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Interview über Corona & Partnerschaft: "Angstlust erzeugt sexuelle Spannung"

Wiener Psychotherapeutin MMag. Katharina Henz erklärt im Interview, wie die Corona-Krise unser Liebesleben beeinflusst hat.

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Interview Corona-Krise Liebesleben

Charday Penn / iStock

Zusammenrücken, auseinanderdriften – die Corona-Krise hat so manche Beziehung gestärkt, andere wiederum sind daran zerbrochen. Warum das so ist, wann es sich lohnt, für eine Beziehung zu kämpfen – und wann man diese besser beenden sollte, erklärt die Wiener Psychotherapeutin MMag. Katharina Henz im Interview.

gesundheitstrends.com: Viele Menschen verbinden Herbst und Winter mit Kuschelzeit. Warum sind wir im Herbst anhänglicher?

MMag. Henz:  Sind wir das? Ich denke, es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, dass wir im Herbst anhänglicher sind. Viel eher bin ich davon überzeugt, dass es von anderen Faktoren abhängt, wie verkuschelt wir sind – nämlich weniger vom Wetter, ­sondern vielmehr davon, in welcher Phase die Paarbeziehung gerade steckt oder ob ein Partner gerade bedürftiger ist als sonst.

gesundheitstrends.com: Das Coronavirus hat besonders während des Lockdowns ­viele Beziehungen auf eine harte Probe gestellt. Inwieweit hat die Corona-Krise die Beziehungsqualität verändert?

MMag. Henz: Zwei Dinge waren dabei zu beobachten: Diese Bedrohung von außen war eine Möglichkeit, wieder zusammenzufinden und mehr zu kuscheln. Bei Paaren, denen es gut ging, ist die Intimität gewachsen – und es wurde mehr gekuschelt. Allerdings haben sich die Probleme bei Paaren, bei denen es zuvor schon gekriselt hat, leider noch mehr verstärkt.

"Eine Beziehung ist wie ein Garten, der gepflegt werden möchte." – MMag. Katharina Henz

gesundheitstrends.com: Wie kann man die Beziehung dann wieder ins Lot bringen?

MMag. Henz: Zusammensetzen, reden und eine Bestandsaufnahme machen: Was machen wir gut? Worauf sind wir stolz? Was könnten wir besser machen? Was fehlt uns? Stellen Sie sich die Beziehung wie ­einen Garten vor: Bei der Hochzeit ist er wunderschön, doch wird dieser Garten nicht gepflegt und sozusagen kein Unkraut gezupft, schaut er irgendwann einmal schrecklich aus. Es sind die kleinen ­Gesten, die den Garten in Schuss halten: einmal ­Danke sagen oder dem anderen einfach nur so über die Wange streicheln. Im Alltag mag das manchmal anstrengend sein, doch langfristig zahlt es sich aus.

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gesundheitstrends.com: Im Alltag hat Sex oft keinen Platz. Was können Paare tun, damit die Leidenschaft wieder entfacht wird?

MMag. Henz: Viele Sexualtherapeuten sagen, es ist nicht die Nähe, die sexuelle Anziehungskraft erzeugt, sondern der Abstand. Im Abstand wächst das Be­gehren, in der Nähe lässt das Begehren eher nach. Zu viel Nähe war wahrscheinlich bei vielen Paaren im Lockdown der Auslöser für eine Beziehungskrise: Am Anfang ist man zusammengerückt, hatte aufgrund der ungewohnten Situation mehr ungewohnten Sex, doch dann fehlte der Abstand, damit der andere wieder anziehend wirkt. Begehren braucht offensichtlich etwas Befremdetes, z.B. ein Rollenspiel oder eine andere erotische Überraschung.

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