News

Nach Hamsterkäufen: Mediziner raten von Asthmasprays gegen Covid-19 ab

Eine Studie, dass Asthmasprays vor schweren Covid-Verläufen schützen sollen, löste Hamsterkäufe aus. Mediziner raten aber dringend davon ab.

  • Drucken
etienne voss / iStock

In Österreich haben Menschen Asthmasprays gehamstert, die laut einer britischen Studie Covid-19-Erkrankungen lindern könnten, sodass Asthmapatienten diese wichtigen Medikamente teils nicht mehr in den Apotheken bekamen. Die diese Hamsterkäufe auslösende Studie wurde aber so mangelhaft mit wenigen Versuchspersonen durchgeführt, dass man derzeit keine Asthmaspray-Inhaltsstoffe bei Covid-19-Erkrankungen empfehlen kann, erklärten österreichische und deutsche Lungenmediziner.

Mehr dazu: Asthmaspray soll laut Studie vor schwerem Covid-Verlauf schützen

Obwohl Asthmapatienten zunächst zu den Covid-19 Risikogruppen gezählt wurden, weil sie bei anderen Virusinfektionen oft stark betroffen sind, zeigte sich in Untersuchungen, dass sie kein erhöhtes Krankheitsrisiko haben und vielleicht sogar besser vor dem Virus geschützt sind, als andere Menschen, erklärt Marek Lommatzsch vom Zentrum für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock.

Die Autoren der in der Fachzeitschrift "Lancet Respiratory Medicine" veröffentlichten "STOIC" (Steroids in Covid-19) Studie wollten testen, ob dies an den Inhaltsstoffen der Asthmasprays (inhalative Glukokortikoide) liegt, die jene Patienten regelmäßig nehmen. Sie kamen zu dem Schluss, dass diese entzündungshemmenden Wirkstoffe wohl gegen Covid-19 helfen, wenn man sie gleich nach dem Auftreten der ersten Symptome eine Woche lang inhaliert.

"Studiendesign hat große Probleme"

"Das Studiendesign hat aber große Probleme", weiß Marco Idzko von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der Medizinischen Universität Wien. Die Forscher schlossen zum Beispiel den Placeboeffekt nicht aus, dass Patienten sich besser fühlen, obwohl sie bloß ein Scheinmedikament erhalten. Die Ärzte überreichten ihnen den Asthmaspray mit der Erklärung, dass man davon ausgehen könne, dass er ihnen hilft. Die anderen bekamen nichts und mussten darauf hoffen, dass es ihnen nicht sehr schlecht geht. Solch ein Vorgehen würde die Ergebnisse "wahnsinnig verzerren", so der Mediziner.

Als wichtigste Verbesserung wurde in der Publikation beschrieben, dass die Patienten mit dem Asthmaspray weniger oft die Rettung riefen, in die Notaufnahme kamen oder den Hausarzt besuchten. Dies wäre eine subjektiv getroffene Entscheidung, die sich sehr nach dem persönlichen Befinden richtet. "Der Großteil der Krankenhaus- und Arztbesuche hing auch gar nicht mit Covid-19 zusammen", sagte Idzko.

Ein Proband hätte zum Beispiel mit einer Rippenprellung medizinische Versorgung in Anspruch genommen, ein anderer wegen Diabetes-Problemen, und ein weiterer wegen akutem Nierenversagen. Bei allen medizinisch nachweisbaren, aussagekräftigen Dingen wie der Viruslast im Körper und der Sauerstoffsättigung im Blut, die bei Atemnot durch eine Covid-19 Erkrankung sinkt, hätte es keine Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne Asthmaspray gegeben, erklärte er. Zudem war die Zahl der Versuchspersonen mit 73 Patienten in der behandelten Gruppe und ebenso vielen in der Kontrollgruppe sehr niedrig.

Mehr dazu: Experte warnt! So stark kann Covid das Nervensystem schädigen

"Kein einziger klarer Hinweis"

"Es gibt also keinen einzigen klaren Hinweis, dass die Behandlung mit Asthmasprays etwas gebracht hat, und dass sie mittlere oder schwere Verläufe reduziert", so Idzko. "Zum aktuellen Zeitpunkt wäre es demnach alles andere als seriös, eine Therapieempfehlung dafür abzugeben". Es bräuchte größere Studien, die den Placeboeffekt ausschließen (verblindete Studien), um zu sehen, ob unterschiedliche Dosierungen dieser Wirkstoffe einen positiven Effekt zur Behandlung von Covid-19 haben könnten. Die Chancen scheinen aber nicht sehr hoch, denn die Zwischenergebnisse einer Folgestudie zeigen keinen Effekt.

Idzko appellierte daher an seine Kollegen, bei Covid-19 keine inhalativen Glukokortikoide zu verschreiben. Erstens könnte die hohe Dosierung, die in der Studie verwendet wurde, Nebenwirkungen mit sich bringen. Zweitens käme es zu einer Verknappung der Medikamente für die Asthmapatienten. "In Österreich war dies unmittelbar zu beobachten", sagte er. Nachdem in den Medien breit über die Studie berichtet wurde, klagten niedergelassene Ärzte, dass ihre Asthmapatienten keine Sprays mehr in den Apotheken bekamen. "Rückfrage bei Firmen ergab, dass es tatsächlich vermehrte Offlabelverschreibungen (Anm.: Verschreibungen abseits der eigentlichen Anwendung gegen Asthma) gab, und das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) in Österreich hat daraufhin sogar ein Exportverbot für inhalative Glukokortikoride ausgesprochen", erklärte der Mediziner. (APA Science/Red.)

Mehr dazu: Studie gibt Hoffnung! Geimpften steht wieder normales Leben bevor

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.