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#NotAllMenButAllWomen: Darum geht die #NotAllMen-Bewegung am eigentlichen Problem vorbei

#NotAllMenButAllWomen: Warum Männer mehr für die Sicherheit von Frauen tun müssen, als sich mit #NotAllMan zu labeln.

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#NotAllMen: Darum müssen Männer Zivilcourage zeigen
Vesnaandjic / iStock

Weltweit wird eine von drei Frauen Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch einen Partner oder durch eine fremde Person. Was diese alarmierende Zahl bei Frauen, Mädchen und weiblich aussehenden Personen auslöst? Angst, Frust und Wut. Denn obwohl man den Töchtern dieser Welt stets eingetrichtert hat, wie man sich vor derartigen Übergriffen und schrecklichen Gewalttaten schützt, liegt der Schlüssel zur Lösung einer derart schrecklichen Problematik nicht in den Händen der Opfer – das zeigt nun abermals der schreckliche Mord an Sarah Everard.  Auf Twitter formte sich nun der Hashtag #NotAllMenButAllWomen, als Antwort auf die #NotAllMen-Bewegung.

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"Schreib mir, wenn du sicher zu Hause bist"

Trag' den Schlüssel stets in der Hand, geh niemals mit Kopfhörer durch die Straßen, tausche die High Heels gegen flache Schuhe und telefoniere am besten mit jemanden, um schnell nach Hilfe rufen zu können. Es sind Tipps, die Frauen wohlbekannt sind. Ratschläge, die Frauen am Heimweg schützen sollen. Und doch sind es Handlungsempfehlungen, die nichts nützen, sofern sich unser System nicht wandelt. Es sollte sich nämlich nicht jene Gruppe ändern müssen, die gar nicht erst Teil des Problems ist.

Denn auch Sarah Everard befolgte die präventiven Ratschläge als sie sich auf den am Heimweg in ihre Wohnung nach Süd-London begab. Doch die Nachricht "Ich bin sicher zu Hause" konnte sie nie abschicken. Am 3. März, kurz nachdem sie mit ihrem Freund telefonierte, verschwand die 33-Jährige. Mittlerweile wurde ihre Leiche gefunden, während ein 48-Jähriger Polizist des Mordes an Sarah beschuldigt wird. Die Ermordung führte in weiterer Folge zu tausenden Demonstrationen in London gegen Gewalt an Frauen.

 

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#NotAllMen-Bewegung löst das Problem nicht

Doch nicht nur in Großbritannien sorgte der Fall für viele Debatten und Reaktionen. Weltweit zeigen sich Frauen solidarisch, erzählen von ihren Erfahrungen von sexuellen Übergriffen und Gewalttaten. Denn der tragische Mord an Sarah bringt das Fass nicht zum Überlaufen, sondern zum Überströmen. Jeden Tag werden Frauen zum Opfer von Gewalt und jeder verstrichene Tag, an dem wir nichts dagegen unternehmen, ist einer zu viel.

Parallel dazu entwickelt sich derzeit eine andere Bewegung auf Twitter, die diese angestrebte Veränderung ausbremst. Unter dem Hashtag #NotAllMen weigern sich zahlreiche User mit jenen Männern über einen Kamm geschert zu werden, die Täter von solch grausamen Gewalttaten sind. Und auf keinen Fall ist die Definition eines Mannes mit dem eines Mörders, Vergewaltigers oder belästigenden Täters an Frauen gleichzusetzen. Doch bei einem derart grausamen Problem gibt es nicht nur Schwarz-Weiß, Täter und Opfer. Viel eher gibt es Täter, Opfer und jene, die diese Missstände unberührt hinnehmen, weil sie nicht davon betroffen sind.

  • #NotAllMen belästigen Frauen, aber #NotAllMen schreiten ein, wenn Frauen belästigt werden.
  • #NotAllMen üben Gewalttaten oder sexuelle Übergriffe aus, aber #NotAllMen zeigen Solidarität gegenüber Betroffenen.
  • #NotAllMen sind Teil des Problems, aber ebenso sind #NotAllMen Teil der Lösung.
  • Wenngleich also #NotAllMen Täter sind, so sind beinahe #AllWomen Opfer davon.

So entstand in Folge einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung von UN Women UK die Gegenbewegung #NotAllMenButAllWomen zum #NotAllMen-Argument auf Twitter. Denn die Studie zeigt, dass 97% der befragten Frauen in Großbritannien im Alter von 18 bis 24 Jahren schon einmal von sexueller Belästigung betroffen waren.

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Zivilcourage zeigen statt passiv bleiben

Ja, nicht alle Männer tragen an diesen alarmierenden Zahlen Schuld. Viele Männer sind in der Lage hinzuhören, fähig vergangenes Fehlverhalten einzugestehen und bereit gemeinsam und solidarisch mit Frauen eine Veränderung zu bewirken. Doch in einer Welt, in der das weibliche Geschlecht einmal mehr zum schwachen Glied der Gesellschaft degradiert wird, braucht es weit mehr von dieser Art des Miteinanders. In einer Kultur, in der Mädchen von klein auf "Sicherheitsmaßnahmen" für den Heimweg im Hinterkopf haben, reicht es nicht aus, sich mit #NotAllMen zu labeln. Wir wissen, dass nicht alle Männer den Grund für diese Vorsichtsmaßnahmen darstellen. Doch so lange, bis sich #NotAllMen an einer Veränderung dieser Problematik beteiligen, müssen #AllWomen Angst haben, wenn sie nachts alleine unterwegs sind. Denn das Gegenstück zu "Nicht alle Männer" sind immer noch zu viele Täter, die Frauen in Furcht leben lassen, wie die zahlreichen Studien belegen.

Was du als Mann tun kannst, damit Frauen sich nachts sicherer fühlen? Unter diesem Post von feminismandotherthings findest du Tipps, mit denen du dich solidarisch gegenüber Frauen zeigen kannst.

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