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"Hikikomori-Syndrom": Warum sich manche Menschen sozial isolieren

In Japan schon lange verbreitet, wird bei auch bei uns das "Hikikomori-Syndrom" immer populärer. Wir erklären, was dahintersteckt!

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Hikikomori-Syndrom
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Das "Hikikomori-Syndrom", welches besonders in Japan verbreitet ist, scheint auch in Europa immer mehr aufzutauchen. Dieses könnte vor allem durch die Corona-Pandemie wieder verstärkt werden. Doch worum genau handelt es sich bei dem "Hikikomori-Syndrom"?

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Was ist das "Hikikomori-Syndrom"?

Das Phänomen beschreibt die soziale Isolation von heranwachsenden Männern, die sich von ihrem Umfeld abkapseln. Sie denken nicht daran, ihr Elternhaus zu verlassen oder ein eigenständiges Leben zu führen. Der Kontakt zur Außenwelt wird auf ein Minimum begrenzt und ihre Isolation kann meist bis zu Jahre andauern. Lange Zeit wurde das "Hikikomori-Syndrom" als japanische Eigenheit interpretiert, doch besonders durch die Corona-Pandemie scheint sich der Trend des Rückzugs wieder zu verstärken.

"Manche bereits vor Corona sehr zurückgezogen lebende Menschen sehen die Aufforderungen, zuhause zu bleiben, als Bestätigung ihrer Lebensführung und nützten die Situation, sich noch mehr einzuigeln. Corona lieferte ihnen einen Vorwand, das eigene minimalistische Leben zu rechtfertigen", erklärt Alexandra Schaubmayr, Psychotherapeutin am Kepler Universitätsklinikum Linz gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten". Laut der Experten sind vor allem Männer ab dem 17. Lebensjahr betroffen, doch prinzipiell gibt es kein Alterslimit. Auch Männer über 40 oder Frauen können "Hikikomoris" sein. "Auch Frauen sind betroffen, wenn auch weniger häufig", sagt Schaubmayr.

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So äußert sich das "Hikikomori-Syndrom"

  • Betroffene isolieren sich von ihrem Umfeld und kapseln sich komplett ab. Ihr Alltag spielt sich meist nur mehr in ihrem eigenen Zimmer ab. Zudem wohnen die Betroffenen noch bei den Eltern und lassen sich bekochen.
  • Ihr Lebensinhalt begrenzt sich nur mehr auf Interaktionen über das Smartphone, den PC oder Spielekonsolen. Sie sitzen stundenlang vor den elektronischen Geräten und dunkeln zusätzlich noch ihr Zimmer ab.
  • Reale Freunde oder Kontakte haben sie meist nicht mehr, auch die körperliche Hygiene wird vernachlässigt und die Tag-Nacht-Routine ist verdreht.
  • "Hikikomoris" sind single und haben höchstens über das Internet eine "Beziehung". Sie verlassen nur wenn es sein muss das Haus und das so kurz wie möglich (am besten bei Nacht).

Diese Symptome können je nach Person variieren. Manche Betroffene schaffen es dennoch, ihre Ausbildung zu schaffen oder ihre Arbeit zu erledigen und dabei für einige Stunden ihre eigenen vier Wände zu verlassen. Häufig reden sich die "Hikikomoris" ein, dass sie keine echten Kontakte mehr brauchen und sie nichts "vermissen" würden.  „Mit der Zeit merken sie gar nicht mehr, dass die Isolation sie verändert und dass sie sich selbst im Grunde ihr Leben rauben. Natürlich ist es schlecht, wenn sie keinen Kontakt mit anderen haben, nicht berührt werden, selbst niemand berühren können und auch keine persönlichen Gespräche von Angesicht zu Angesicht führen“, erklärt Schaubmayr.

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Deshalb kapseln sich Betroffene ab

Meist steckt Resignation und Scham hinter diesem Verhalten. Betroffene haben das Gefühl, dass sie in der realen Welt nicht bestehen können, und kapseln sich deswegen ab. Häufig können auch erfolgreiche Eltern Druck ausüben, sodass die "Hikikomoris" das Gefühl haben, dass sie die Karriere ihrer Müttern und Väter sowieso nie schaffen könnten.

In manchen Fällen kann eine Psychotherapie helfen, den Weg aus der Isolation zu finden und um eine psychische Erkrankung zu verhindern. "Betroffenen kann durch Therapie gut geholfen werden. Man sieht sich an, welche Gründe hinter dem Rückzug stehen, wann er begonnen und was ihn ausgelöst und verstärkt hat. Dann begibt man sich in kleinen Schritten wieder mehr und mehr ins reale Leben. Wie Kinder erlernen die Betroffenen neue Erfahrungen zu machen; sie entdecken wieder, wie es ist, in der Welt zu leben. Der Patient braucht dabei oft Ermutigung, man muss sehen, was funktioniert und was nicht und tastet sich vor, einen Schritt nach dem anderen", sagt Schaubmayr.

Mehr über die "Hikikomoris" in Japan erfährst du in dem Beitrag von dem deutschen Fernsehsender "Weltspiegel":

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