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Die "Corona kam aus Wuhan-Labor"-Theorie im Faktencheck

Ein Hamburger Professor ist sich sicher: Corona kam aus einem Labor in Wuhan. Doch was taugt diese These? Wir machen den Check!

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chinaphotographer / iStock

"Hamburger Professor sicher: Corona kam doch aus Labor in Wuhan!" Diese Story der deutschen Tageszeitung "Bild" schlug hohe Wellen. Der Mann, der dies behauptet, hört auf den Namen Roland Wiesendanger und ist ein hoch dekorierter Physiker – aber hat er auch mit der Labor-Theorie recht?

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Keine Fledermäuse am Markt in Wuhan?

Wirklich neue Fakten bleibt Wiesendanger in seiner Arbeit ausständig. Vielmehr hat er bisherige Erkenntnisse zusammengefasst und kommentiert. Wie viele Anhänger der "Labor-Theorie", merkt auch der 59-jährige Nanowissenschafter an, dass es bis dato nicht gelungen ist, den tierischen Zwischenwirt auszumachen, der für die Übertragung des SARS-CoV-2-Erregers auf den Menschen sorgte. Wiesendanger hält zudem fest, dass dies in der Vergangenheit bei Erregern wie MERS oder SARS noch recht schnell gelang.

Zudem werden seinen Erkenntnissen nach die "Tatverdächtigen" in Sachen Übertragung, nämlich Fledermäuse, gar nicht auf dem Markt in der chinesischen Millionen-Metropole angeboten. Was es in Wuhan, genauer gesagt am Institut für Virologie, allerdings geben soll: eine der weltweit größten Sammlungen von Fledermauserregern.

Der Faktencheck: Der tierische Zwischenwirt ist nach wie vor unbekannt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wies aber bereits bei ihren Nachforschungen vor Ort darauf hin, dass auch Schuppentiere als Zwischenwirte in Frage kommen. Und dazu zählende Tiere wie zum Beispiel ein Sonnendachs, die auf dem Markt in Wuhan sehr wohl angeboten werden.

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Warum passt sich SARS-CoV-2 so rasch & gut an Menschen an?

Und genau an diesem Institut in Wuhan hat laut Wiesendranger eine Forschungsgruppe jahrelang gentechnische Manipulationen an Coronaviren vorgenommen. Der Hamburger hat noch zwei weitere vermeintliche Argumente für einen nichtnatürlichen Ursprung des SARS-CoV-2-Erregers parat: Die erstaunlich gut ausgeprägte Fähigkeit des Virus, sich an menschliche Zellrezeptoren anzukoppeln und die Hinweise, dass eine junge Wissenschafterin des Instituts in Wuhan als Erste infiziert war und von den Behörden bereits im Oktober 2019 untersucht wurde.

Der Faktencheck: Dass das Virologische Institut in Wuhan intensiv an Coronaviren forscht, bestätigte auch die WHO. Einen Zusammenhang mit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 konnten die Forscher aber auch vor Ort nicht ausmachen. Bei seiner Feststellung, dass sich das Virus zu verdächtig gut an menschliche Zellrezeptoren anknüpfen kann, stützt sich Wiesendranger auf einen Aufsatz der chinesischen Li-Meng Yan. Doch die Arbeit der Wissenschafterin, die in die USA geflüchtet ist, hält wissenschaftlichen Kriterien nicht Stand. In der Fachwelt wurde sie dafür bereits heftig kritisiert.

"Labor-Theorie" bleibt weiterhin nur eine Theorie

Fazit: "Die Hinweise zum Virus selbst und zahlreiche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zeigen, dass Corona ein Laborunfall war", behauptet Wiesendranger. Beweise bleibt er allerdings ausständig. Eine Bestätigung, dass Corona aus dem Labor in Wuhan kam, kann auch er nicht liefern.

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