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Coronavirus: Forscher kritisieren "Laborthese"

Zahlreiche Wissenschafter haben sich gegen die Aussagen von der chinesischen Virologin Li-Meng Yan gestellt. Sie sind nicht der Meinung, dass das Coronavirus in einem Labor erzeugt wurde.

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Coronavirus Laborthese
Nastasic / iStock

Die chinesische Virologin Li-Meng Yan behauptet, dass das Coronavirus in einem Labor gezüchtet und absichtlich freigesetzt wurde. Auch auf Social Media wird die These immer häufiger diskutiert und geglaubt. Doch könnte das Coronavirus tatsächlich in einem Labor hergestellt worden sein?

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Experten widersprechen der "Laborthese"

"Es wurden Daten einseitig interpretiert. Alles, was gegen ihre Hypothese spricht, wurde einfach nicht berücksichtigt“, sagte etwa Friedemann Weber, Virologe an der "Universität Gießen". Yan hatte ihre These Mitte September auf einem Server für sogenannte Preprints, Arbeiten, die noch nicht von anderen Experten begutachtet wurden oder in einem Fachjournal veröffentlicht wurden, hochgeladen. "Was da drin steht, hält einem wissenschaftlichen Gutachtertum nicht stand", kommentierte Weber. Auch der Virologe Stephan Ludwig der "Wilhelms-Universität Münster" sieht in Yans Essay eine "Vermischung aus Daten und Vermutungen". Er verweist dabei auf eine Studie, die bestätigt, dass das Coronavirus nicht künstlich hergestellt wurde. "Wenn man so ein Virus absichtlich konstruieren wollte, würde es anders aussehen", erklärt Friedemann Weber.

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Würde China sich selbst schaden?

Auch der Berliner Virologe Christian Drosten verweist darauf, dass es sich bei dem Virus um keine Kreation aus dem Labor handeln kann. Dies bestätigt auch eine bestimmte Spaltstelle in einem Oberflächenprotein des Virus: "Wir wiederholen hier eine Diskussion, die wir um die Influenza auch schon geführt haben." Es ist also schon seit vielen Jahren bekannt, dass solche Erreger in der Natur entstehen – unter Selektionsdruck, weil es dem Virus etwas nützt, erklärt der Experte in seinem Podcast.

Der deutsche Virologe Fank Hufert von der "Medizinischen Hochschule Brandenburg" gibt bei Yans Aussage, dass China absichtlich das Coronavirus verbreitet hätte, noch einen weiteren Aspekt zu bedenken: "Es gibt für diese Krankheit auch in China keinen Impfstoff und keine Therapie." So erklärt er weiter: "Ich sehe keinen Grund, warum man einen Ausbruch im eigenen Land starten und damit Menschen und Wirtschaft gefährden sollte."

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"WHO"-Team untersucht Unklarheiten in China

Zahlreiche Forscher aus England, den USA und Frankreich kritisieren den Beitrag der chinesischen Wissenschafterin. Auch Faktenchecker fanden keinen Beleg dafür, dass die Behauptung wahr sein könnte. Sogar die US-Geheimdienste verkündeten im April, dass sie nicht der Meinung sind, dass das Virus nicht künstlich hergestellt wurde. Es ist weiterhin unklar, wo der Ursprung von Sars-CoV-2 nun tatsächlich liegt. Zwar ist bekannt, dass es von Tieren auf den Menschen übersprang, bis dato ist jedoch nicht geklärt um welche Tierart genau es sich handelt. Wie Michael Ryan von der "Weltgesundheitsorganisation (WHO)" Anfang August erklärte, kommt nicht nur Wuhan als erster Verbreitungsort des Virus infrage. Ein internationales Team, welches von der "WHO" geführt wird, soll diesen ungeklärten Aspekten nun nachgehen.

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