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Erster Corona-Impfstoff aus Russland sorgt für Kritik

In Russland wurde der erste Corona-Impfstoff "Sputnik V" bekanntgegeben. Mediziner und Experten sehen die Vakzine jedoch kritisch.

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Impfstoff Russland
juststock / iStock

"Sputnik V": So lautet der Name des ersten Impfstoffes gegen das Coronavirus, dessen Zulassung in Russland Präsident Wladimir Putin bekanntgegeben hat. Russland ist damit das erste Land der Welt, das nach eigenen Angaben einen wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 entwickelt hat. Mehrere internationale Mediziner und Experten äußern jedoch ihre Bedenken dazu. Rund 20 Länder haben bereits Interesse an Russlands Corona-Vakzine bekundet.

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Einwohner Russlands sollen ab Jänner 2021 geimpft werden

"Ich weiß, dass sie wirksam ist, dass sie dauerhafte Immunität gibt", fügte Putin hinzu. Die Bevölkerung soll bereits ab Jänner mit dem neuen Stoff geimpft werden, wie russische Agenturen berichteten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagierte jedoch zurückhaltend auf die Ankündigung.

Sie kündigte an, alle Daten über die "Sicherheit und Wirksamkeit" des russischen Impfstoffs genau zu überprüfen, bevor sie ihr grünes Licht geben werde. Laut dem russischen Investmentfonds, der das Projekt mitfinanziert, wird der Impfstoff nach dem sowjetischen Sputnik-Satelliten benannt, der im Oktober 1957 als erster Satellit weltweit in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht wurde.

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Putin ließ Töchter impfen 

Bei "Sputnik V" handelt es sich um einen Impfstoff, der am Gamaleja-Institut für Epidemiologie in Moskau gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff – das bedeutet, er stützt sich auf ein für den Menschen ungefährliches Virus, das dann so verändert wird, dass es eine Infektion mit dem Coronavirus verhindert. Als Vektorvirus genutzt wird das Adenovirus, mit dem auch die Universität von Oxford arbeitet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sorgt die zweimalige Impfung mit dem Stoff für eine "lange Immunität". Diese könnte demnach bis zu zwei Jahre anhalten.  Putin berichtete, dass sich auch eine seiner Töchter im Rahmen der Tests mit dem neuen Stoff habe impfen lassen. Sie habe eine leicht erhöhte Temperatur entwickelt, "das war alles", sagte er. Am wichtigsten sei es aber, dass "wir in der Zukunft die völlige Sicherheit der Impfung garantieren können", fügte der Kremlchef hinzu.

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Kritik von Experten

Wiener Vakzinologin Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien sieht den Impfstoff kritisch: "Es gibt über das Projekt bisher keine genauen und verfügbaren Informationen. Daher kann ich dazu nichts sagen. Zulassung nach einer Phase-II? Das ist offenbar wirklich nur in Russland möglich. Zum Glück und richtigerweise undenkbar ohne Phase-III für unsere Breiten!"

  • Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Zulassung des Impfstoffs zur breiten Verwendung in der Bevölkerung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien bekanntgegeben.
  • Dies widerspricht dem international üblichen Ablauf. Weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen lassen sich derzeit fundiert beurteilen.

Der Präsident der deutschen Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, erklärte, es sei ein "hochriskantes Experiment am Menschen", wenn ein Impfstoff wie der in Russland ohne entscheidende dritte Testphase zugelassen werde. "Es ist unverantwortlich, ganze Bevölkerungsgruppen bereits in diesem Stadium der Entwicklung zu impfen", sagte er der "Rheinischen Post".

Auch US-Mediziner warnen: "Aktuell würde ich mir den (Impfstoff; Anm.) nicht verabreichen lassen. Ganz sicher nicht außerhalb einer klinischen Versuchsreihe", sagte Scott Gottlieb, der frühere Chef der US-Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel-Sicherheit (FDA), im US-Fernsehen.

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Erste Länder haben Interesse an russischem Corona-Impfstoff

Nach russischen Angaben haben schon mehr als 20 Länder ihr Interesse an dem Impfstoff angekündigt, darunter die Arabischen Emirate, Brasilien, die Philippinen und Israel. Die Impfung soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein.

Es gebe darüber hinaus auch Interesse, an der dritten und damit entscheidenden Testphase für eine mögliche Zulassung teilzunehmen. Die neue Testphase sollte mit der Zulassung des Impfstoffes beginnen. Russland habe bereits internationale Anfragen über eine Milliarde Dosen erhalten. 

Zehntausende Freiwillige sollen demnach innerhalb eines Monats geimpft werden. Massenimpfungen in der Bevölkerung seien dann für den Herbst geplant, hieß es. Zugleich schaltete der Fonds zu seinem Impfstoff eine eigene Internetseite mit Informationen frei – in insgesamt sieben Sprachen. (Apa Science / Red)

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