Psychische Gesundheit

Experten-Interview: Herbstblues – Raus aus dem Stimmungstief!

Der Herbstblues ist für viele ein bekannter Begleiter in den kalten Monaten, Doch wann sollte man einen Arzt aufsuchen? Prof. Dr. Dietmar Winkler, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Wien klärt über Depressionen und Herbstblues auf!

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gesundheitstrends.com: Wie wird die Herbst-Winter-Depression behandelt?
Prof. Winkler: Zur Behandlung der Herbst-Winter-Depression ist die Lichttherapie die Behandlung der ersten Wahl. Zusätzlich können antidepressive Medikamente und eine störungsspezifische Verhaltens­therapie zum Einsatz kommen.

gesundheitstrends.com: Wie funktioniert eine Lichttherapie?
Prof. Winkler: Bei der Lichttherapie kommen ­spezielle Lampen (sogenannte Tageslichtlampen) zum Einsatz, die helles, weißes, sichtbares Licht ohne UV-Anteil ausstrahlen. Empfohlen ist eine Beleuchtungsstärke von 10.000 Lux in einem Abstand von ca. 60–80 cm zum Körper. Die Lichttherapie wird zu Hause täglich für 30–60 Minuten durchgeführt. Ein großer Vorteil der Lichttherapie ist, dass man diese mit anderen Tätigkeiten kombinieren kann, beispielsweise mit dem Frühstück, Lesen oder Büroarbeiten. Die Behandlung sollte vor allem in der Früh erfolgen, da bekannt ist, dass sie morgens besser wirkt als abends. Sollte die Lichttherapie keine Wirkung ­zeigen, kann eine Behandlung mit Antidepressiva oder anderen Medikamenten erfolgen.

gesundheitstrends.com: Spielt die Ernährung bei der Behandlung eine Rolle?
Prof. Winkler: Bei Depressionen hat sich eine mediterrane Kost als günstig herausgestellt. Greifen Sie vermehrt zu Gemüse und Obst, Getreideprodukten wie Nudeln, Reis und Kartoffeln, Fisch und Knoblauch. Die Ernährung sollte reich an Omega-3-Fettsäuren – vor allem EPA und DHA – sein.

gesundheitstrends.com: Was kann man tun, wenn die "schlechten Tage" nicht vor­übergehen, wenn man also an sich selbst depressive ­Symptome bemerkt?
Prof. Winkler: Menschen, die depressive Symptome an sich bemerken, sollten auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Die erste Anlaufstelle kann auch der Hausarzt sein, der den Patienten, falls notwendig, an einen Spezialisten oder eine spezialisierte Ambulanz überweisen kann.

gesundheitstrends.com: "Reiß dich zusammen – ich mag den Herbst auch nicht!" – Was antwortet man auf solche Aussagen am besten?

Prof. Winkler: Solche Sätze sind ein absolutes "No-Go". Sie funktionieren bei Depressionen nicht, da eines der Kernsymptome der Depression die Antriebs­störung ist, also eine Störung der Motivation und Willensbildung, die zur Handlungsbereitschaft führt.

Solche Aussagen helfen Betroffenen überhaupt nicht. Besser ist es, depressive Menschen zu den ­Aktivitäten zu motivieren, die sie noch schaffen, und sie bei den Aktivitäten zu unterstützen, die sie nicht mehr durchführen können. (SB)

Vielen Dank für das Gespräch!

Das sorgt für gute Laune im Herbst

  • Raus ins Freie! Spaziergänge und Sport an der frischen Luft tun gut – und zwar bei jedem Wetter. Bereits 30 Minuten täglich sind ausreichend, um der saisonalen Depression vorzubeugen.
  • Achte auf eine ausgewogene, vitaminreiche  Ernährung.
  • Gönn dir ab und zu ein Stück Schokolade – das hebt den Serotoninspiegel.
  • Lass deinen Vitamin-D-Spiegel überprüfen. Bei einem Mangel sollte Vitamin D supplementiert werden.

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