Psychische Gesundheit

Studie: Klatsch & Tratsch liegt uns in den Genen!

Jeder von uns hat schon einmal über seinen Chef, Erzfreind oder Nachbar gelästert. Doch warum tun wir das so gerne und was genau steckt dahinter?

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Studie bweist, deshalb tratschen wir so gerne
Deagreez / iStock

Egal ob es sich um das neue Auto des Chefs handelt oder um die schräge Frisur der unausstehlichen Nachbarin: Irgendwann lästert jeder von uns! Forscher der University of California haben sich das Phänomen des Klatsch und Tratsch genauer angesehen und Überraschendes herausgefunden.

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Klatsch und Tratsch ist nicht immer negativ

Bereits 1993 ergab eine Beobachtungsstudie  der University of Liverpool und dem University College London, dass 55% der männlichen und 67% der weiblichen Teilnehmer ihre Gesprächszeit für "die Diskussion gesellschaftlich relevanter Themen" nutzten. Viele Menschen sind der Meinung, dass Lästern ein böswilliges Synonym für die Verbreitung von Gerüchten ist. Die Forscher erklären jedoch, dass Lästern die Art und Weise ist, wie man über Menschen spricht, die nicht anwesend sind.

  • In der Studie der University of California stellten die Wissenschafter fest, dass die 467 befragten Probanden circa 52 Minuten täglich über Klatsch und Tratsch sprechen. Drei Viertel der Lästereien waren jedoch neutral.
  • Ein Proband sprach beispielsweise über eine andere Person, die sich viele Filme ansah, um stets auf dem Laufenden zu bleiben. "Es war irgendwie langweilig", erklärt Studienleiterin Megan Robbins, "überhaupt nicht anzüglich und negativ".

Nur 15% der analysierten Gespräche wurden als Lästern wahrgenommen, wobei der "positive Tratsch" nur 9% ausmachte. Es stimmt also, dass Menschen einen Großteil ihrer Zeit gerne über andere Menschen reden, aber dieses Geschwätz ist oft gutartig.

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Warum tratschen wir gerne?

Einige Forscher argumentieren, dass Klatsch unseren Vorfahren beim Überleben geholfen hat. Die Evolutionspsychologin Robin Dunbar verglich das Lästern mit der Pflege der Primaten, die diese nutzten, um eine Bindung zu ihren Artgenossen aufzubauen. Anstatt sich heutzutage gegenseitig von Flöhen und Dreck zu befreien, sprechen wir jetzt miteinander, "wo Klatsch und Tratsch ins Spiel kommen, denn bei Lästereien geht es meist um andere Menschen und um die Vermittlung sozialer Informationen", erklärt Dunbar.

Das Lästern ermöglicht den Menschen, wertvolle Informationen an unsere Gesellschaft weiterzugeben. "Wären wir nicht in der Lage, uns an Diskussionen über diese (sozialen und persönlichen) Themen zu beteiligen, könnten wir die Art von Gesellschaft, die wir betreiben, nicht aufrechterhalten", erklärt Dunbar gegenüber der Fachzeitschrift Review of General Psychology.

Laut den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es also ganz normal über Klatsch und Tratsch zu sprechen, solange es niemanden beleidigt oder Gerüchte in die Welt setzt, die negative Auswirkungen haben könnten. Ansonsten gilt das altbewährte Sprichwort: "Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, sollte man einfach den Mund halten."

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