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Kann Würgen beim Sex gefährlich werden?

Kann Würgen beim Geschlechtsverkehr wirklich erregend sein? Für viele Personen ist das gefährliche Atemspiel der ultimative Kick, der sie in einen Rausch fallen lässt.

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Das gefährliche Atemspiel beim Sex kann für viele Personen sehr erregend sein.
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Manche mögen darüber nur den Kopf schütteln, aber: Das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, kann für viele Personen unglaublich erregend sein. So genießen es manche Frauen und Männer, wenn sie beim Liebesspiel gewürgt werden. Die Atmungskontrolle durch eine andere Person ist für sie der ultimative Kick, denn dadurch sollen auch intensivere Orgasmen entstehen.

Wer sich im BDSM-Bereich selten bis gar nicht bewegt und solche Praktiken durchführen möchte, sollte einiges beachten, denn das Würgen kann schnell gesundheitsgefährdend werden.

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Würgen mit Händen oder Hilfsmitteln

Beim sogenannten Breathplay, (Asohyxiation, Hypoxiohilie), wird mit der Hand oder Hilfsmitteln wie Masken, Gürteln, Plastiktüten oder Strumpfhosen die Kehle des Partners zugeschnürt. Der unterwürfige Partner findet Gefallen an der eingeschränkten Atmung und verspürt dadurch ein gesteigertes Lustempfinden. Obwohl viele Pärchen diese Praktik während des Liebesspiels bevorzugen, greifen auch immer mehr Einzelpersonen auf die Selbststrangulation zurück.

Warum ist die Atemkontrolle so erregend? 

  • Werden die Atemwege zugeschnürt, entsteht ein Sauerstoffmangel im Gehirn. Durch den steigenden Kohlendioxidgehalt schüttet der Körper vermehrt Adrenalin aus.
  • Dies führt zu einem rauschartigen Zustand, der mit einem High wie beim Drogenkonsum verglichen werden kann. Die unterwürfigen Partner werden dadurch euphorisch und lassen alle Hemmungen fallen.
  • Zusätzlich werden Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet, die den Rausch einem Orgasmus gleichsetzen, der nur kurzzeitig anhält. Oft stellt sich daraufhin ein Suchtfaktor ein – das verleitet viele Personen dazu immer extremere Würge-Arten auszuprobieren.
  • Durch die Sucht und auf der Suche nach dem neuen Kick, werden die Grenzen immer weiter ausgetestet. Das kann im schlimmsten Fall mit dem Tod enden.

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Hirnschäden & Herzrhythmusstörungen

Wer das Würgen als "harmlosen Sexfetisch" abtut, gefährdet sich selbst und die Gesundheit seines Partners. Die Atemkontrolle darf niemals ohne die Zustimmung des Gegenübers erfolgen, egal ob aktiv oder passiv. Sogar in der BDSM-Szene ist man sich nicht sicher, ob das Würgen in das Prinzip von Safe, Sane und Consensual (sicher, gesund und einvernehmlich) passt. Durch fehlende Erfahrung, eine falsche Ausführung oder ohne Absprache können gesundheitliche Schäden auftreten:

  • Indirektes Ersticken: Das Würgen soll das Ersticken nur "anregen" und nicht tatsächlich hervorrufen. Wer sich jedoch bei der Sexpraktik übergibt, könnte das Erbrochene einatmen, welches dann in die Lunge gelangt. Deshalb sollten Sie vor dem sexuellen Würgen nichts essen!
  • Bewusstlosigkeit: Durch den übermäßigen Druck auf die Halsschlagader kann es zum Aussetzen des Herzschlags kommen. Der Blutdruck sinkt und der unterwürfige Partner wird bewusstlos. Dies wird auch als Karotis-Sinus-Syndrom bezeichnet.
  • Verletzungen der Luftröhre: Wer beim Sex zu fest die Kehle anpackt, kann unter anderem zu Brüchen des Zungenbeins oder Schwellungen der Luftröhre oder des Kehlkopfs beitragen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Wer sich regelmäßig beim Sex würgen lässt, riskiert durch den wiederholten Sauerstoffmangel seine Herzgesundheit. Das kann unter anderem zu Kammerflimmern, Herzrhythmusstörungen oder sogar einem Herzstillstand führen.
  • Geplatzte Adern: Durch den wiederholten Druck können auch Äderchen im Mund oder in den Augen platzen. Unter anderem können auch Aneurysmen auftreten.

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Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wer die Atemkontrolle beim Liebesspiel testen möchte, sollte zuerst mit seinem Partner über seine Wünsche sprechen und Regeln aufstellen, die für beide Beteiligten ansprechend sind. Behalten Sie die möglichen Gefahren immer im Kopf, besonders Herz- oder Lungenkranke sowie Asthmatiker haben ein erhöhtes Risiko beim Würgespiel gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Die SM-Praktik sollten Sie niemals in Kombination mit Alkohol oder Drogen ausprobieren. Das beeinflusst die Wahrnehmung und kann schnell gefährlich werden! Außerdem sollten Sie sich langsam an die neue sexuelle Situation herantasten – Gegenstände wie Gürtel, Strümpfe & Co sind Tabu! Sie oder Ihr Partner können mit der Hand besser den Druck einschätzen und den Griff auch schneller lösen, falls die Situation unangenehm wird. Außerdem sollten Sie sich ein Codezeichen (z.B.: mit der Hand) überlegen, mit dem der unterwürfige Partner signalisieren kann, dass er sich unwohl fühlt oder Schmerzen hat.

Auch bei SM-Praktiken sollte der Sexualpartner immer mit Respekt behandelt werden! Testen Sie also gemeinsam Ihre Grenzen aus und verletzen Sie nicht die Integrität Ihres Gegenübers. Nur so kann es für beide Personen erregend sein. 

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