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Talkum in Baby- und Körperpuder: Ist der Inhaltsstoff krebserregend?

Seit Jahren steht der Inhaltsstoff "Talkum" in Baby- und Körperpuder in Kritik: Wie gefährlich ist die Anwendung?

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Babypuder krebserregend
ThitareeSarmkasat / istock

Im Zusammenhang mit Babypuder wird ein erhöhtes Risiko für Krebs- und Lungenerkrankungen diskutiert. Verantwortlich dafür soll das enthaltene "Talkum" sein, wobei davon auch Körperpuder betroffen sein kann. Gerade im Genitalbereich und in Bezug auf die Atemwege steht der Mineralstoff in der Kritik. Wie gefährlich ist Babypuder tatsächlich für den Nachwuchs und ist die Verwendung überhaupt notwendig?

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Was ist Talkum?

Bei Talkum handelt es sich um zerriebenes Mineral, was die pulvrige Konsistenz erklärt. Als Produktbezeichnung wird Talk, Talkum, Talc oder Talcum verwendet, wobei es der Hauptbestandteil von Baby- und Körperpuder ist. Zahlreiche Klagen und diverse Studien werfen seit Jahren die Frage auf, ob jener Inhaltsstoff nun krebserregend sei. Besonders Frauen verwenden Talkum gerne in Form von Körperpuder für die Intimpflege. Durch die Anwendung werden Hautstellen weicher und die Schweißbildung wird gehemmt.

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Ist Talk in Baby- und Körperpuder gefährlich?

Erst 2017 gewann die Tochter einer Eierstockkrebs-Erkrankten einen Fall gegen den Pharmagiganten Johnson&Johnson. Ihre Mutter benutzte fast 35 Jahre ein talkumhaltiges Babypuder und führte ihre Erkrankung auf den angeblich krebserregenden Inhaltsstoff "Talkum" zurück. Talkpartikel sind nach Forschungen nämlich in der Lage, in den Körper einzudringen, und können sich in weiterer Folge in der Schleimhaut der Eierstöcke einlagern.

Im Jahr 2006 entschied sich die Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) deshalb dazu, Talkum als "möglicherweise krebserregend" einzustufen. Mithilfe von 50 anderen Frauen, die Ähnliches erlebt haben, verurteilte der Richter Johnson&Johnson zu 72 Millionen Dollar Schadensersatz.

Auch der Unfall einer Zweijährigen, welche mit einer Puderdose spielte und den Inhalt schließlich einatmete, ließ Experten Alarm schlagen. Das Mädchen musste daraufhin mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen, da das Eindringen der Talkpartikel in die Atemwege zu schweren Lungenschäden führen kann.

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Gesundheitlichen Risiken umstritten

Dennoch ist die Sachlage bis dato umstritten, wie die Projektleiterin für Chemie und Kosmetik beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), Birgit Schiller gegenüber dem ORF bestätigt: "Es gibt Studien, die keinen Zusammenhang sehen und es gibt Studien, die sagen, dass durch die häufige Anwendung von Talk vor allem im Genitalbereich ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Eierstockkrebs vorliegt."

Bei der Aufbewahrung der Puderdosen müssen Eltern besonders Acht geben, da es bislang keine kindersicheren Verschlüsse der Dosen gibt. "Gefährlich ist Talk, wenn man ihn einatmet, vor allem in großen Mengen", so Birgit Schiller weiter.

  • Fakt ist, dass die Nutzung von Babypuder keinen medizinischen Mehrwert hat.
  • Ebenso gut eignen sich spezielle Wundcremes für Babys und Kleinkinder.
  • Und wenngleich stichfeste Hinweise noch ausstehen, empfiehlt es sich, zumindest auf Puder ohne Talkum umzusteigen, um mögliche gesundheitliche Folgen zu vermeiden.

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