Psychische Gesundheit

Wie Spielzeug zur Verarbeitung sexueller Traumata beitragen kann

Personen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, leiden nicht nur unter körperlichen, sondern auch seelischen Folgen. Die Designerin Nienke Helder möchte mit Ihrer Kunst zur Heilung beitragen.

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Sexueller Missbrauch hinterlässt nicht nur auf dem Körper, sondern in der Seele Narben.
Adene Sanchez / iStock

Die niederländische Designerin Nienke Helder möchte mit ihrem "Sexual Healing"-Projekt Opfern von sexueller Gewalt dabei helfen, ihre Traumata zu überwinden. Dafür kreierte sie Spielzeuge, die es den Betroffenen erleichtern sollen, ihren Körper neu kennenzulernen.

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Heilendes Spielzeug

Den Ursprung für "Sexual Healing" fand Helder in ihren eigenen sexuellen Erfahrungen, die sie sehr stark prägten. Sie litt unter Schmerzen beim Sex und verkrampfte sich bei jedem Akt. Das gab der Künstlerin zu denken, weshalb sie es sich zur Aufgabe machte, das Schweigen zu sexuellem Missbrauch zu brechen und andere Betroffenen zu unterstützen, ein gesundes Verhältnis zu Sexualität wiederherzustellen. Dafür entwickelte sie mit medizinischen Experten und weiteren betroffenen Frauen vier verschiedene "Sexspielzeuge":

  • Spiegel: Der grüne Spiegel mit Griff soll es den Opfern erleichtern, ihre Vagina anzusehen. Wer seine Geschlechtsteile kennt, kann sich auch besser damit befassen. Die Betroffenen sollen mit dem Spiegel ihre Scheide wieder erkunden und lieben lernen.
  • Vibrationslöffel: Das dunkelrote Spielzeug mit einem länglichen Griff und ovalrunden "Kopf" soll dabei helfen die Penetration wieder angenehmer zu gestalten. Verspannen sich die Muskeln, fängt der Löffel zu vibrieren an.
  • Haarbürste: Die langen blonden Kunsthaare und der altrosa Griff können für Streichel- oder Kitzeleinheiten genützt werden. Das Designer-Stück hilft den Opfern dabei, sich an Berührungen zu gewöhnen. Laut Helder ist dies ihr Lieblingsobjekt, da es auch von einer anderen Person am Körper der Betroffenen genützt werden kann. So können beispielsweise auch Langzeitpartner in den Heilungsprozess involviert werden.
  • Bohnensensor: Dieses Modell sorgt dafür, dass Anwender während der "Selbstheilungs-Session" ruhig bleiben. Dabei wird der bohnen- oder wolkenförmige Silikonsensor auf den Bauch gelegt. Atmet der Betroffene während der Anwendung unruhig, dann reagiert der Sensor mit leichten Vibrationen und erinnert denjenigen daran sich zu entspannen.

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Traumatabewältigung aller Art

Die Designerin hofft mit ihren Objekten einen öffentlichen Diskurs über sexuellen Missbrauchs anzuregen. Helder möchte mit ihrer Kunst dazu beitragen, dass Betroffene ihr Liebesleben wieder genießen können, ohne dabei das körperliche Befinden vom psychischen Zustand trennen zu müssen.

Ihr Projekt richtet sich unter anderem auch an Personen, die traumatische medizinische Eingriffe oder schwierige Geburten hinter sich haben. Der Designerin ist klar, dass ihre Kunst nicht die Lösung für alle ist, doch sie ist sehr davon überzeugt, dass es vielen Betroffenen dabei helfen kann, über das Erlebte zu reden.

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Professionelle Hilfe & Beratungsstellen

Haben Sie, oder eine Person aus Ihrem Umfeld etwas Traumatisches erlebt oder sind Opfer von sexueller Gewalt geworden, dann vertrauen Sie sich einem Freund oder Familienangehörigen an. Ein Gespräch in einer Beratungsstelle sowie mit einem Experten kann ebenfalls sehr hilfreich sein:

  • Der Wiener Frauennotruf (01/71719) ist 24 Stunden erreichbar. Er ist kostenlos, vertraulich und anonym. Betroffene können hier telefonische Beratung und psychischen Beistand bei Gerichtsverfahren finden.
  • Die Frauen- und Familienberatungsstelle TAMAR bietet kostenlose Beratungen für sexuell missbrauchte Frauen, Mädchen und Kinder.

Mehr zum Thema auch auf netdoktor.at: Beratungsstellen für Missbrauch und Gewalt 

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