Psychische Gesundheit

Misophonie: Wenn Geräusche im Alltag krank machen

Wie sensibel reagieren Sie auf das Schmatzen, Lachen, Atmen oder Schnarchen Ihrer Mitmenschen?

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Misophonie, wenn Geräusche krank machen
Wavebreakmedia / iStock

Bloß der Gedanke an das Geräusch, das entsteht, wenn man mit dem Fingernagel über die Tafel kratzt, löst bei vielen Gänsehaut aus. (Das Gefühl hat übrigens, zumindest im spanischen Sprachraum, einen Namen: "Grima".) Auch das monotone Ticken der Uhr löst bei vielen Menschen Unmut aus. Bei dem Phänomen der Misophonie allerdings leiden betroffene Menschen stark unter Geräuschen, die im Alltag allgegenwärtig sind. Das Schnarchen, Schmatzen oder Atmen von ihren Mitmenschen treibt sie nahezu in den Wahnsinn.

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Der akustische Feind lauert überall

Alltagsgeräusche nehmen wir oft nur unbewusst wahr. Manchmal, wenn wir gerade Ruhe brauchen, können sie uns auf die Nerven gehen.

  • Menschen, die unter Misophonie leiden, weisen bestimmten Tönen gegenüber eine stark verminderte Toleranz auf, die sie nicht selten an ihre Grenzen bringt.
  • Wörtlich übersetzt bedeutet Misophonie "Hass auf Geräusche".
  • Konkret handelt es sich dabei weder um eine anerkannte Krankheit, noch um eine Störung. Weil das Phänomen keine Angst auslöst, sondern Aggressionen, handelt es sich dabei auch nicht um eine Phobie.
  • Der Betroffene empfindet nicht alle Geräusche gleich unangenehm, sondern reagiert nur auf bestimmte akustische Signale.

Eine Studie, die an der Universität in Newcastle durchgeführt wurde, macht deutlich, dass besonders jene Hirnareale sensibel reagieren, die für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich sind. Bei jenen 20 Menschen mit Misophonie konnten die Forscher unter anderem eine erhöhte Schweißproduktion sowie eine gesteigerte Herzfrequenz feststellen.

Als Auslöser vermuten die Forscher traumatische Erlebnisse in der Kindheit.

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Alltagsgeräusche wie Schnarchen machen krank

Heilung (noch) nicht möglich

Behandelbar ist Misophonie bislang nicht. Die gewonnenen Erkenntnisse der englischen Studie tragen jedoch erheblich dazu bei, auf das Phänomen aufmerksam zu machen und Betroffene in Zukunft nicht als "verrückt" abzustempeln.

Hilfe erhalten Menschen mit Misophonie in Form von Verständnis und Mitgefühl sowie  Rücksichtnahme im engeren Umfeld.

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