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Indische Firma gibt Frauen "Periodenurlaub": Ungleiche Rechte, ungleiche Chancen?

#PeriodLeave: Auf Social Media löste der zusätzliche "Menstruationsurlaub" einer indischen Firma eine hitzige Diskussion aus.

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Menstruationsurlaub in Indien
Deagreez / iStock

Bis heute ist die Periode ein Tabu-Thema, weshalb Frauen versuchen ihre Bauchkrämpfe und Schmerzen in der Gesellschaft zu unterdrücken. Und während Mädchen vor allem im asiatischen Raum als unrein gelten, wenn sie bluten, entschließt sich ein indischer Lieferdienst für bezahlten Menstruationsurlaub. Die Ankündigung des Firmenchefs löste eine Debatte in den sozialen Netzwerken aus, wobei die Meinungen unter dem Hashtag #PeriodLeave stark auseinander gehen. Ist es nun ein gutes Recht für menstruierende Frauen oder eine Benachteiligung im Job? Lies' hier alle Details.

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Period-Shaming: Wenn Schmerzen bestraft werden

Die einen haben Glück und kommen mit leichten Schmerzen davon, andere Frauen hingegen sind von überwältigenden Bauchkrämpfen betroffen. Und als ob das nicht schon genug wäre, wird die Menstruation in vielen Religionen und Ländern bis heute verteufelt, Mädchen werden als unrein und schmutzig angesehen. Was das für indische Frauen konkret bedeutet? Kein Trinkwasser, keinen Spiegel, kein Betreten des Tempels. Bei strengen Familien werden Mädchen während ihrer Periode sogar in unbeheizte Menstruationshütten abgeschoben, um sie von der Außenwelt völlig abzuschneiden.

Wenngleich man hierzulande keineswegs von derart schlimmen Zuständen betroffen ist, bleibt die Periode auch in entwickelten Ländern leider ein Tabu-Thema. Den Tampon im Ärmel verstecken, damit die männliche Belegschaft nicht bemerkt, dass man gerade menstruiert? Kennt so gut wie jede Frau. Ebenso tendieren viele Beschäftigte auch dazu, lieber einen Schnupfen als Krankmeldungsgrund anzugeben, obwohl sie eigentlich mit Höllenqualen im Bett liegen.

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Menstruationsurlaub bei indischer Firma

Ein indischer Essenslieferdienst will dem nun ein Ende bereiten. Bei starken Menstruationsschmerzen können sich Arbeitnehmerinnen von nun an nämlich frei nehmen, wobei ihnen im Jahr 10 zusätzliche Urlaubstage zur Verfügung stehen.

Der Chef des Unternehmens wandte sich mit folgenden Worten an seine Mitarbeiterinnen: "Wie oft mussten Sie schon eine Nachricht an Ihr Team senden, in der Sie sagten: 'Mir geht es heute nicht gut – nehme mir den Tag frei' und besorgte Fragen zu Ihrer Gesundheit mit einer schwachen 'Magenverstimmung/Schwäche usw.' beantworten, obwohl Sie eigentlich sagen wollten: 'Ich habe meine Periode, schreckliche Krämpfe – brauche ein Heizkissen, etwas Schokolade und viel grünen Tee (oder etwas Stärkeres), also nehme ich mir den Tag frei'? Man sollte Menschen in internen Gruppen oder E-Mails einfach sagen können, dass man gerade einen Tag Periodenurlaub nimmt." Pro Zyklus können sich Frauen und Transgender demnach einen Tag frei nehmen. Auch in anderen Ländern wie Indonesien, Japan, Südkorea ist der Menstruationsurlaub bereits teils Realität.

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#PeriodLeave: Gutes Recht oder Nachteil für Frauen?

In den sozialen Netzwerken löst der "Periodenurlaub" nun eine hitzige Debatte aus. Unter dem Hashtag #PeriodLeave teilen Frauen, aber auch Männer, ihr Statement zur neuen Arbeitsbestimmung während der Monatsblutung. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander.

Viele User sehen mit der Menstruationsfreistellung eine Gefahr für die beruflichen Chancen von Frauen. So befürchtet man, dass das zusätzliche Fernbleiben vom Unternehmen Frauen im Job (noch mehr) benachteiligen könnte. Auch die indische Journalistin der "Washington Post" Barkha Dutt spricht sich gegen eine derartige Regelung aus: "Wir können nicht der Infanterie beitreten, über Krieg berichten, Kampfflugzeuge fliegen, in den Weltraum gehen, keinen Exzeptionalismus und Periodenurlaub wollen." Dabei stieß die Journalistin auch in männlichen Kreisen auf Widerspruch:

Doch ebenso viele Frauen und Männer sehen im Menstruationsurlaub ein wichtiges Anliegen. So auch Angellica Aribam: Sie empfindet den "Periodenurlaub" als legitimes Recht. Ebenso "wie viele mal gegen Mutterschutzurlaub protestiert hatten", wird nach der Userin auch der "Periodenurlaub" eines Tages von der Gesellschaft akzeptiert werden.

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Menstruationsbedingter Kompromiss

Eine Umfrage des Job-Portals Karriere.at zeigt, dass sich 39% der 318 beteiligten Arbeitnehmer dieser Meinung anschließen. Knapp 50% der 105 Unternehmensvertreter sagen zudem, dass es "das gute Recht von Frauen ist, menstruationsbedingt zusätzliche Freizeit zu erhalten".

Ob der Menstruationsurlaub nun tatsächlich zum Karriereaus der weiblichen Belegschaft führen könnte oder ob er eines Tages als normal angesehen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Fakt ist, dass viele Frauen jeden Monat von starken Schmerzen betroffen sind und sich mit Krämpfen durch den Tag schleppen müssen. Zahlreiche Befürworter schlagen deshalb zumindest Homeoffice-Tage als Kompromiss vor, wenn Frauen von starken Menstruationsschmerzen betroffen sind.

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