit der um Interferenzen "bereinigten" Version:

Gut. Und jetzt noch einmal die erste Version abspielen. Können Sie den Satz hören? Eben!

Wenn das Gehirn weiß, worauf es achten soll, vermag es die entsprechenden Laute aus dem Lärm-Chaos herauszufiltern. Anders gesagt: Wir hören, was wir hören wollen.

Mehr dazu: Wie sich das Ohr selbst reinigt

Schau mal, was da schwingt

Wenn wir sprechen, produzieren wir Schallwellen, die durch die Luft transportiert werden – bis sie unser Ohr erreichen. Diese Schwingungen lassen sich grafisch darstellen. Vergleicht man nun die Bilder, die bei den Wörtern "Laurel" und "Yanny" entstehen, sieht man: Sie sind sich weit ähnlicher als man denkt! Auch wenn die Vokale und Konsonanten für uns unterschiedlich klingen, so ähneln die visuellen Aufzeichnungen einander sehr.

Eine Darstellung des Sprachwissenschafters Professor Brad Story sehen Sie hier. (Und für all jene, die es unbedingt wissen wollen, analysiert der Akkustik-Experte: "Ich bin ziemlich sicher, dass die Originalaufnahme Laurel lautet.")

Wie alt sind Sie?

Ob wir das Laurel/Yanny-File am Handy, am Laptop oder mit Kopfhörern anhören, macht einen Unterschied. Was aber, wenn zwei Personen dasselbe Abspielgerät nutzen und dennoch zu einem anderen (Hör-)Ergebnis gelangen? Das könnte schlicht am Alter der Person liegen.

Die Tonfrequenzen in "Yanny" sind höher als jene in "Laurel". Je älter wir werden, desto weniger nehmen wir hohe Frequenzen wahr. Wer "Yanny" hört, hat vermutlich jüngere Ohren.

Danke, Internet!

Das Problem gelöst hat inzwischen ein Twitter-Nutzer, der die Tonhöhen der Aufnahme manipuliert hat:

  • Wird die Tonhöhe um 30% nach unten reguliert, hören Sie Yanny.
  • Wird die Tonhöhe um 30% hinaufgesetzt, hören Sie Laurel.

Probieren Sie es aus!

Was dem Kopf wichtig erscheint

Unser Gehirn ist tagtäglich einer riesigen Menge an Input ausgesetzt. Eindrücke prasseln konstant auf uns ein, daher haben wir gelernt zu filtern: Auf einer Party können wir Nebengeräusche ausblenden und uns nur auf das Gespräch mit unserem Gegenüber konzentrieren, schaffen es aber, unsere Aufmerksamkeit sofort auf eine andere Unterhaltung zu lenken, wenn uns diese wichtig erscheint. Was das bedeutet, wenn man es auf das Yanny/Laurel-Problem anwendet?

Wenn Sie Yanny hören, war Ihnen Laurel vermutlich nicht so wichtig!

Mehr dazu auf netdoktor.at: Wie Gehirn und Nervensystem funktionieren

 

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