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Helden des Wiener Attentats: "Ich würde heute das gleiche wieder tun"

Mikail Özen und Recep Gültekin wollten vor dem Lockdown noch einen Kaffee trinken, doch plötzlich hörten sie Schüsse und mussten um ihr Leben bangen. Nichtsdestotrotz halfen sie anderen Menschen während des Attentats in der Wiener Innenstadt.

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Wien Attentat helden
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Das Attentat in Wien löste nicht nur eine Welle der Angst, sondern eine Welle der Solidarität aus. Unzählige Wirte schlossen ihre Lokale, um ihre Gäste zu schützen. Auf Social Media schrieben immer mehr Nutzer, dass sie Menschen aufnehmen würden, die keinen sicheren Unterschlupf finden oder nicht nach Hause fahren können. Und dann gab es da noch zwei heldenhafte Österreicher, die im Kugelhagel zwei Menschen das Leben retteten: Mikail Özen und Recep Gültekin.

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Recep wurde angeschossen

Laut Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist das Attentat in der Wiener Innenstadt das "schlimmste unserer jüngeren Geschichte". Das haben auch die zwei türkischstämmigen Wiener Mikail Özen (25) und Recep Gültekin (21) mitbekommen. Sie waren im Geschehen live dabei und haben heldenhaft einen Polizisten gerettet, der angeschossen wurde. "Mein Freund und ich hatten kurz Blickkontakt und wussten, was zu tun ist. Es gab keine andere Wahl, als zu helfen", sagte Özen gegenüber "Kurier".

Die zwei jungen Männer wollten vor dem Lockdown noch auf einen letzten Kaffee gehen und waren inmitten der fürchterlichen Szenen gefangen "Menschen sind auf dem Boden gelegen, manche sind blutig weggerannt", erzählte Mikail. Die zwei Freunde waren in ihrem Auto als sie am Schwedenplatz die Schüsse hörte. Recep sah eine Frau auf dem Boden liegen und kam ihr zur Hilfe. Dabei wurde er von dem Attentäter angeschossen: "Der Angreifer hat auf ihn gefeuert. Recep konnte sich aber intuitiv mit einem Purzelbaum retten, Er hat einen Splitter abbekommen", erzählte Mikail weiter. Sie fuhren zur nächsten Polizeistation und schilderten die Geschehnisse. Gültekin konnte sogar eine Beschreibung des Täters angeben.

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"Ich würde heute das gleiche wieder tun"

Danach wollten die zwei Männer den ersten Bezirk verlassen, doch haben eine ältere Dame gesehen, die ahnungslos zum Attentäter lief. Özen und Gültekin stiegen erneut aus und brachten die Frau in Sicherheit. Anschließend fielen wieder Schüsse: "Wir haben uns gebückt weiter bewegt und einen Polizisten am Boden liegen gesehen, er war am Verbluten. Wir haben uns kurz angesehen und gesagt 'renn'", erzählte Özen, der als Kampfsportler tätig ist. "Wir wussten sofort, was zu tun war, es gab keine andere Wahl als zu helfen", sagte der 25-Jährige. Anschließend trugen sie den Polizisten zu einem Rettungswagen. Für die zwei Freunde war es trotz der außergewöhnlichen Situation selbstverständlich zu helfen: "(…) wir türkisch-stämmige Muslime jeglichen Terror verabscheuen. Wir lieben Österreich, wir stehen zu Österreich. Österreich ist unsere Heimat. Wir würden jederzeit helfen. Ich würde heute das gleiche wieder tun."

Auf Social Media erzählte Özen von der lebensbedrohlichen Situation: 

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McDonald's Mitarbeiter leistete Erste Hilfe

Noch bevor Recep und Mikail den verletzten Beamten entdeckten, war der 23-jährige Osama Joda vor Ort, der Erste Hilfe leistete. Er arbeitet bei der Fast-Food-Kette- "Mc Donalds" und wollte an diesem Abend mit seinem Filialleiter Waren in das Lokal tragen, als sie plötzlich den Attentäter entdeckten: "Er versteckte sich in einer geschlossenen Garagenausfahrt und feuerte auf Passanten", erzählte Joda. "Mein Filialleiter hat sich versteckt und ich habe mich hinter einer Betonbank in Sicherheit gebracht." Als ihnen zwei Polizisten helfen wollten, wurde einer von ihnen angeschossen.

"Da habe ich ihn hinter die Betonbank gezogen und versucht, die Blutung zu stoppen. Der Attentäter hat aus etwa 20-30 Meter weiter gefeuert. Überall war Blut", erzählte der mutige Osama weiter. Als weitere Beamte kamen, ist der Täter geflüchtet. Die Polizisten haben Joda daraufhin gebeten, die Rettung zu alarmieren: "Das habe ich getan und dann habe ich geholfen, den Beamten zum Rettungswagen zu schleppen. Auf den letzten 15, 20 Metern kamen uns die beiden anderen Burschen zu Hilfe. Ich habe den Rettungskräften dann alles gesagt, was ich über die Verletzung wusste und bin mit aufs Polizeipräsidium gefahren."

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