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"Toxic Positivity": Optimismus schließt schlechte Laune nicht aus

Das Glas ist nicht immer halbvoll: Wer permanent positiv durch's Leben geht, unterdrückt wichtige Gefühle und schadet der eigenen Psyche.

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Toxic Positivity
nemke / iStock

#GoodVibesOnly und #StayPositive: Hashtag-Bewegungen, die uns stets vor Augen führen wollen, dass Optimismus die Antwort auf jedes Problem ist. Und wenngleich diese Philosophie sich in vielen Fällen bewahrheitet, so kann sie im Übermaß schädlich für unsere Psyche sein. "Toxic Positivity", der Zwang permanent positiv gestimmt zu sein, wird durch Instagram & Co zunehmend zum Problem. Warum wir auch schlechte Gefühle zulassen müssen, erfährst du im Beitrag.

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Was ist "Toxic Positivity"?

"Toxic Positivity" bedeutet, dass man zwanghaft das positive in Situationen sucht, in denen eigentlich nichts positives zu finden ist. Klarerweise lohnt es sich optimistisch durch's Leben zu gehen, doch zu viel des Guten setzt uns und andere nur einem enormen Druck aus. Ähnlich wie bei Body Neutrality reicht es manchmal auch aus, den Körper so zu akzeptieren wie er ist, anstatt ihn wie viele Anhänger der Body-Positivity-Bewegung zwanghaft zu lieben. Wichtig ist, dass du deine eigene Balance findest und auch negativen Gefühlen Raum lässt. Denn jedes Gefühl hat seine Berechtigung, egal ob gut oder schlecht. Aber woran erkenne ich nun Toxic Positivity? Wir nennen dir drei Beispiele:

  • Du hast dich gerade von deinem Partner getrennt und schüttest deiner besten Freundin dein Herz aus. Dabei geht es dir sichtlich schlecht, während du von deiner Freundin nur Sätze wie "Konzentriere dich auf das Gute" oder "Jedes Unglück im Leben lehrt dir etwas Wertvolles" zu hören bekommst. Wenngleich ihre "Instagram-reifen" Ratschläge durchaus stimmen mögen, so hast du trotzdem das Recht im jetzigen Moment zu trauern.
  • Du beklagst dich darüber, dass du starke Hautprobleme hast, doch anstatt auf Verständnis zu stoßen, bekommst du von deinem Umfeld nur "So schlimm ist es doch gar nicht" zu hören. Dadurch werden deine Gedanken nicht nur heruntergespielt, du bekommst ebenso das Gefühl vermittelt, sie seien unberechtigt.
  • Sobald du negative Gefühle empfindest, versuchst du dich sofort abzulenken und konzentrierst dich starr auf etwas Positives. Das ist bewundernswert und hilft dir in vielen Lebenssituationen weiter. Dennoch ist es auch wichtig, dass du Tränen zulässt. Andernfalls läufst du Gefahr, dass du viele Laster auf Dauer mit dir herumschleppst, weil du sie nicht aufarbeitest.

 

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Gefühle sind da, um gefühlt zu werden

Glück ist keine überraschende Fügung, Glück ist eine bewusste Entscheidung. Denn egal, wie wunderbar die Situation scheint, wir können sie nur soweit genießen, wie wir bereit sind das Schöne zu zelebrieren. Wer stattdessen in der Opferrolle verharrt, dem passieren nicht per se nur schlechte Dinge. Lediglich der Fokus auf das Negative unterscheidet sie von positiven Menschen. Glück ist also stets Ansichtssache, richtig? Falsch. Denn auch Optimismus ist keine Einbahnstraße. Erzwungene, omnipräsente Positivität verfehlt nicht nur ihr Ziel, sie führt auch dazu, dass wir uns am Ende einsam und missverstanden fühlen.

Zudem sprechen wir so negativ-behafteten Gefühlen ihren Wert ab. Doch negative Emotionen lassen sich nicht einfach ausradieren. Wer Trauer, Wut und Angst nie die Chance gibt, ans Tageslicht zu kommen, der schleppt diese letztlich jahrelang unterbewusst mit. Zudem erfüllen auch "schlechte" Gefühle einen wichtigen Nutzen: Sie geben uns zu verstehen, wie es in uns aussieht und helfen uns dabei, unsere Psyche besser zu verstehen. Es gibt also nicht bloß Pessimisten und Optimisten auf dieser Welt. Wie so oft gilt auch hier: Kein Extrem ist optimal. Wir müssen sowohl negative, als auch positive Gefühle zulassen, denn unser Gefühlszustand ist keine Konstante sondern eine Achterbahnfahrt.

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