Psychische Gesundheit

Depressionen steigen, aber: Suizide sanken in Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie belastet die Psyche von Jugendlichen sehr stark. Erfreulich ist aber, dass die Zahl der Suizide dennoch weiter sinkt.

  • Drucken
ArtistGNDphotography / iStock

Die Suizide während der seit März 2020 andauernden Covid-19-Pandemie sanken
in Österreich um vier Prozent – damit wurde der Trend von vor 2019 bestätigt. Eine internationale Studie zeigt nun, dass diese Entwicklung ähnlich zu den Trends der Suizide international in der ersten Phase der Corona-Pandemie bis Ende Oktober ist.

Mehr dazu: Was tun, wenn Depressionen übermächtig werden? 

"Mittlerweile liegen auch Zahlen von Statistik Austria zum gesamten Jahr 2020 vor, diese unterstreichen die Studienergebnisse", sagt Thomas Niederkrotenthaler vom Zentrum für Public Health (Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin), der gemeinsam mit Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, seitens der MedUni Wien beteiligt war. Insgesamt waren rund 70 Wissenschafter in 21 Ländern involviert. Im Durchschnitt sind die gezeigten Trends in allen untersuchten Ländern ähnlich.

Forscher warnen vor "Ermüdungseffekten"

Dass die Suizidrate trotz der Krise und den steigenden psychischen Belastungen – so wurden steigende Zahlen u.a. bei Depressivität oder Angstzuständen festgestellt – nicht gestiegen ist, führen die Experten auf rasche soziale, gesundheitsfördernde und andere unterstützende Maßnahmen zurück. Dazu gehören in Österreich z.B. die Möglichkeit, sich als Erwachsener eine psychotherapeutische Behandlung auf Krankenschein verschreiben zu lassen und online abzuhalten, Ausbau von telefonischer Krisenintervention, gezielte Förderungsprogramme am Arbeitsmarkt sowie Solidarisierungseffekte wie Nachbarschaftshilfe in der Bevölkerung.

Jetzt seien aber, so Niederkrotenthaler, "Ermüdungseffekte" in der Gesellschaft zu bemerken. Diese müssen man wachsam beobachten, "damit die hohen psychische Belastungen weder jetzt, noch dann, wenn die Pandemie abklingt, auf die Suizide durchschlagen." Daher müsse man schon jetzt langfristige Unterstützungsprogramme implementieren, etwa am Arbeitsmarkt und auch gesundheitsfördernden Maßnahmen. So seien insbesondere Menschen in den Gesundheitsberufen, Menschen mit psychischen Erkrankungen und sozial marginalisierte Gruppen sowie Schüler und Studierende derzeit stark belastet. Und das macht langfristige Unterstützungsangebote notwendig.

15- bis 25-Jährige am stärksten psychisch belastet

Was Kinder und Jugendliche angeht, betont Plener, dass sich in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen weltweit und auch in Österreich die höchste Rate an psychischen Belastungen in der Pandemie zeigt. Deshalb legen Experten hier ein besonderes Augenmerk auf den Ausbau der psychosozialen Versorgung. "Kinder und Jugendliche können auch nicht unabhängig von den Familien, in denen sie aufwachsen betrachtet werden. So sind steigende Raten an Arbeitslosigkeit oder Suchterkrankungen bei Erwachsenen, immer auch ein Phänomen, das sich in Familien auf die psychische Gesundheit der Kinder auswirkt", betont der Experte.

Mehr dazu: So stark setzt Corona der Psyche von Jugendlichen zu 

 

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.