News

"Entitlement Gap": Frauen fühlen sich im Job immer noch unberechtigt Leistungen einzufordern

"Sei brav und lieb"! So zumindest das alte Rollenbild der Frau. Warum dieser Glaubenssatz Frauen im Job blockiert und den "Entitlement Gap" vergrößert, liest du hier.

  • Drucken
Prostock-Studio / iStock

Die Lohnschere zwischen Frauen und Männern ist weiterhin groß: In Österreich betrug der Gehaltsunterschied zuletzt 15,2%, in Deutschland sogar 18%. Die Gründe dafür sind vielseitig: Allen voran, weil Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit immer noch Frauensache ist und ebenso wegen geschlechtsspezifischer Gehaltsunterschiede. Letzteres könnte (unter anderem) auf den "Entitlement Gap" zurückzuführen sein. Denn wie eine Studie des Berufsnetzwerks LinkedIn zeigt, haben 41% der befragten Frauen noch nie ihr Gehalt verhandelt. Was hinter dem Phänomen steckt und warum es der Gleichberechtigung im Wege steht, erfährst du hier. 

Mehr dazu: Frauen & der erste Schritt beim Daten: Warte nicht, handle!

"Entitlement Gap": Über Geld spricht Frau nicht

Das Marktforschungsinstitut Cenuswide hat im Auftrag von LinkedIn zwischen 5. und 18. Februar 2021 über 2000 deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer untersucht, wobei der Altersrahmen von 25 bis 55 Jahre reichte. Konkret wurde das Thema Gehalt und Weiterentwicklung im Job näher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis:

  • 41% der Frauen haben noch nie ihr Gehalt verhandelt. Im Vergleich dazu beträgt der Wert bei Männern nur 26%. Konkret fühlen sich 32% der Frauen "unwohl" und 20% "peinlich berührt" in Gehaltsverhandlungen.
  • Gegenüber Männern (23%) sind Frauen (37%) unsicherer bezüglich der Regeln in einer Gehaltsverhandlung. Dabei zeigt die Untersuchung, dass weibliche Angestellte trotz Qualifikationen deutlich weniger einfordern, wenn es um faire und gerechte Entlohnung geht.

Diese "Anspruchslosigkeit" wird durch den "Entitlement Gap" (z.D. Anspruchslücke) sichtbar: Sechs von zehn Frauen sind der Ansicht, dass es verschiedene Situationen im Berufsleben gibt, in denen weibliche Personen das Gefühl haben, sie seien weniger berechtigt Leistung einzufordern. 43% der befragten Arbeitnehmerinnen gaben an, dass sie dieses "Unentitled Mindset" bei sich selbst oder Kolleginnen beobachtet haben. Dadurch verzichten sie auf eine angemessene Gegenleistung und stecken aufgrund ihrer Verunsicherung eher zurück. Den Grund dafür sehen Experten in weiblichen Geschlechterstereotype: Während Männer seit jeher als Inbegriff für unsere Leistungsgesellschaft gelten und sie Durchsetzungsvermögen in die Wiege gelegt bekommen, finden Frauen sich oftmals noch in der traditionellen Rolle des braven Mädchens wieder. Doch selbst, wenn das Gegenteil der Fall ist, wird selbstbewusstes Auftreten bei Frauen oftmals als Arroganz abgetan.

Mehr dazu: Was bedeutet eigentlich "Mansplaining"?

Ehrgeizig & unabhängig: So emanzipieren sich Frauen im Job

Doch Frauen von heute möchten sich sehr wohl aus der Abhängigkeit befreien und sind stolz auf ihren Ehrgeiz. So zeigt sich, dass Frauen (74%) und Männer (76%)  zumindest in diesem Punkt bei der Gleichberechtigung angekommen sind. Auch "The Female Lead", Partner von LinkedIn, haben sich infolgedessen mit dem Thema "Entitlement Gap" beschäftigt. Unter der Leitung von Psychologin Dr. Terri Apter (Universität Cambridge) wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten 70 Tiefeninterviews geführt, auf welchen der Report "Women at Work" basiert.

Freundlich, qualifiziert, ehrgeizig und unterbezahlt: Wenngleich sich zielstrebige Frauen immer noch gehemmt fühlen für ihre Leistung einzustehen, konnten sich weibliche Arbeitnehmerinnen ein Stück weit von rückwärtsgewandten Geschlechterrollen lösen. So schrecken Frauen bei angemessenen Arbeitsbedingungen keineswegs vor Risiken zurück. Ebenso haben sie kein Problem damit, mehr als ihr männlicher Lebenspartner zu verdienen. Im Video erfährst du noch weitere Mythen, die nicht mehr dem Bild der heutigen Frau entsprechen.

Mehr dazu: Equal Pension Day: 42% weniger Pension für Frauen

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.